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Sonntagskolumne 06/12: Ist es wirklich…

…der Hang zum Abartigem?

Die Nacht der schaurigen Gestalten, dunklen Schatten und zahllosen Süßigkeiten steht bevor. Ich selbst habe mich immer wahnsinnig auf diesen Tag gefreut. In meinem Geburtsdorf hatte ich mehrere Freundinnen, mit denen ich mich bis zu, 14. Lebensjahr immer verkleidet auf den Weg machte, um Süßigkeiten abzustauben und/oder Streiche zu spielen. Abschließend war ein Spaziergang über den Dorffriedhof genauso ein Muss, wie auch am selben Abend noch die ca 5kg Süßigkeiten zu begutachten und noch eine beträchtliche Menge davon sich einzuverleiben. Später wurden es dann die Halloweenpartys in WGs oder Clubs, von denen ich nie genug bekommen kann.
Aber was macht Halloween so besonders? Verkleiden können wir uns doch auch zum Fasching, nur, dass dort die unheimliche, teils abartige Stimmung fehlt.
Haben wir alle einen Hang zum Abartigem und Horror?
Irgendwie finde ich im Internet nur unzulängliche Informationen über Halloween. Die Entstehungsgeschichte ist ganz interessant und seit dem heutigen Tag weiß ich auch, warum man ausgehöhlte Kürbisse an Halloween vor die Türen etc. stellt.
(Wen es interessiert: Der Brauch stammt aus Irland, wo es die Sage von dem Bösewicht Jack Oldfield, der den Teufel einfing und ihn nur unter der Voraussetzung wieder freilassen würde, wenn dieser ihm niemals wieder in die Quere kommen würde. Nach Jacks Tod kam er aufgrund seiner Taten nicht in den Himmel, aber eben auch nicht in die Hölle. Der Teufel schenkte ihm aus Erbarmen eine ausgehöhlte Rübe mit glühender Kohle, damit Jack durch das Dunkel wandern könne. In den USA gab es aber zuhauf Kürbisse, sodass diese statt einer Rübe verwendet wurden.)
Laut Stephen King hat es etwas mit dem „Lasst uns den Unfall genauer ansehen“-Syndrom: dem Genuss der Ordnung/Sicherheit und Anschauung der Möglichkeit des Chaos, zu tun. Das Syndrom, dass uns auch auf Horrorfilme stehen lässt. Psychologen sprechen von Angstlust, der Freude am gepflegten Gruseln. Klingt ja alles sehr hypothetisch, aber nach einigem Nachdenken komme ich auch zu einer Erklärung, die den Hang zum Gruseln/Abartigem/Halloween eventuell besser erklärt. Mit der Voraussetzung, dem Alltag mal entfliehen zu wollen und mit der Behauptung, dass jeder Mensch eine dunkle Seite besitzt, liegt es nahe, dass wir uns gerade zu der Zeit an Halloween mit dieser dunklen Seite auseinandersetzen und sie ausleben können. Vielleicht fühlt man sich auch etwas außergewöhnlicher mit Tonnenweise Zombie-Make-up im Gesicht, oder hofft innerlich immer noch, dass es Vampire gibt, die in jener Nacht einen selbst zu ihren machen.
Aber bei dem ganzen Nachdenken finde ich keine so richtige Antwort. Zumal es auch Menschen gibt, die wirklichen Horror (seien es Filme oder ekelige Kostüme, oder gar nur Vorstellungen von solchen) total ablehnen. Bestes Beispiel meine Mutter, die Horrorfilm schauen gerne mit Geisteskrankheit gleich setzt und sich sogar über Kriegsszenen (beispielsweise bei Herr der Ringe) total aufregt und wegschaut (Fun Fact: Sie ist Chirurgin und ich glaube es gibt nichts, was sie in real life noch nicht gesehen hat)
Was ist mit solchen Leuten? Haben sie keine dunkle Seite, oder sich mit ihrer einfach noch nie richtig auseinandergesetzt haben- ausgeschlossen tief christlicher Menschen, bei denen ich es verstehe, wenn sie Halloween doof finden, weil es den Kirchentag zum Gedenken der Toten dadurch in den Hintergrund stellt.
Es ist echt unbefriedigend, keinen wirklichen Schluss bzw. keine richtige, universelle Erklärung für eine Frage (gerade einer so unwichtigen) zu finden, obwohl ich glaube, dass meine Recherche und meine Mutmaßungen nicht schlecht waren.

Published inSchreibenSonntagskolumne

3 Comments

  1. auf deinem header hast du ähnlichkeit mit nathalie portman. :)

    meinst du mit dickeren overnkeesocken?
    ich habe solche gar nicht.. :) aber ich kann die schwarzen vom bild winterlicher kombinieren ;)

  2. Als erstmal sehr huebesches Kostuem (deins):)
    Und die Jungs sind auch geil :D
    Vielen Dank fuer deinen lieben Kommentar :)
    Der Gletscher schmilzt die ganze Zeit bzw. der Schnee auf den Bergen und dort waren auch ein paar Fluesse, deswegen das Schild, ich musste es einfach Forografieren.
    Und das mit dem ’seidigen‘ Wasser, da habe ich eine laengere Belichtungszeit eingestellt, ich liebe solche Bilder und wollte es schon immer mal ausprobieren :)

    Ganz liebe Gruesse aus Neuseeland
    Henni :)

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