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Getrieben. Stories aus der weiten wilden Welt.

Wie bereits angekündigt, gibt es heute mal wieder eine Buchrezension.

Andreas Altmann: Getrieben. Stories aus der weiten wilden Welt

Informationen:
Seiten: 204, Paperback
Verlag: Solibro
ISBN: 978-3-932927-49-2
Erscheinungsdatum: 22.Juni 2012
Inhalt: 18 Kurzgeschichten, die intensive Erlebnisse autobiografisch schildern.
Es handelt von „Homosex, mehrfachem Versicherungsbetrug, schwerem Diebstahl, Impotenz, misslungener Nähe, Drogen, Hysterie, Aids und Liebesunfähigkeit“ (Vorwort)
 via.
Tja womit fange ich am besten an? Es gibt viel zu dieser Kurzgeschichtensammlung zu sagen. Interessant ist für mich erstmal die Intention des Altmanns gewesen, er fordert vehement Gefühle und widmet das Buch all jenen, die ihr Recht auf ein eigenständiges, eigenwilliges Leben nicht verraten haben. Er beschreibt in seinem Vorwort seine Kurzgeschichten selbst ziemlich passend. Alle Geschichten sollen „ganz nah dran“ sein und es sind Geschichten, die ihm widerfahren sind, es gibt keine versteckten Metaebenen, aber dennoch sind die Geschichte nicht wahr, sondern spiegeln die Wirklichkeit wieder, an die er sich erinnert. Auch das Wort autobiografisch fällt.
Wenn man Vorwörter wirklich liest, hat man nun eine gewisse Erwartungshaltung an das Buch und so hab ich  mich auch neugierig an die erste Kurzgeschichte rangesetzt. Dass Altmann sich vor der Wohlfühlgesellschaft grault, bemerkt man irgendwie in jeder Geschichte (u.a. weil es im Vorwort ebenfalls steht). Wie ein roter Faden hat man das Gefühl, dass der Protagonist, egal in welchem Szenario er sich befindet, nie wirklich angekommen zu sein scheint, sondern ein Reisender oder Suchender nach dem Glück ist. Ebenfalls ist allen Stories Altmanns ein unbezwingbares Verlangen nach jener Unmittelbarkeit der Erfahrungen gleich und für ihn scheinen Glück und Schmerz auf einer Stufe zu stehen, wichtig ist die Intensivität des Gefühls und der Erfahrungen.
Gegliedert werden die Kurzgeschichten unter den Kategorien Abenteuer (8), Schreie & Flüstern (5), Eros (4), Last Exit (1), die sich schon vom Namen her selbst erklären. Ich habe für mich jede Story einzeln bewertet, wobei 5 das Beste war und 1 das Schlechteste. Mein Urteil zu den Storys hatte „nur“ einen Durchschnitt von 2,5, obwohl viele Geschichten mir sehr gut gefallen, beispielsweise: Der Dieb, Der Trip, Die Hinrichtung einer schönen Geliebten, Fernando. Bevor ich jetzt aber noch zu den Dingen (und Geschichten) komme, die mir nicht gefallen, werde ich erstmal bei den positiven Dingen bleiben. Der Schreibstil variiert zwischen den Geschichten und passt sich teilweise des Protagonisten an, allerdings nur unterschwellig, nichts wirkt aufgesetzt. Jede Story handelt in einem komplett neuem Szenario, der Leser befindet sich von Anfang an mitten drin und wird förmlich in das Buch gezogen (was das wieder Weglegen schwer machte). Altmann hat sehr viel Wert auf kleine Details gelegt, die ein Szenario authentisch machen. Obwohl alle Stories für sich stehen, findet man hin und wieder kleine Verknüpfungen und Anspielungen zu den anderen Stories. Abwechslungsreiche Länge der Geschichten beugt Langeweile vor. Und während des Lesens kommen einem tausende Fragen auf, man begibt sich förmlich mit Altmann auf eine Sinnsuche.
Dennoch gibt es einige Dinge, die mich geärgert haben. Zwar sagt Altmann in seinem Vorwort ganz bewusst, dass die Stories keine Metaebene haben und mehr oder weniger nur schildern und berichten und für mich ist das zwischen den Zeilen auch nicht immer unbedingt notwendig, aber dafür hatte ich ein paar mehr Extreme erwartet. Nachdem andere Kritiker empört über seine Schilderungen reagierten, muss ich sagen, dass sie mich zwar unterhalten haben, aber keinesfalls schockiert. Das Vorwort warnt ja sogar die „zart besaiteten Leser“. Hm, naja. So unterschiedlich die Geschichten auch sind, ist auch meine Meinung. Manche Geschichten waren mir viel zu oberflächlich und dauerhaft ging es nur um die Personen, sodass der Schauort (ob jetzt in China, Frankreich oder New York) völlig egal ist, weil die Umgebung nicht wirklich einen großen Einfluss auf die Menschen hat (abgesehen von 1, 2 Geschichten, in denen Landesmentalitäten/ Klischees aufgegriffen wurden). Und zu guter Letzt musste ich mir manchmal die Frage stellen, warum Altmann diese Geschichte überhaupt geschrieben hat. Wo war der Sinn? Was machen diese zwei Seiten so viel spannender als irgendeine Klatschkolumne, dass sie in einem Buch erscheint? Und auch viele Fragen stellten sich mir, die Altmann direkt betrafen. Wie die Geschichte sich in Wahrheit abgespielt hat, was für ein Mensch Altmann ist. Das kann man gut und/oder schlecht sehen.
Wenn ich im Nachhinein das Buch als Ganzes nochmal auf mich wirken lasse, würde ich es dennoch gerne wieder lesen, denn trotz allem, oder gerade wegen der vielen Fragen und Antworten, die man beim Lesen bekommt, ist der Unterhaltungswert sehr hoch.
Vielen Dank!
4 von 5 Sternen!
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