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..bis das der Tod uns scheidet

Ich weiß ich bin noch jung. Aber die Vorstellung, eines Tages nicht mehr da zu sein geht mir des öfteren durch den Kopf. Momentan haben wir auf Station gleich 4 Patienten, bei denen wir nicht wissen, ob sie den morgigen Tag erleben. Ja, Brustkrebs mit Metastasen macht einiges kaputt.
Mir wurde mal die Frage gestellt:
„Was ist dir lieber: Hirnmetastasen zu haben, sodass man die letzten Wochen nur noch in der eigenen Welt verschwunden ist und nichts mehr mitbekommt und sich so auch nicht verabschieden kann oder Lungenmetastasen, bei denen man (oftmals) bei vollem Verstand jämmerlich erstickt?“
Ehm. Am liebsten einfach irgendwann tot umfallen und Basta!
Klar, jeder geht mit dem Tod anders um, manche verdrängen es und haben bis zuletzt Hoffnung, andere sehen die Sache relativ abgeklärt. Eine sehr junge Patientin mit Krebs im Endstatium und Lungenmetastasen meinte einmal zu mir:
„Eine Sache bereue ich wirklich. Es ist erst Anfang Dezember und der Wetterbericht sagt, dass es so schnell nicht schneien wird. Ich liebte es doch so, Schnee zu schieben.“ 
Eine Woche später war sie tot.
Bei Einigen geht es ganz schnell. Wie eine Sternschnuppe am Himmel leuchten sie nur nochmal kurz auf und sind im nächsten Moment auch schon verschwunden, kaum, dass sie da waren. Viele brauchen ewig. Morgens haben sie schon die volle Dröhnung Morphium im Blut und stöhnen dennoch vor Schmerzen, der Atem geht stoßweise und unregelmäßig. Ansprechbar sind sie nicht mehr, wer weiß wo sie gedanklich schon sind.
Wenn ich eine tote Person ansehe, die ich mal kannte und mit der ich vor noch so wenigen Stunden erzählt habe, dann erkenne ich sie dennoch nicht wieder. Es ist, als ob sie völlig entstellt wurde, obwohl ich nicht sagen kann, was genau. Sie ist anders.
Todkranke Krebspatienten verstreuen manchmal mehr Lebensmut als Leute, die mir auf der Straße entgegenkommen. Sie zeigen mir, wie liebenswert das Leben sein kann.
Wie geht ihr mit dem Tod um? Und vor allem: Wie stellt ihr euch den Tod vor?
Published inLeben

9 Comments

  1. danke ((: das was du meinst ist brokolicremesuppe :D es ist nicht so das ich brokoli mag, die ist aber echt lecker !

  2. Das ist der erste Post, der mich wirklich zum Weinen gebracht hat.
    Es muss furchtbar anstregend für dich sein, all das mit zuerleben. Ich könnte das nicht, ich würde daran zerbrechen.
    Alleine die Konfrotation mit den kranken Menschen, die darauf warten zu sterben.
    Früher habe ich bis in die Nacht geweint, weil ich so sehr Angst vor dem Tod hatte.
    Angst davor eines Tages nicht mehr zu denken, nichts zu spüren, einfach ausgelöscht sein.
    Am meisten hatte ich davor Angst, dass ich all meine Erinnerungen verliere.
    Ich denke, was auch vielen hilft besser mit dem Tod umzugehen, ist der Glaube an ein Leben im „Jenseits“.
    Ob Christ oder Buddhist, Muslime oder sonstige Gläubige, alle glauben an irgendein Leben nach dem Tod.
    Und ich finde es gut, dass du auch solche ernsten Themen ansprichst!

    Die Stelle mit dem jungen Patienten der Lungenkrebs hatte, hat mich zum weinen gerührt.
    Ich könnte sowas einfach nicht ertragen, du musst wirklich stark sein. Natürlich nimmt einen sowas immer mit, aber ich glaube wenn jemand so tätig ist wie du, „stumpft“ man mit der Zeit ab.
    Jedenfalls hast du meinen Respekt an der Stelle,
    es ist wundervoll das es auch Menschen gibt die nicht wegschauen und die etwas für die Menschen tun.

  3. ohja ohja .. aber wer will der soll ruhig weiter ’smartphonen‘ … :-/

    dein text hat mich wirklich berührt ! wie schaffst du es nur, so etwas auszuhalten :-(?
    leider ist nicht vielen leuten bewusst, dass sie sich glücklich schätzen können weil sie ein gesundes leben führen! dabei ist die gesundheit so wichtig! früher habe ich nicht verstanden warum mein vater dauernd meine liebe und gesundheit sind die einzigen sachen die ein mensch braucht! ich dachte immer „liebe“ wäre das einzig wichtige, aber jetzt verstehe ich auch das gesundheit ein unglaublich großer faktor in unserem leben ist!
    ich habe keine angst vor dem tod, wenn ich weiß ich habe mein leben so gelebt, wie ich es wollte. aber ich habe angst vor schemrzen ! wie jeder mensch auch! am besten wäre ein natürlicher, stiller tod .. aber wer weiß schon was in zukunft passieren wird ..

    ich habe mich etwas in deinem blog reingelesen und finde ihn echt gut :) von daher followe ich dich jetz ;)

    grüße

  4. Interessante tiefgründige Gedanken.
    Ich denke dass wenn es soweit ist und man im sterben liegt, dass man in den letzten Sekunden bereit sein wird. Auch wenn man es sich so vll nich vorstellen kann. Doch im entscheidenen Moment wird man mit Zuversicht und Zufriedenheit auf die letzte (?) Reise gehen :)

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht Alice von
    just a wonderland – no more, no less

  5. Es ist so wahr, was du schreibst.
    Und so bewegend.
    Und so wichtig …
    Denn … Der Tod soll das Ende sein.
    Das Ende einer ganzen Welt.
    Wenn ich morgen Sterben sollte, dann stirbt mit mir die Welt wie ich sie sehe. Und das kann keiner Retten. Tagebücher, Kunstwerke, Hinterlassenschaften sind Fragmente die ein Mensch der Nachwelt vermachen kann um sein Empfinden zu beschreiben.
    Aber niemals wird es möglich sein, Alles zu Sichern und weiterzugeben.
    Das höhste Gut, die wichtigste Aufgabe mag es sein, das eigene Erbe und Blut weiterzureichen; Kinder und deren Kinder zu Hinterlassen …
    Um ein Stück der Welt aufrechtzuerhalten.
    Aber was bleibt wirklich?
    Wir heute, unsere Gesellschaft wie sie gerade ist, ist das Produkt jahrtausendlanger Selektion. Die widerstandsfähigsten, anpassungsfähigsten, stärksten Gene?
    Und wie viele Mutationen hatten einen negativen Einfluss auf die Gesundheit, ja die Psyche der Menschheit?
    Wie viele Krankheiten hat es mit sich gezogen?
    Und wie viele Menschen sterben jetzt ohne ihr Erbgut weiterzureichen?
    Wie viele Linien jahrtausendlanger Überlebenskämpfe rotten gerade jetzt in dieser Sekunde aus?

    Wie viele Menschen haben nicht das Glück, erfüllt und gesund lange zu Leben.
    In wie vielen Leben gbt es kein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse?
    … Da muss es doch weitergehen … Ein „und dann“ geben …
    Tief im Inneren will Jeder glauben, er sei der Erste, der nicht sterben wird. Denn es ist so schrecklich und unvorstellbar.
    Der Tod ist brutal.
    Und sobald man aufhört an einen tieferen Sinn zu glauben, will man sich vor Angst vorm Sterben am Liebsten das Leben nehmen …

    • So viele Fragen, Mikki, und ich kann dir so wenig Antworten geben. Ich weiß nur, dass wenn es wirklich einen Gott geben würde, viele junge Menschen von leid erlöst wären und es keinen plötzlichen Kindstod geben würde- das ist für mich der Beweis, dass WENN es einen Gott gibt, dieser grausam ist. und dein letzer Satz ist sooo, sooo wahr!

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