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Sonntagskolumne 07/13: Kann man nicht einfach mal…

…die alten Zeiten abhaken?

Früher war alles besser, früher war alles gut. 
Da hielten alle noch zusammen- die Bewegung hatte noch Wut.
Früher hör auf mit früher, ich will es nicht mehr hörn’. 
Damals war es auch nicht anders, mich kann das alles nicht störn’. 
Ich bin noch keine 60 und ich bin noch nicht nah dran 
und erst dann möcht’ ich erzählen, was früher einmal war. 
Das Lied der Toten Hosen passt vom Thema und Titel ziemlich gut zu meiner heutigen Kolumne.
“Früher war alles besser!” sagen wir oft, mit einem nicht wenig sarkastischem Unterton. Doch trotz allem, wenn wir diesen alte-Leute-Spruch aufs Korn nehmen, habe ich dennoch das Gefühl, dass wir dennoch eigentlich genau so denken. Genau wie die Alten mit diesem Spruch beweisen, dass dieses Früher für sie noch greifbar ist, ist es das für uns auch (vielleicht wenn auch ohne diese positive Bewertung). Die Vergangenheit ist in unseren Köpfen gegenwärtig. Ich meine nicht mal unbedingt die weit zurückliegende Vergangenheit. Aber permanent vergleichen wir unsere jetzigen Umstände mit einer bereits gelebten Zeit. Damit wir die Veränderungen sehen können. Früher war ich so und so…und jetzt bin ich so und so.
Die Vergangenheit ist unser Maßstab geworden und wir bilden uns ein, so ein bisschen wissenschaftlicher unser Leben analysieren zu können. Aber ich glaube wir machen einen Denkfehler. Abgesehen davon, dass wir eigentlich nie genau definieren können, wer und wie wir sind, verändern wir uns auch selten, sondern die Umstände tun es. Wir schließen vielleicht mit neuen Menschen Freundschaft und weil diese Menschen uns vielleicht zu mehr Taten motivieren, denken wir, dass wir unternehmungslustiger geworden sind. Dabei sind wir einfach sehr aufgeschlossen und lassen uns deshalb gerne auf Neues ein.
Aber ich behaupte, dass jeder den Anspruch auf Verbesserung hat, der Vorstellung der eigenen Perfektion ein bisschen näher kommen will. Verbesserung wird nun mal nur anhand einer gewissen Zeitspanne sichtbar.
So und worauf will ich jetzt hinaus? 
Ich finde, wir sollten zwar vielleicht die Vergangenheit nutzen, um Wiederholungen von Fehlern zu vermeiden, aber das Leben gibt es nur einmal. Jede Situation ist einzigartig, jede Gegebenheit einmalig. Unausweichlich kommen wir irgendwann an den Punkt, dass wir nichts wissen und nie etwas wissen werden, weil jede Herausforderung neu und anders ist, sich immer von vorangegangenen Herausforderungen unterscheidet. Ein Streit mit einer Freundin hat vielleicht Parallelen mit einem anderen Freundinnen-Streit in der Vergangenheit, ist aber nie identisch. Worauf es also eigentlich ankommt, ist die Vergangenheit ruhen zu lassen und permanent einfach wir selbst zu sein. In jedem Moment, um diese Einzigartigkeit und Einmaligkeit des Lebens voll auszukosten, sie voll wahrzunehmen und zu genießen. Weniger denken, mehr leben, und so!
Published inSchreibenSonntagskolumne

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