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Sonntagskolumne 13/13: Kann man nicht einfach mal…

…vorurteilsfrei sein?

Vorurteile zu haben ist negativ konnotiert. Aufgrund ihrer behandelt man seine Mitmenschen nicht gleich- man hört einigen weniger zu oder ignoriert andere ganz.

Wenn man jemanden auf seine Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen anspricht, verbindet man damit auch gleichzeitig eine Engstirnigkeit, Beschränktheit und Ignoranz und ehrlich gesagt, sehe ich das eigentlich auch so. Ich bin bemüht vorurteilsfrei fremden Menschen gegenüber zu treten- aber durch meine Arbeit beim DRK sind mir im letzten Jahr einige neue Erkenntnisse gekommen.

Manchmal können Vorurteile helfen.

Vorurteile ordnen Menschen ein, bevor man diese kennen lernt. Wenn man dann gezwungen ist, auf sie einzugehen, hat man zumindest schon mal eine grobe Vorstellung im Umgang mit ihnen. Beispielsweise wenn ein klischeehaftes Mädchen mit Solariumbräune, tonnenweise Make-up und Neonkleidung mit verschränkten Armen im Raum sitzt und unablässig auf ihr Handy starrt, denke ich gleich: „Okay, sie ist aus Prinzip erstmal gegen alles.“ Dementsprechend versuche ich auf sie zuzugehen, indem ich Kritik an ihrer Anti-Meinung vermeide und Verständnis zeige.
Aber abgesehen davon zeigen Vorurteile einem noch etwas ganz anderes: Nämlich die eigene Position. Vorurteile grenzen Menschen von sich selbst ab und zeigen damit erstmal, für wen man sich denn hält. Deshalb ist es umso schöner und überraschender, wenn die verurteilte Person plötzlich eine ganz andere Seite offenbart, als man von ihr erwartet hat. Wenn mir das passiert, fühle ich mich ziemlich schuldig und merke erst mal wieder, wie sehr ich doch Menschen verurteile- und ziehe daraufhin wieder als Konsequenz, beim nächsten Mal offener auf Menschen zuzugehen.
Dementsprechend sind Vorurteile nicht nur nicht komplett abstellbar- sie helfen sogar, die eigene Meinung zu ändern, die Erfahrungen zu erweitern und sich selbst zu entdecken.
Natürlich kommt das Positive von Vorurteilen nur dann zur Geltung, wenn man trotz Vorurteilen mit Menschen spricht und ihnen auch nur die geringste Chance, sich zu beweisen, gibt. Denn niemand hat genug Menschenkenntnis, um jemanden sofort komplett zu durchschauen. Jeder, der das behauptet maßt sich Unfehlbarkeit an und wird leider eine gewisse Arroganz entwickeln, die ihm später den Weg für neue Erfahrungen verbaut.
Published inSchreibenSonntagskolumne

Ein Kommentar

  1. Man kann einfach nicht ohne Vorurteile sein. Sie entstehen meistens durch die eigene Erfahrung und dienen nur zum Schutz. Sie helfen uns, die Menschenmenge in Gruppen zu sortieren, was für jeden hilfreicher ist. So lange man nicht vergisst, dass die Vorurteile eben nicht auf jeden Menschen zutreffen und dass jeder Mensch ein Individuum ist, ist alles in Ordnung :)

    btw, sehr schön geschrieben! :)

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