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Kunst gegen Bares: Mein Veganismus

So den folgenden Text habe ich gestern bei „Kunst gegen Bares“ vorgelesen. Nochmal vielen Dank an alle die da waren- und wirklich Hut ab, lieber Marcus, ein großartiger Text und ein absolut verdienter Sieg! 
An sich ist alles gut gelaufen, es war sehr überfüllt, doch meine Nervosität konnte ich nirgends finden. Lustig war, dass ich die letzte Seite meines Textes dummerweise in meiner Tasche vergessen habe, sodass ich ca. 1/2 Seite aus den nebligen Erinnerungen meines Geistes zusammenstückeln musste. Aber anscheinend habe ich das ziemlich souverän hinbekommen. Als ich feststellen musste, dass die letzte Seite fehlt, sagte ich das auch ungefähr so ins Mikro und habe dann einfach weitergeredet, sodass mich einige hinterher fragten, ob das beabsichtigt war. Also nochmal zur Klärung: Nein, das war wirklich ungewollt!
Uh, außerdem waren Menschen vom Regionalen Fernsehsender „TV Halle“ da, die alle Künstler vor der Veranstaltung kurz interviewt haben und Teile der jeweiligen Auftritte mitgefilmt haben- ich bin also vielleicht bald im Fernsehen, haha. 
Tja, ob es Bilder gibt, weiß ich noch nicht so ganz, deshalb erstmal hier der unterhaltsame Text. 
[Achtung, teilweise unziemliche Begriffe, die für unaufgeklärte und Leute, die von mir ein verherrlichendes Bild haben nicht geeignet sind]
Mein Veganimus
Jeder hat hin und wieder dumme Ideen.
Ich spreche jetzt nicht von irgendwelchen sinnlosen Tagträumen, über die man später verständnislos den Kopf schüttelt und sich selbst fragt: „Was geht nur manchmal in deinem Hirn ab?“. Nein. Ich meine diese dummen Ideen, die man um 3 Uhr morgens mit ein bisschen zu viel Wein intus hat. Um 3 Uhr morgens, auf den verregneten Straßen der ernüchternden Stadt. Die man, kaum sind sie da, unbedingt den Wegbegleitern mitteilen muss. In meinem Fall war es Folgende: „Wisst ihr was? Ich hab einen genialen Vorsatz fürs neue Jahr. Ich werde zur Veganerin. Mindestens für drei Monate!“ Das Schlimmste an blöden Ideen ist, wenn die Zuhörer nicht mindestens genauso benebelt sind und deine Idee ernst nehmen. Dann kann es für einen echt unangenehm werden. So bekam ich als ernst gemeinte Antwort: „Naja, drei Monate sind ganz schön lang. Versuche es doch erstmal einen Monat lang und wenn du klar kommst, kannst du dein Projekt ja verlängern.“ Da eine dumme Idee, wenn sie einmal ausgesprochen wurde, nur weitere dumme Sätze mit sich zieht war meine einzige Antwort: „Jau. So machen wirs. Einen Monat. Ernsthaft- ich ziehs voll durch!“ Und damit war das Projekt „Schaufel dir dein Grab“- oder besser: „Schaufel dir dein Gemüsebeet“ offiziell ins Leben gerufen worden.
Bei meinem letzten nicht-veganen Abendmahl, einer göttlichen Uno-Pizza und Schokolade hinterher, war mir noch nicht bewusst, was für eine Scheißidee ich da gehabt hatte. (oh mein Ghetto, jetzt, wo ich das vorlese, schäumt meine instinktive Spuckeproduktion schon wieder Speichelschaumbergchen auf, die jeden Starbuckslatte zieren würden!) Das böse Erwachen kam aber bald, echt sehr bald. Und zwar am nächsten Tag. Was bleibt denn, ohne Käse, Milch und Eier und dem ganzen anderen Getier? In den ersten drei Tagen blieb ich auf Rohkost sitzen, aus Bequemlichkeit. Währenddessen hatte ich  mir zum ersten Mal wirklich Gedanken gemacht über die ganzen armen Schweine, ich meine die Veganer. Endlose Gespräche mit krosskrabbigen Nichtveganern, freiwilligen Ex-veganern oder gescheiterten Ex-veganern, Veganern4life, Imageveganern und …JUTEBEUTELN gaben mir immer wieder Denkanstöße. Aber die Meinungen fügten sich nicht wie ein Mosaik in meinem Kopf zusammen, sondern zeigten mir den Veganismus nur noch mehr als krypthischen Mythos.
Man könnte jetzt denken, dass ich mich dem Masterabschluss der veganen Lebensweise gewidmet habe, dass ich alles erfahren will über dieses Mysterium.
Aber viel spannender ist für mich das Zwischenmenschliche an der ganzen Sache geworden. In vielen Kreisen sind sie die exotischen Früchtchen. Man ist jemand, man isst niemanden. So`n missverstandenes Odysseus- Ding. Extrem, anders und mit einer ganz eisernen Moralvorstellung. Ich kann mich echt glücklich schätzen, momentan dazu zugehören, denn manchmal können die missionierenden Vorträge, die gegen uns Fleisch- und Tierproduktfresser abgelassen werden, ganz schön nerven. Wenn man sagt, dass man Veganer ist, hinterfragen das glücklicherweise die Wenigsten. Wie sollte ich mich auch erklären? Anklagend würden mich Veganerblicke durchbohren und aufspießen, weil ich es nur zum Spaß mache. Oder besser gesagt: Weil ich im Suff eine dumme Idee laut gedacht habe und mir hinterher nicht die Blöße geben wollte. Die Normalsterblichen wiederum würden mich von oben herab belächeln, weil es idiotisch ist, sinnfrei auf großartige Dinge zu verzichten (man denke an Nutella, Milka Schokolade, Scheibenkäse, Frischkäse, Löcherkäse, Sushi, Spiegelei und- hatte ich schon Uno Pizza erwähnt?). Verzicht ist schon ein Merkmal eines starken Willens, aber ist einem Außenstehenden eigentlich bewusst, was das vegane Leben alles bedeutet? Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass Honig tabu ist und auch Wein sowie Fruchtsäfte mit Gelatine gefiltert werden- die folgende Frage habe ich einer Veganerin gestellt. Ich saß dabei mit Kommilitonen zum Essen und gerade, als dieses Mädchen sich ein saftiges Stück Tofu in den Mund schob, platze es aus mir heraus: „Du, sag mal: Was ist mit Sperma? Es soll ja Frauen geben, die das Schlucken. Aber das sind doch Lebewesen. Oder sind Spermien minderwertiger als Kühe?“  Dem Mädchen schien das Essen im Hals stecken zu bleiben und anstatt mir zu antworten, stocherte sie leicht verstört in ihrem Chili con Tofu herum. Auch wenn ich keine Antwort bekam, ging mein Gedankengang noch ein Stück weiter. Was ist mit veganen Müttern? Kriegen die Neugeborenen dann schon von klein auf Sojamilch? Vor meinem inneren Auge formte sich eine Zukunftsvision. Ich sah ein riesiges Sojafeld, auf denen arme Argentinier schufteten. Soja war jetzt kein Rinderfutter mehr, sondern Menschenfutter. Ich sah Fabriken, zu hundertfachen. Mit Fließbändern, auf denen Babys lagen.  An einer Stelle kam gepresste Sojamilch auf das Fließband, direkt in die weitaufgerissenen Münder der kreischenden Babys. Das war die neuzeitliche Kleinkindbetreuung, während die veganen Mütter zur Arbeit gingen und Wale vor dem Ertrinken retteten. Auch ein instinktives Kopfschütteln konnte dieses gedankliche Theaterstück in mir nicht gänzlich verschwinden lassen. Viele gesellschaftliche Bräuche würden ein bisschen ad absurdum geführt werden. Wenn ich an der Eucharistie teilnehmen würde, könnte ich es dann verantworten, vom Leib Christi zu essen bzw. sein Blut zu trinken? Natürlich nicht. Schließlich ist vegan auch eine Kopfsache und auch wenn die Hostien vegan sind, esse ich dann rein mental gesehen trotzdem Fleisch. Oder zählen Menschen nicht zu den Tieren? Oder sind Menschen minderwertiger als Kühe? Dann wären Kannibalen ja auch auf eine absurde Art Veganer. Nein, Fleisch ist Fleisch. Die logische Schlussfolgerung sieht also so aus:
Der Priester würde salbungsvoll zu mir sagen: „Hier, der Leib Christi“
Worauf hin ich nur entgegnen könnte: „Kann… ich …vielleicht ein Stück von seinem Dornenkranz haben?“
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christus Veganer war, schließlich hat er nach drei Tagen den schweren Stein vor seinem Felsengrab wegschieben können. ICHkonnte nach drei Tagen nicht mal mehr die Klospülung runterdrücken, so dass sich mein Scheißeberg schließlich bis in den Flur ergoss- aber immerhin duftete es jetzt in der ganzen Wohnung nach Blumenwiese. Wie soll ich auch Muskeln zum Schalter drücken aufbauen, ohne Eiweiß? Da bin ich beim Buddhismus besser aufgehoben, ich sehe mich schon bald in einer senfgelben Mönchskutte, eine Glatze wollte ich auch schon immer haben und erst jetzt kann ich verstehen, was Askese bedeutet. Vielleicht lernt man so das Schweben bei der Meditation? Wobei ein Wortteil ja schon wieder ein Milchprodukt erahnen lässt. Askäse.
Weitere Fragen folgen ständig, auf die offenbar niemand eine Antwort weiß. Ich habs ja versucht, aber Peter Lustigs Wohnwagen hat keine Postadresse und der Papst ist einfach zurückgetreten, als er meinen Brief im Kummerkasten fand. Immer diese geistlich labilen Veganer. Memme! Nur weil ich ihn gefragt hatte, ob wir Veganer nicht auf halber Strecke stehenbleiben? Tiere nicht auszunutzen- das reicht doch nicht! Herr Ratzinger, ich bitte Sie, der nächste Schritt muss doch Nächstenliebe sein, auch zu Nachbars Dackel. Deshalb bitte ich Sie, Ratzi, das Motto des nächsten Kirchenjahres sollte lauten: Sodomie- Aus Liebe zum Tier!
Gut, man kann mir jetzt vorwerfen, dass ich ganz schön einseitig an das Thema herangehe. Aber meint ihr nicht, dass andere Taten hilfreicher wären? Zum Beispiel den Menschen eine gesündere Ernährung nahezulegen, die 7 Mal am Tag Steak mit Spiegeleiern essen? Warum denn extrem sein, damit fühlen sich doch die Fleischesser nur provoziert. Lasst uns den Sonntagsbraten wieder einführen, lasst uns gegen die Fettleber und die hohen Cholesterinwerte der Wohlstandsgesellschaft vorgehen! Und schlussendlich haben wir uns dann alle lieb, schaffen Weltfrieden, retten das Klima, schaffen Arbeitsplätze, schaffen Artensterben ab und der Welthunger wird ein antiquiertes Wort aus längst vergangenen Zeiten.
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Ein Kommentar

  1. Ich lach mich gerade krank!
    Ich hoffe nur, dass nicht allzuviele Veganer diesen Artikel lesen.
    Für mich selber habe ich schon seit Jahren eine andere Rezeptur entdeckt, die für mich/uns als Familie stimmt. Fleisch kaufen wir nur direkt am Bauernhof, die Bauern kennen wir persönlich sehr gut. Der Tiefkühler ist immer gut gefüllt. Obst und Gemüse soweit möglich ebenfalls vom Hof. Milchprodukte ausschliesslich Bio. Ich koche und backe eigentlich immer selber und kaufe fast nichts fertiges. Das geht aber nur, weil ich von zuhause aus arbeite und alle zu allen Mahlzeiten nach Hause kommen, unterwegs gestaltet sich sowas natürlich viel schwieriger. Ich finde es gut, dass du dein Experiment durchgezogen hast! Vegan wäre mir viel zu eintönig, ich hätte den Monat nicht durchgehalten.
    Lg Carmen

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