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Sonntagskolumne 02/12: Ist es wirklich…

…unmöglich, Menschen zu ändern?

Mein FSJ neigt sich dem Ende zu und ich durfte viele Erfahrungen in verschiedenen Dingen sammeln (dazu aber später mehr). Neben diesem Einblick ins Berufsleben stieß ich natürlich auch auf Menschen und ihre Macken. Klar, jeder hat seine Stärken und Schwächen, aber im Gegensatz zur Freizeit/Schule (ich bin so frei, diese beiden im klaren Gegensatz zu Folgendem zu setzen) nimmt man im Berufsleben diese viel intensiver wahr. 
Ich rede nicht unbedingt von den eigenen, wie schnell regt man sich über Kollegen und Vorgesetzte auf. Natürlich habe ich mir, wie es auch sein sollte, versucht, erstmal an die eigene Nase zu fassen, bevor ich wirklich auf die Macken anderer schaue. 
Doch wenn es nichts mehr gibt, was man sich vorzuwerfen hat und andere wirklich einfach zetern, meckern und schimpfen, weil sie das halt so mögen und deshalb auch schon etliche Beschwerden bekommen haben, kommt die Frage auf: 
Warum versucht man sich nicht zu ändern? Wann haben wir diese Fähigkeit verloren? 

Ich glaube es muss irgendwann zwischen Pubertät und eigener Unabhängigkeit passiert sein. In dem Moment, in dem wir merkten, dass wir so, wie wir sind, durchs Leben kommen. Ich bin mal ganz offen: meine größte Macke in meinem bisherigen Berufsleben ist es (neben meinem Hang zum Perfektionismus) immer meinen Senf zu allem zu geben. Auch ungefragt. 
Manchmal rutschen mir Sachen raus, die mir genauso unverblümt und ehrlich im Kopf herumschwirrten und noch in der Sekunde, in der ich sie ausspreche, würde ich mir am liebsten den Hals zudrehen. Ob es jetzt ein gar nicht bös gemeinter, aber unangebrachter Kommentar an eine Freundin ist oder dummerweise eine naive Aussage, mit der sich eine ältere Schwester beleidigt fühlen könnte (die aber auch nicht böse gemeint ist). 

Wenn man sich selbst so sehr über diese Schwäche ärgert, nimmt man sich vielleicht jeden Tag aufs Neue vor, sich zu ändern. Wieso auch nicht? Ab morgen überlege ich erst, bevor ich rede. Ab Morgen mache ich mir keinen Stress. Ab Morgen…reiße ich die Weltherrschaft an mich. Ab Morgen… bin ich perfekt! Und vielleicht hat man sogar Glück und der Tag verläuft so, wie man ihn sich vorgestellt hat. Eine Weile Ruhe für die Seele heißt die Macke wieder vergessen. Und dann: Irgendwann platzt sie doch wieder raus. Dramatische Einschnitte im Leben verändern Menschen, davon habe ich gehört. Aber dass sich alles zum Guten wendete und der Mensch damit seine größten Macken begleichen konnte, das ist mir fremd. Bei Fehlern ist das vielleicht was anderes, aber Schwächen, die sind da in uns drin. Ich kenne mich mit der Genforschung zu wenig aus, um zu behaupten, dass es an denen liegt, aber es heißt, dass wir schon im Mutterleib beispielsweise durch Geräusche beeinflusst werden. 
Nackt und noch unschuldig kommen wir dann auf die Welt und diese erschlagenden Eindrücke hinterlassen Spuren. Damit muss man erst mal klar kommen. Ob Schwächen eine Sache der Kompensation sind? Mir fällt gerade auf, dass auch eine Schwäche von mir ist, Posts vernünftig zu Ende zu bringen und dass da nur eine Weisheit hilft: Daran arbeiten und immer wieder üben. Wenn man genug Ausdauer hat kann man die Schwäche vielleicht zu einem kleinen Tick machen, der nicht so unangenehm aufstößt, aber das Beste, was einem passieren kann ist das, was professionelle Bewerbungscoachs raten: 
Mache die Schwächen zu deinen Stärken! Denn sein wir mal ehrlich: Niemand hat keine Schwächen und ohne diese endlosen Macken wären wir perfekt und perfekt sein… nun… das ist schon wieder langweilig. Aber auch dazu irgendwann mehr. Und jetzt. Wirklich. Schluss. aaaah. Punkt!
Published inSchreibenSonntagskolumne

2 Comments

  1. Mhm teils stimme ich dir zu, teils spreche ich jetzt mal dagegen.
    MNatürlich ist es wichtig an sich zu arbeiten, aus seinen Schwächen seine Stärken zu machen aber das widerspricht sich mit dem, dass man sich selbst akzeptieren sollte wie man ist, denn niemand ist perfekt.
    In dem Punkt wo man versucht daran zu arbeiten, wird es immer wieder Punkte geben an denen man arbeiten muss. Klar muss man das angehen, natrlich ist es ein Teil unseres Lebens immer an uns zu arbeiten und über uns hinaus zu wachsen, aber wofür änder ich mich? Bin ich dann wirklich glücklicher wenn ich nirgendswo anecken kann? Nur damit meine Umwelt mich besser wahrnimmt? Vielleicht sollte man toleranter gegenüber sich selbst und den anderen sein, zu akzeptieren das wir alle Macken haben und damit zu leben.
    Denn irgendwann verliert man den Überblick und man hat aufgehört, sich selbst zu sein. Für sich zu leben. Aber ich gebe dir Recht, niemand ist perfekt und mein Kommentar findet auch kein richtiges Ende :D

    In dem Sinne,
    LG Caro

    • Danke für deinen Kommentar. Und ich muss dir schon recht geben- aber ich bin jetzt von Schwächen ausgegangen, die uns ja selbst nerven und die man dann ändern könnte,für uns selbst mehr als für andere. Dennoch hast du Recht, aber wer sich selbst zu sehr akzeptiert kann es doch auch nicht gut sein, oder? Dann ist man doch viel zufrieden=!?

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