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Sonntagskolumne 02/13: Kann man nicht einfach mal…

…die Lähmung fallen lassen und Klartext reden?

Ich glaube zu wissen, wie es dir geht. Wir alle bilden uns hin und wieder ein, zu wissen, wie alles funktioniert. Was man wann tut, wie man sich in bestimmten Momenten verhält und wie man seine Gedanken gut mitteilt. Und doch ist da oft diese kleine Blockade, die verhindert, genau Das zu tun.
Anstatt genau Das zu tun, was man für richtig hält, tut man nichts. Stattdessen wartet man regungslos ab, bis der Moment vorüber ist, wie ein geblendetes Reh auf der Straße, dass starr vor Schreck in die Scheinwerfer des Autos blickt. Wir wollen alles und können nichts. Wir lassen uns lähmen von den unangenehmen Erfahrungen und Erinnerungen.
Ich weiß, dass es dir beschissen geht. Ich glaube es zumindest. Ich kenne das Vertuschen, ich weiß, dass du uns allen zeigen willst, dass du es schaffst, dass du klar kommst und es dir gut geht. Deine Strategie ist das Verschwinden, sich einfach nicht mehr melden. In Melancholie versunken tigerst du wie ein Zombie pausenlos durchs eigene Zimmer. Du hast vielleicht seit Tagen nicht geschlafen und willst dein eigenes Spiegelbild nicht mehr sehen. Erträgst dich nicht mehr und willst die Vergänglichkeit des Lebens nicht spüren. Alles ausschließen. Wenn man dann doch mal was von dir hört, versuchst du stark zu klingen. Du willst nicht weinen und anstatt zu sagen, dass du die Einsamkeit eigentlich nicht willst, lügst du und bejahst das Alleine-sein. Und hinterlässt Lähmung. Die, die dich wirklich lieb haben und dich genauso brauchen, wie du sie, erstarren. Hilflos kommen die unausgesprochenen Fragen auf. “Sagt sie nur, dass sie klar kommt und mich nicht braucht, nicht will, dass ich sie sehe? Oder meint sie das wirklich so und ich helfe ihr am besten, indem ich ihre Wünsche akzeptiere und respektiere? Und wenn ich dann genau das tue, sie beim Wort nehme- ist sie dann vielleicht enttäuscht, weil sie hofft, dass man ihre Wünsche mal nicht akzeptiert?” Man dreht sich im Kreis und die ursprüngliche Idee, zu wissen, wie es dir geht und wie alles funktioniert, ist verblasst. Und selbst jetzt, wo ich diese Zeilen schreiben, zweifel ich meine eigenen Worte an- ich unterstelle dir ein fantastisches Bild und verkläre vielleicht die Realität. Aber meine Rechtfertigung ist ganz nett. Würdest du jetzt vor mir stehen und mich fragen, was ich mir dabei gedacht habe, würde ich es künstlerische Freiheit nennen und sagen, dass ich dich nur als Inspiration genutzt habe. Aber du weißt genau, dass das nicht so ist.
Ich will, dass du diesen Text liest und an mich denkst. 
Ich will nicht, dass du dich deshalb schlecht fühlst.
Ich will, dass du weißt, wie wichtig du mir bist und wie sehr du mir fehlst.
Ich will, dass du dich meldest und ehrlich sagst, was du willst. Wenn du es dann weißt. 
Wir alle wollen viel und ich denke, um nicht als Reh auf der Straße zu enden, sollten wir hin und wieder die lähmende Realität hinter uns lassen und einfach drauf los reden/leben/lachen/weinen. Dieser Gedanke, zu wissen, wie alles funktioniert, ist bescheuert. Wir wissen nie etwas und können nie mit Sicherheit voraussagen, was passiert. Aber darauf kommt es nicht an.

 

Published inSchreibenSonntagskolumne

2 Comments

  1. Das mit der künstlerischen Freiheit und der Inspiration- das kenn ich nur zu gut! Eigentlich kenne ich alles, was du beschreibst ziemlich genau so, aber so ist das wohl ;).

    Ich wollte mich einfach mal “persönlich” bei dir für deinen lieben Kommentar bedanken & dich auf meinem Blog willkommen heißen :)!

    Liebe Grüße & einen schönen Sonntag dir!
    Christina

  2. Josephine, ich las sehr aufmerksam Deinen heutigen Beitrag. Interessant! Und nun zu Deiner Frage. In einer schwachen Stunde beichtete uns man(n), vieles seiner Frau zu erzählen. Diese schüttelte immer wieder einmal mit dem Kopf und kommentierte dies mit folgenden Worten: “Ihr habt wohl nichts besseres zu tun!“ Mir selber widerfuhr vereinzelt folgendes. Unter bestimmten Umständen nahmen mich die Frauen erst gar nicht war. Wenn Männer wüsten, was bzw. wie Frauen so unter sich alles erzählen. Auf alle Fälle verhalten sich Frauen und Männer unterschiedlich bzw. unterhalten sich über ganz andere Themen. Klingt zwar komisch, ist aber so. Auf alle Fälle sind mir persönlich Frauen lieber. Henry

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