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Undercover bei Goth

Eins vorweg: Ich bin gerade in so einer Zwischenphase meiner Entwicklung. Gerade aus dem Dorfkindalter heraus und das Zeitalter der Großstadtfrau ist noch ein Silberstreif am Horizont- ich bin ein richtiges Kleinstadtmädchen. Demnach ist mir der Untergrund und irgendwelche Szenen nur von Bildern und Reportagen bekannt.
Ich spare euch die lange Einleitung, wieso warum was. Nennen wir es einfach ein Experiment. 
Gestern 23:00: 
Fertig machen für eine Diskothek, in der ich noch nie war und die mir bis jetzt nur als „Die Villa“ bekannt ist. Ich werde vorgewarnt, dass es dort schräg sein soll und meine Freundin, die in dieser Goth-Szene deutlich mehr drinsteckt als ich, leiht mir Klamotten und Accessoires, damit ich nicht komisch angesehen werde. Dunkel geschminkt, eine trägerloses, schwarzes, Corsage-ähnliches Oberteil und einen Petticoat, ebenfalls in schwarz. Ich komme mir vor wie die Prinzessin der Untoten. 
24:00: 
Ankunft in der Hölle. Der Eintritt ist frei und so begebe ich mich direkt hinter meiner Freundin in die Dunkelheit. Und das ist noch untertrieben. Der Gang zu den Toiletten/Dancefloor ist gar nicht erst beleuchtet. Überall schwarze Gestalten. 
Mein erster Gedanke: „Oh mein Gott, wenn sie mitkriegen, dass ich gar nicht so bin wie sie, zerreißen sie mich in Stücke und trinken mein Blut!“ Der komplette Dancefloor ist voller Kunstnebel und man hat wirklich keine Ahnung, wo man hintritt. Industrialbeats hämmern mir in den Ohren und die Grabesstimme des Sängers verkündet: „Gott ist tot!“ Halleluja, willkommen in der Hölle. 
Frauen tragen Corsages und Mittelalter-ähnliche Röcke, ganz viel Stoff oder sind ganz knapp bekleidet. Überdimensionierte Absatzschuhe stehen gar keinen Schuhen gegenüber. Springerstiefel mit Stahlkappen. Männer, die genauso dunkel geschminkt sind und Haare bis zum Hintern haben. Alles und nichts kann ich sehen. Von Alt (60) bis Jung (15) lebt sich jeder auf seine ganz eigene Art aus. 
01:30:
Beim Tanzen später muss ich mir gar keinen Kopf machen, wie ich dabei aussehe, jeder tanzt für sich und schwebt in einer ganz eigenen Dimension. Ein gemeinsamer Einzeltanz der Extreme. Jeder hat dabei seinen eigenen Stil, ich gehe in der pulsierenden Masse grotesker Schönheiten auf und lasse mich mitreißen. Bei kurzen Pausen ist sogar das Beobachten der schüttelnden Masse eine Augenweide. Diese Individualität ist schier überwältigend. Es ist im ersten Moment eine schwarze Masse, doch nach und nach kristallisieren sich alle als einzelne Individuen mit komplett eigenem Willen heraus. Die Musik bleibt abwechslungsreich. Marylin Manson darf natürlich nicht fehlen (man wie habe ich dabei angetanzt!) über ASP und Unheilig bis hin zur 90er Jahre-Trashmusik – einmal kommt sogar Placebo mit dem Lied „Meds“ aus den Lautsprechern geschallt. 
Bei ruhigeren, fast romantischen Liedern gehen ganz viele Pärchen auf die Tanzfläche und tanzen und küssen sich das ganze Lied über. So etwas kenne ich nur aus schnulzigen Filmen. Hier sowas zu erleben!
4:00: 
Nach 4 Stunden vollem Abtanzen übermannte mich die Müdigkeit und so ging ich mit dröhnendem Tinnitus nach Haus. Fazit des Abends: Auf jeden Fall lohnenswert! So anders die Menschen auch aussehen, auch sie wollen nur Spaß haben. Ich muss zugeben, dass ich mich mehr in der Musik fallen und gehen lassen konnte als bei „normalen Diskotheken“ und mich selbst lebendiger fühlte.Natürlich habe ich einen Haufen Fotos gemacht, leider sind die meisten dank schlechter Beleuchtung dunkel. Dennoch möchte ich euch die Fotos nicht vorenthalten:
Das einzige Bunte an dem Abend waren die Lichter in Rot- und Blautönen

Langes Kleid vs. gar keine Hose!
Viel Ketten und Stacheln- bis hin zu Piercings im Arm!
Barfuß auf dem Dancefloor
Damit ihr seht, wie einige getanzt hatten.
Published inKnipsenLeben

Ein Kommentar

  1. danke!:) und tolle bilder. ;)

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