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Sonntagskolumne 10/12: Ist es wirklich…

…der Schnee der unsere Herzen wärmt?

Der erste Schnee der Jahres hat etwas magisches. In mir wacht das kleine Kind auf, streckt gemütlich die Arme aus und zwingt mich dazu, im Warmen sitzend aus dem Fenster zu starren und die Schneeflocken zu beobachten. Die sonst so graue Welt wird mit einer Zuckerglasur überzogen und die winterliche Kälte lässt die sonst so vermutzte Luft unendlich klar wirken. 

Was ist anders am Schneefall im Dezember statt im Januar?

Irgendwie wird man von einer süßen Melancholie befallen- wieder ein Jahr, dass sich dem Ende zuneigt. Die Zeit wird intensiv dazu genutzt, mit den Liebsten ein paar schöne Momente festzuhalten. Während im Januar alles auf neu gestellt ist und ein anstrengendes Jahr noch bevor steht, kann man jetzt in Erinnerungen schwelgen, Bilanz ziehen und die Tage für eine Selbstreflexion nutzen.
  
Weiße Weihnachten- diese wunderschön romantische Vorstellung lässt mich nachdenklich werden. Ist der Schnee ein Mittel, uns von dem Alltag und dem Rest der Welt abzugrenzen? Mir wird es warm ums Herz, wenn draußen ein wildes Schneegestöber die Welt behelligt und ich im Warmen mit einem heißen Tee und Lebkuchen sitze, Frank Sinatra leise singt und hin und wieder ein kurzes Gespräch die heilige Stille durchbricht. 
Die weiße Unschuld, die die Welt einhüllt, lässt all das Leid und den Schmerz der Welt ganz fremd wirken und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Es ist anscheinend unmöglich, auf wirklich schlechte Gedanken zu kommen oder an die alltäglichen Sorgen zu denken, wenn in der Weihnachtszeit Schnee liegt.
 

Was ist der Zauber in der Vorweihnachtszeit?
Wer will nicht glücklich sein? Zumindest in der Vorweihnachtszeit sehen die Menschen bewusst über die kleinen Ärgernisse des Alltags hinweg, sind gegenüber allem mild gestimmt und öffnen sich einfach für das Gute und Schöne im Leben- ohne dauerhaft negative Hintergedanken zu haben. Der memento mori Gedanke verstummt für ein paar Wochen und eine Leichtigkeit erweckt in uns neuen Tatendrang.

Dennoch verstehe ich den Hype um den Weihnachtsmarkt absolut gar nicht.
Es ist dermaßen kalt, alles ist überteuert, man wird permanent geschubst, wenn man sich durch die Menschenmassen drängelt und alles noch so schön weihnachtliche bekommt diesen kapitalistischen Stempel aufgedrückt. Erklärt mir das doch bitte, was daran so toll sein soll?

Published inSchreibenSonntagskolumne

Ein Kommentar

  1. Ja endlich melde ich mich auch wieder zu Wort.
    Ich hab deinen Blog nicht vergessen, nur so so wenig Zeit :(
    Jetzt wo du dieses Winterphänomen beschreibst,
    verstehe ich was du meinst.
    Ich find die Idee gut, mit dem Zuckerguss der die triste Welt verschleiert, für einen Moment verdeckt hält. Der Schnee an sich hat einfach etwas unschuldiges und so unglaublich reines. Einfach dieses kristallklare Weiß, die distanzierte Kühle. Der Winter kann auch sehr hart und unberechenbar sein. Menschen schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein, beschuldigen sich, intrigieren und machen sich fertig aber komischer Weise kommen sie immer zu Weihnachten auf ihre “Besinnung.” Ja, warum ausgerechnet Weihnachten? Ich find Weihnachtsmärkte nur toll, wenn es solche 5 Standbuden sind, in der Mitte ein schön beleuchteter Baum steht und man in Ruhe vorbei schlendern kann. Das alles so überteuert ist, find ich eine riesen große Frechheit! Schon alleine das es von Jahr zu Jahr immer teuer wird. Das soll die Grundidee von Weihnachten sein? Das einzige was ich liebe, sind gebrannte Mandeln.Ich könnt sie mir auch selber machen, aber dafür bin ich irgendwie zu faul. Ich find das sehr, sehr schade. Einfach das diese Grundidee verloren geht, nur um Geld aus der Sache zu machen. Und irgendwie ist Weihnachten doch etwas total trauriges. Warum nehmen wir uns nur einmal im Jahr die Zeit, unsere Liebsten zu beschenken, für sie da zu sein und besinnlich zu werden? Das kann man doch 364 andere Tage im Jahr machen. Ich verstehs nicht. Nicht das ich Weihnachten nicht toll finde, aber es ist schon traurig. Und für viele ist Weihnachten eines der traurigsten Tage im Jahr. Alle Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben und alleine da sitzen. Der Tag an dem sich die meisten Menschen umbringen, weil sie diese Einsamkeit nicht ertragen können. Der stille süßliche Schmerz, wenn man ins Bett geht. Zumindest verspüre ich den besonders an Silvester. Ich hasse Silvester. Ich weiß auch nicht warum. Ich hasse ein Ende. Es ist so ein bewusstes Ende von einem Jahr und man hat keine Ahnung was uns nächstes Jahr erwartet. Ziemlich depressiv, aber ich empfinde das (leider) so.
    Trotzdem mit ein paar schönen Kerzen, geht das dann doch irgendwie. Und Schnee hat etwas friedliches, wenn es leise vom Himmel rieselt.

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