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Schöne Ruinen

Jess Walter: Schöne Ruinen

Informationen:

Autor: Jess Walter
Seiten: 448
Verlag: Blessing Verlag


Inhalt:

Ein verschlafener Ort an der ligurischen Küste im Frühjahr 1962: Pasquale hat von seinem Vater eine Pension geerbt, und wenn er nicht gerade in der Brandung steht, um mühsam einen Strand anzulegen, vermisst er ein Felsplateau, auf dem ein Tennisplatz entstehen soll. Denn Pasquale hat eine Vision: Er will aus Porto Vergogna einen glamourösen Ferienort machen, der Touristen aus aller Welt anlockt, am liebsten aus Amerika. Dann checkt tatsächlich eine junge amerikanische Schauspielerin in seiner Pension ein, und Pasquale verliert sein Herz an sie. Mit ihr kommt die Welt nach Porto Vergogna – die Verheißungen des fernen Amerika, der Glamour von Cinecittà und schließlich sogar ein sturzbesoffener Richard Burton. Und als die Amerikanerin wieder abreist, ist für Pasquale nichts mehr, wie es war. Ein Steinchen ist ins Mittelmeer gefallen, das noch Jahrzehnte später seine Wellen an die Pazifikküste spült, als der alte Pasquale in Kalifornien nach dieser längst verlorenen Liebe seines Lebens sucht – zusammen mit einem abgebrühten Hollywood-Produzenten, dessen resignierter Assistentin und einem selbstverliebten Möchtegern-Drehbuchautor, der zufällig Italienisch kann. 
 
Ich hatte das Buch als leichte Strandlektüre bestellt. Ich muss sagen, dass meine Erwartungen nicht allzu hoch waren. Dem Inhalt nach klingt es nach einem kitschigen und billigen Roman, der absurd und übertrieben ist. Doch dann fingt ich an zu lesen und versank innerhalb weniger Seiten in der mitreißenden Geschichte- so schnell habe ich schon lange nicht mehr einen solchen Wälzer durchgelesen! Zum einen ist es eine Hommage an den Film und das Schreiben, als auch eine Geschichte über das Scheitern und über unerfüllte Träume und Wünsche. Nicht nur wechseln die Zeiten, die Perspektiven und Kulissen ständig, sondern immer wieder sind Ausschnitte von Drehbüchern, Theaterstücken, Romankapiteln und Memoiren eingefügt, die wirklich gekonnt sich in das Gesamtbild und die Gesamtstimmung fügen. Durch die Zeitwechsel der eigentlichen Story erschließen sich die Hintergründe erst Stück für Stück und sorgen so für einen allumfassenden Spannungsbogen. Auch empfinde ich die Charaktere als wirklich rund und nachvollziehbar- jeder hat seinen eigenen Lebenslauf und seine Beweggründe für sein Handeln. Gegen Ende fügen sich alle Teilaspekte zusammen und lösen sich auf- diese Klärung innerhalb weniger Seiten ist wie eine rasante Karusselfahrt, die die eigentlichen Farben (Einzelgeschichten) verschwimmen lässt und dem Leser eine Sicht des großen Ganzen erlaubt. Während dieser Seiten dachte ich mir nur: “Ja, ja, ja, so muss das Leben sein, grandios und furchtbar zugleich”– besser kann und will ich es jetzt nicht beschreiben. Damit komme ich zu den wenigen negativen Punkten:
Das Ende begann erst so episch und plätscherte meiner Meinung dann zu banal aus. Ich weiß nicht, ob die Beendung der Rahmenhandlung nötig gewesen wäre, denn das macht es dann doch zu einem Urlaubsroman. Des Weiteren sind mir gehäuft Rechtschreibfehler aufgefallen- oder Übersetzungsfehler, einige Wörter sind komplett falsch. Auch sind in einigen Episoden meiner Meinung nach kleine Fehler in der Erzählperspektive (auktoriale Einschübe, die inkonsequent wirken). Allerdings war es das auch schon mit der Kritik. 
Im Gegensatz zu meiner Erwartung ist dieses Buch wirklich eine Offenbarung. Eine Skizze des bunten Lebens, der verschiedenen Schicksale und die schreckliche Zufälligkeit der Ereignisse. Wirklich, unbedingt lesenswert!
http://www.bloggdeinbuch.de/

 

 
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