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Das verliebte Organ

Heute belästige euch alle mal wieder mit einem Häppchen verwirrenden Fließtext, 
den ich soeben beendet habe. 
Ich hoffe, es gefällt? ;)

Das Hirn knackt, das Herz ist spröde und voller Risse, es droht zu zerspringen. Dauerhaft drückt ein riesiger Stein auf Herz, Lunge und Magen. Das Atmen fällt schwer, jeder Herzschlag ist Anstrengung. Essen? Unmöglich. Die Kraft zum Kraftschöpfen fehlt. Wie alles. Selbst der Geist ist permanent wo anders und versucht etwas zu unternehmen. Aber da er in Wirklichkeit ja beim Körper ist, halten ihn die Wände des eigenen Raumes gefangen. Meditation, nichts denken, Schlaf und Schreikrämpfe, das wird benötigt und doch findet nur mäßig Zerstreuung ins Innere. 
Im Inneren kämpfen nämlich drei Menschen, der riesige Stein ist die Arena. Der, des Hasses, Der, der Trauer und Der, der Wut fechten ihren Kampf aus. Doch wahrscheinlich gewinnt Zweiterer, denn im Publikum feuert ihn Der, der Liebt an. Der, des Tatendrangs hält ihn hoch, damit er beim Jubeln gesehen wird. Schreie drängen sich ans Licht und geben dem verzweifelten Kampf einen Ausdruck. Wer soll schon Sieger sein? Ist das überhaupt wichtig? Das Publikum will Blut sehen, egal von wem.
Das Herz enthält sich der Meinung, weil es in den hochgehaltenen Jubelnden verliebt ist und ihm deshalb der eigentliche Kampf egal ist. Es will, dass Der, der Liebt zu ihm kommt und es umarmt. Deshalb schickt es permanent ans knackende Hirn die Botschaft des Vergessens und Betäubens, damit der Kampf einschläft und die Zuschauer sich zerstreuen. Der Körper wird schwächer, der innere Kampf kostet eine Menge und die Forderungen des Hirns werden immer anstrengender und ausgefallener, kaum erfüllbar. Die Lunge sehnt sich nach Luft, doch das Hirn befiehlt Vergasung und Kurzatmigkeit. Alles auf Sparflamme. Der Magen sehnt sich nach Fülle, nach Leben, doch dem Körper wird befohlen, Geschwüre zu setzen, um den Magen mundtot zu machen. Das Hirn befiehlt, auf Anweisung des Herzens, das Herz zu vergessen, es einfach machen zu lassen. Alles nicht kompatibel, nicht gut. Aber wenn nun mal ein Organ verliebt ist, ist jede Hoffnung verloren. 
Und doch, so ganz plötzlich, in diesem Moment der größten Hoffnungslosigkeit löst sich eine weitere Persönlichkeit aus der Masse und bringt dem Kampf eine ganz neue Wende. Dieser Mensch ist den drei Kämpfenden um so vieles überlegen und wird dadurch der Retter im weißen Gewand, der die dunkelste Stunde erhellt. Es ist nicht sicher, ob er nicht gerade durch das Wirken des Herzens selbst zur Tat motiviert wurde. 
Er kämpft nicht und muss keine Gewalt benutzen, allein sein Betreten der Arena lässt selbige Erzittern und lächerlich zerbrechlich wirken. Er ist so verliebt in die Menschen und die Existenz, dass er keinem der drei Kämpfenden etwas zuleide tun würde, weil er eines Tages vielleicht noch einmal einer der passiven Zuschauer sein möchte. Doch für den Moment sagt ihm sein Gefühl, aktiv zu werden und so beendet der Neue- Der, der Gleichgültigkeit dem Kampf ein plötzliches Ende ohne Schrecken. Enttäuschung macht sich im Publikum breit. Da sieht das verliebte Organ seine Chance kommen und fängt Den, der liebt und mittlerweile nicht mehr hochgehalten wird auf dem Weg der Zerstreuung ab. Es ist sehr besitzergreifend und gönnt Dem, der liebt, keine Auszeit, um sich vom Kampf zu erholen. Eigentlich bräuchte er eine Pause, um seine vom Schreien gequälte Stimme und seine Enttäuschung vom Kampf auszukurieren und das Herz weiß das auch zu gut, doch gerade jetzt, wo alle in Aufbruchstimmung sind und haltlos umherwandern, sperrt das Herz Den, der liebt ganz fest in seinem Innersten ein und wird glücklich. Einfach so und genauso plötzlich wie das Ende vom Kampf. Die ganzen gemeinen Befehle ans Hirn verstummen, die Arena ist nur noch ein schlechter Traum aus längst vergangener Zeit und der Körper darf wieder weiter existieren, mehr noch: er darf seinen Frieden finden und zur Ruhe kommen, denn jetzt ist Siesta angesagt und wieder versammeln sich alle. Diesmal, um gemeinsam zur Ruhe zu kommen und dem stolzen Herzen beim heftigen Schlagen und lieben zuzuschauen.
Zweifel sind Verräter, sie rauben uns, was wir gewinnen können,
wenn wir nur einen Versuch wagen. (Shakespeare)
Es gibt nichts, was mich zurückhält.
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Ein Kommentar

  1. Sagenhaft süßliche Wortgewalt.
    Dein Talent schreit nach Aufmerksamkeit, schreib also ganz viel mehr noch aus deiner lyrischen Welt!

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