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Sonntagskolumne 08/13: Kann man nicht einfach mal…

…den Affen chillen lassen?

Hin und wieder gibt es so Momente, da guckt der kleine Affe in meinem Kopf mal über den Tellerrand. Dann denkt er sich: „Aah, so läuft der Hase also“ und dann denk ich mir: „Och Mensch, sag das doch gleich!“
Das ist die Kurzfassung meiner Sonntagskolumne. An alle, die sich jetzt gedacht haben: „Hä?“ hier die lange Version:

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die die ganze Zeit vorgeben, etwas zu sein. Sie sagen das eine und meinen das andere. Sie bewegen sich vor, wollen aber eigentlich zurück. Sie sind unehrlich oder wollen mit bestimmten Handlungen ihrem Gegenüber ein bestimmtest Bild von sich selbst einprügeln. Damit sie selbst zufrieden mit dem sind, wie sie der Andere sieht. Aber mich nervt das. Mich nervt nicht mal so sehr eine gewisse Unehrlichkeit im Gespräch- wenn der Gegenüber mich nicht kennt, muss ich ihm ja nicht gleich meine komplette Weltsicht auf die Nase binden und schließlich gibt es hin und wieder Menschen, die ich gar nicht gut kennen lernen will. Aber mich nervt dieses permanente Nachdenken, dass man bei solchen Menschen hat. Es herrscht eine ständige Befangenheit im Gespräch.
Und ich muss wieder und wieder die gesagten Worte durchschütteln und in jeder erdenklichen Weise interpretieren, weil ich merke, dass sie nicht 1 zu 1 das meinen, was sie sagen.
Wenn beispielsweise jemand im Gespräch immer wieder erwähnt, dass ich noch zu jung wäre, um bestimmte Sachen zu verstehen, schreibt der Affe in meinem Kopf fleißig mit und kommt auf folgende Ideen:
  • Mein Gegenüber fühlt sich mir überlegen
  • Mein Gegenüber trauert dem Jung-sein hinterher und fühlt sich alt, will das aber nicht zugeben
  • Mein Gegenüber redet von etwas, das er gar nicht weiß und nutzt das als Totschlagargument
  • Mein Gegenüber merkt, dass ich eigentlich Recht habe, beruft sich aber aufs Alter, um das letzte Wort zu haben
  • Mein Gegenüber findet mich eigentlich ganz toll und will seine Präsenz/ Dominanz beweisen
So. Jetzt wisst ihr was ich meine. Mein Affe guckt sich dann später die Mitschrift an und wenn er Glück hat, kommt dann dieser „Ah“ Moment. Aber das ist nicht alltäglich. Also:
Warum macht man sowas?
Interpretieren kann ja ganz lustig sein, aber auf Dauer ist das sehr, sehr anstrengend. Ich glaube fast, dass das solchen Persönlichkeiten wenigstens ein bisschen bewusst ist und sie es deshalb auch teilweise absichtlich tun- diesen Spielraum lassen. Warum? Nun vielleicht, weil sie dadurch spannender wirken. Und eben um missverstanden zu bleiben. Dann kann man denjenigen auf nichts festnageln, ihm nichts unterstellen- schließlich hat man ihn einfach nicht verstanden. Aber da ist ein Denkfehler- schließlich unterstellen diese Leute ihrem Gegenüber damit eine Menge und das ist ja wohl keine Gleichberechtigung.
Übrigens: Mein Affe schreibt zwar bei Gesprächen immer mit, aber er hat sich von mir emanzipiert und nimmt sich deshalb gerne mal eine Auszeit, chillt und denkt sich: „Ach, leck mich doch- ist mir doch egal, was du damit eigentlich zum Ausdruck bringen willst!“…und bringt mich dann auch hin und wieder dazu, meinen Gegenüber in seinem Gefasel zu belassen, nett zu lächeln und über meinen nächsten Blogpost nachzudenken ;)
Published inSchreibenSonntagskolumne

5 Comments

  1. Anonymous Anonymous

    Sorry aber Lina hat sogar ziemlich viele Kommentare gelöscht (die NICHT beleidigend o.ä. waren)

    • Echt? Oh, je. Das wusste ich nicht. Aber warum postest du anonym? Ich tu dir doch nichts ;)

    • Anonymous Anonymous

      Ich hab tatsächlich einfach kein Konto :D Und bin immer zu faul zum Namen eingeben (bei den meisten geht diese Funktion auch gar nicht)

    • Als erstes wollte ich bloß ein Kompliment zu deinem Post schreiben, jetzt muss ich aber erst mal auf den Kommentar hier über mir eingehen.
      Es ist nichts schlimmes daran, den ein oder anderen Kommentar zu löschen meiner Meinung nach. Lina setzt sich (sogar ultra öffentlich auf Facebook) mit vielen Dingen auseinander, auch mit irgendwelchen Leuten, die einfach willkürliche Beleidigungen von sich geben, ohne oft nachzudenken! Da würde ich auch einiges einfach löschen. Sonst würde sie ja ständig nur damit beschäftigt sein sich zu rechtfertigen. Und wenn du jetzt sagst, dass sie auch einiges gelöscht hat, wo keine Beleidigung drin stand muss ich sagen, dass Beleidigungen nicht nur Wörter, wie „Schlampe“ oder sonstiges sind. Das kann auch ne ganz gute Kaschierung sein und zwischen vielen Wörtern versteckt sein. Und selbst wenn es einfach mal keine Beleidigung war, dann wird sie ihre Gründe gehabt haben, um z.B. wie schon gesagt einer Diskussion aus dem Weg zu gehen – und das ist meiner Meinung nach VOLLKOMMEN in Ordnung!

  2. So, nun zu deinem Post. Ich finde ihn ganz fabelhaft! Mir gefällt dein Schreibstil total gut und ich wünsche mir auch manchmal so ein Äffchen zu haben, dass mir innerlich sagt „Ach leck mich doch…“. Ich merke das manchmal selbst. Manchmal bin ich einfach viel zu nett zu Menschen, weil ich einfach nicht unhöflich sein möchte. Doch manchmal lässt sich das gar nicht ausschließen, manchmal muss man es eben sein. Manche Menschen scheinen es sonst nämlich einfach nicht zu kapieren und machen pausenlos mit ihrem Generve weiter.
    Schön, schön! Ich werde auf jeden Fall weiter lesen!!
    Die aller liebsten Grüße xx
    Maribel Skywalker – Music&Lifestyle Blog

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