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Sonntagskolumne 09/13: Kann man nicht einfach mal…

…einen Gottesbeweis liefern?

Irgendwann muss jeder sterben. Egal wie erfüllt oder unerfüllt das Leben war, irgendwann ist es Aus und Vorbei. Bei manchen früher, bei manchen später.
Worauf können wir schon hoffen? Warum sollen wir uns im Leben überhaupt bemühen, wenn es dennoch irgendwann vorbei ist?
Ich denke, dass diese Fragen von jeder Religion aufgegriffen werden. Aber kann es nicht auch ganz beruhigend sein, wenn man damit anders umgeht? Schon vor Jahrhunderten wurde der Tod als Erlösung gesehen, die Leiden des Lebens gehen vorbei. Wenn man sein Leben gehasst hat, kann man sich wenigstens sicher sein, dass es irgendwann vorbei ist. Diese Sicherheit hat jeder. 
Als ich zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert wurde, kam ich mir vor, wie in einem falschen Film. Alles um mich herum wurde unwirklich und irgendwie habe ich mir eingeredet, dass die gestorbene Person gar nicht tot ist. Sie ist ausgewandert, hatte einfach keine Lust mehr auf das Hier und Jetzt.
Aber wo ist sie hin? Ist sie im Nirvana? Im Himmel? Oder: Gibt es überhaupt eine Seele? 
Ich stand in ihrem Krankenhauszimmer, neben ihrem Bett und lauschte ihren schweren und unregelmäßigen Atemzügen. Ihr Gesicht bekam eine gräuliche Farbe und plötzlich, noch bevor sie den letzten Atemzug tat, wurde ihr Gesicht ganz fremdartig. Im Gesicht befinden sich über 50 Muskeln. Wenn man lächelt, werden 11 Muskeln angespannt, wenn man die Stirn runzelt über 40. Nur nach dem Tod sind alle Muskeln im Gesicht entspannt, deshalb wirkt ein bekannter Mensch auf einmal verschroben, fremd und anders.
Ich konnte damals nicht aufhören, diese Person anzustarren. Während um mich herum das Leben weiterging fragte ich mich in diesem Moment, inwieweit das mit den 21 Gramm stimmt. Der Arzt Duncan MacDougall hatte angeblich diesen durchschnittlichen, unerklärbaren Gewichtsverlust bei Menschen festgestellt, die gestorben waren. Seiner Theorie nach ist das das messbare Gewicht der Seele.
Das Sterben und der Tod sind ein einziges Mysterium. Diese ganzen Theorien und Nahtoderfahrungen beäuge ich immer skeptisch. Ich glaube, dass die Menschen eher einen Gottesbeweis liefern können, als wirklich wissenschaftlich zu erforschen, was nach dem Tod passiert.
Angst vor dem Tod habe ich nicht, da ich nicht mal in Ansätzen erahnen kann, wie das sein wird. Vielleicht werden wir ja auf einer anderen Welt wieder geboren, oder das Nirvana ist die Erlösung für uns. Innerlich hoffe ich zwar immer noch, dass ich vielleicht der erste Mensch bin, der niemals stirbt, aber da ich weiß, wie albern das ist, versuche ich aus meinem Leben so viel wie möglich rauszuholen, denn zu schnell könnte es vorbei sein.
Published inSchreibenSonntagskolumne

8 Comments

  1. Ich sehe das wahrscheinlich anders als viele anderen. Ich glaube definitiv an Gott bzw. an das, was so bezeichnet wird. An die Unendlichkeit. Dass es immer weiter geht, egal was einem widerfährt und wenn man stirbt, ins „Paradies“ kommt. Aber ich sehe das alles nich so eng, wie die meisten, die an das alles auch glauben.
    Ich genieße mein Leben und achte auf mich und andere. Ich versuche mir und meinen Mitmenschen das Leben so schön, wie möglich zu machen.
    Mit dem Tod konfrontiert zu werden ist immer eine unglaublich harte Erfahrung. Ich selbst wurde damit auch schon viel zu oft in meinem noch nicht allzu langem Leben, konfrontiert.
    Das Warum, Wieso und Weshalb bringt keinen weiter.

    Ohwei, ich merke, ich könnte wieder Stunden über das Thema Religion, Leben und Tod schreiben, dabei wollte ich dir eigentlich nur sagen, dass ich diesen Post wirklich toll finde! Und mir auch nahe ging.

    Die aller liebsten Grüße
    Maribel Skywalker – Music&Lifestyle Blog

  2. Der Gottesbeweis, ja das hätte was. Schon Christus wusste was sein Papa für ungläubiges Volk erschaffen hat und hat demnach gehandelt.
    Was hat er gemacht? Zuerst ein Wunder. Den Gottesbeweis quasi.
    Und dann, dann hat er sie zu seinem Glauben bekehrt.
    Also so einfach war das. Keine schwammigen „eventuell“, „du must nur stark genug glauben“, „die Wege des Herrn sind unergründlich“, – nein, alles simpel und klar. Zack, nen Toten erweckt, schnell mal Wasser zu Wein gemacht, kein Rumlabern, einfach ein Wunder auf den Tisch geknallt und Fakten geschaffen.
    Würde es der Kirche gelingen, tatsächliche Wunder zu vollbringen, dann wäre ich schlagartig gläubig. Egal welche Kirche.
    Aber wenn doch schon Jesus wusste das ohne Beweise nichts funktioniert, was erwarten die dann heute von mir? In der ganzen Bible, vom AT bis zum NT, jagt ein Wunder das andere, eine Gotteserscheinung nach der anderen, von einstürzenden Mauern einer belagerten Stadt durch schlechte Mukke bis hin zum heilen unheilbarer Krankheiten. Und heute? Nüscht. Absolut nada niente nix nichts.
    Jetzt kennste mein Grundsatzproblem. Egal. Prost.

    • Haha, deine Schreibweise hat mich zum Schmunzeln gebracht. Ich kann deine Meinung sehr gut nachvollziehen- allerdings, ohne jetzt mal die Glaubwürdigkeit der Bibel in Frage zu stellen: Wenn heute ein „Jesus-zwei-Punkt-Null“ unter uns rumlaufen würde und mal eben über nen Sprngbrunnen spazieren würde: würden wir dann auf die Knie fallen und zu Gott beten? Oder würden wir eher nach einem wissenschaftlichen Gerät suchen, mit dem er das Hinkriegt? Oder: Würden wir nicht über ihn einen Comic verfassen und ihn eher als realgewordenen Superhelden halten und Gott dabei einfach mal sowas von ausklammern? Liebe Grüße

  3. Ironie? IRONIE??? In meinem Blog??? Ey, son Schweinskram mach ich nicht!!!

    Zum Rest, keene Ahung, würde ein Christus 2.o kommen, ich glaube wir würden den einfach abknallen.

    • ^^ Tja dann bist du wohl vom weiblichen Geschlecht so sehr eingeschüchtert, dass du das mit protzigem Gehabe kompensieren musst ;) Aber auch das ist nicht so schlimm, irgendwie muss man ja klar kommen

  4. Also von einer jungen Studentin aus Ostdeutschland hätte ich jetzt eine eloquentere Antwort erwartet als das was ich tagtäglich von frustrierten Hausfrauen per Email zu lesen bekomme… :( Und da soll man nicht irgendwann den Glauben an euch Weibsen aufgeben?…

    • Die Frage ist, was du mir jetzt damit suggerieren willst. Zumal du „Ostdeutschland“ hinzufügst. Ich glaube, du machst einen Denkfehler, in dem du mich mit anderen über einen Kamm scherst und mir damit „Wut“ oder „Frustration“ unterstellst. Dabei sehe ich die ganze Sache sehr gelassen und wäre selbst sehr erfreut über eine Erklärung von deiner Sicht der Dinge. Mich belustigt sowas nämlich eher, als dass es mich provoziert. Wenn du ironisch schreibst, belustigen mich deine Texte, wenn du mit Inbrunst und vollem Ernst schreibst, belustigt mich deine Person ;)

    • Das ist dann doch noch genau die Eloquenz auf die ich gehofft habe!
      Das Wort „Ostdeutschland“ war nur ein rethorischer Lückenfüller.
      Und natürlich schreibe ich aus Inbrunst und Überzeugung! Keine andere Schlussfolgerung lässt mein Blog zu!

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