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Sonntagskolumne 01/13: Kann man nicht einfach mal…

…seine alten Verhaltensmuster sprengen?

Alles neu macht 2013 und so habe ich mir an diesem verregneten Tag überlegt, meiner Sonntagskolumne jährlich einen neuen Anfang zu verpassen. “Ist es wirklich” wird zu “Kann man nicht einfach mal” und damit genug Organisatorisches für diesen Sonntag. 
 
Kennt ihr dieses Bedürfnis, mal komplett anders zu sein? Ich meine nicht das Herbeiwünschen einer Veränderung aufgrund von Unzufriedenheit, nicht dieses : Ich muss in meinem Leben etwas ändern
Meine Gedanken sind ganz anderen Ursprungs. 
Mir ist aufgefallen, dass man sich oft von seinen Verhaltensmustern unterscheidet, je nachdem, wer einem gerade Gesellschaft leistet. Rollenidentität nennt man das. 
Ich bin anders, wenn ich alleine bin. (Ja, klar, viel schweigsamer und nachdenklicher)
Ich bin anders, wenn ich mit der Familie zusammen bin (Viel höflicher und zurückhaltender, auch klar)
Ich bin anders, wenn ich mit Menschen zusammen bin, die von mir entweder gar nichts – oder viel- von mir erwarten. 
Ich bin anders, weil ich mich auf die Menschen einstelle, ihnen gefallen will- oder eben nicht, weil man sich halt irgendwie immer auf eine -oder keine- Art präsentieren will. 
 
Habt ihr aber schon mal bewusst auf euer Verhalten geachtet? Wenn ihr unter neuen Menschen seid, von denen ihr vielleicht niemanden kennt und somit von euch auch niemand ein Bild hat, ist dazu die perfekte Gelegenheit. Man kann sich neu erfinden, seine Erscheinung wie ein neues Abendkleid anprobieren, nur um mal zu schauen, ob es einem steht. Also wirklich bewusst anders sein, über seinen Schatten springen. 
So war ich gestern in einem Kreis von Menschen, die ich alle nicht kannte. Was denn gestern war, erzähle ich euch auch noch, aber dazu ist die Zeit noch nicht reif. 
 
Gestern war ich in meiner Rolle die Unantastbare, die hin und wieder ein paar rotzige Kommentare von sich gab, aber viel schwieg und zuhörte. Die vielleicht das Gefühl bei den anderen erzeugte, über den Dingen zu stehen, aber dennoch schüchtern zu sein. Verschlossen und Unverletzbar. Ehrlich und gemein direkt. Wenn zum beispiel peinliche Schweigepausen entstanden, sprach ich Menschen direkt auf diese Pause an: “Hey, ist es nicht merkwürdig, wir kennen uns kaum und dennoch haben wir uns nichts zu sagen und jetzt ist es uns beiden unangenehm, dass wir nicht einfach so reden können
 
Ich war Franky [gesprochen: Frääänkie]. Neuerdings verwende ich den Spitznamen häufiger, wenn ich mich vorstelle.Warum? Einfach, weil ich es nicht mehr hören kann, Josi genannt zu werden. Das ist mittlerweile für mich eine Verstümmelung des schönen Namens Josephine- und Phine setzt sich irgendwie nicht durch.
 
Jedenfalls war mein Ergebnis des Anders-seins eine Neuentdeckung meiner Selbst. Das Abendkleid des gestrigen Abends steht mir nicht, aber ich war wenigstens nicht ich. Ich konnte mich selbst betrachten, mein eigener Zuschauer sein. Das ist natürlich nichts schönes, nichts erstrebenswertes. Schließlich könnte man sich so Möglichkeiten verbauen, beispielsweise mega nette Menschen nie richtig kennen zu lernen, weil sie das falsche Ich echt unsympathisch finden. Aber einfach, um es mal gemacht zu haben, um zu wissen, wer man selbst eigentlich ist, wozu man fähig wäre- und um am Ende sagen zu können, dass man mit sich selbst, so, wie man wirklich ist, zufrieden ist, lohnt es sich. 
Published inSchreibenSonntagskolumne

3 Comments

  1. Anonymous Anonymous

    Franky?
    Mowgli (gespr. ˈmaʊɡli, in der autorisierten deutschen Übersetzung lautet der Name Mogli),

  2. Ich nenn dich jett Phine!
    So viel besser als Franky!!

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