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Poetry Slam. Wie?

Dass ich des öfteren Auftritte auf sogenannten Poetry Slams habe, hat vielleicht der ein- oder andere mitbekommen. Aufgrund einiger Nachfragen ist es heute an der Zeit, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Lesebühne “Der Kopflose Writer” (Juli 2013)

Wie bin ich auf die Idee gekommen, bei Poetry Slams mitzumachen?

Mehr oder weniger begann alles damit, dass eine Bekannte mich zu einem Poetry Slam Workshop eingeladen hatte, nachdem ich ihr erzählt hatte, dass ich recht viel schreibe. Dieser Workshop fand Anfang Januar statt und dass ich wirklich dort hingegangen bin, verdanke ich nur meiner Neugier, die es ausnahmsweise mal geschafft hatte, meine Bequemlichkeit zu besiegen. Der Workshop selbst war eigentlich nur ein netter Nachmittag, an dem zusammen geschrieben wurde und im Nachhinein das selbst Geschriebene vor den Anderen vorgelesen wurde. Direkt mit Poetry Slams hatte das noch nicht so viel zu tun. Aber das war der Anfang….

Wie kam ich zu den ersten Auftritten?

Eigentlich noch so ziemlich genau so, wie ich heute an die Auftritte komme. Ich wurde von Veranstaltern angesprochen. Zuerst bot mir die Veranstalterin des Workshops einen Auftritt an, zwischendrin fragte noch jemand und auf einem Auftritt wurde ich dann noch von einem Dritten angesprochen und so weiter und  irgendwie trat ich so innerhalb kürzester Zeit häufig hintereinander auf und irgendwann wurden die Auftritte regelmäßiger… Mittlerweile bin ich aktiv seid gut 7 Monaten dabei und hatte in der Zeit ca 20 Auftritte…

Welche Erfahrungen und Eindrücke habe ich gewonnen?

Spontan würde ich vermutlich sagen, dass ich an Spontanität und Gelassenheit gewonnen habe. Bei vielen Slams weiß ich erst wenige Tage davor, wann und wo der Slam beginnt. Die Organisation erfolgt relativ kurzfristig und so muss man sich auf zeitliche Verschiebungen und andere Programmänderungen einstellen. Wie genau das Publikum sein wird und wie die Location ist, weiß man immer erst danach, sodass jeder Slam bis zuletzt eine Überraschung bleibt. Für den Poetry Slam gibt es nur zwei Regeln und so ist auch das ganze Drumherum sehr offen. Solange man nicht irgendwann den Fehler macht und sich selbst zu ernst nimmt, solange der Spaß überwiegt und man im Hinterkopf behält, dass alle Dinge auf Zufallsketten beruhen, bleibt der Poetry Slam für einen Selbst das, was er ist: eine Mutprobe, Spaß, Unterhaltung und die Möglichkeit, sich mitzuteilen.
Durch die Auftritte habe ich viele spannende Menschen und Orte kennengelernt und muss festhalten, dass die meisten Slams durch die lockere Atmosphäre zu einem gelungenen und spaßigen Abend werden.

Und wie stehe ich jetzt zum Poetry Slam?

Früher stand ich Poetry Slams sehr skeptisch gegenüber. Für mich waren einige Texte, die vorgelesen wurden eher ein stupides Massenunterhaltungsprogramm, als wirklich Literatur/Kunst. Allerdings musste ich mich selbst einfach fragen, welchen Anspruch ich habe. 
Was würdest du tun und sagen, wenn dir ab und an die Aufmerksamkeit von gfremden Menschen zuteil käme?
Bei regulären Poetry Slams gibt es nur 2 Regeln: Der Poet muss einen selbst verfassten Text vortragen und darf dabei keine Hilfsmittel (z.B. Kostüme) tragen. Es gibt keine thematische oder stilistische Einschränkung. Ich bin auf der Bühne zur Freiheit verdammt- ich habe zahllose Möglichkeiten. 
Was bleibt, wenn die Grenzen hinter dem Horizont sind? 
Nur du und das Publikum. 
Ob man um jeden Preis Applaus bekommen will, ob man Menschen zum Nachdenken anregen oder zu Lachkrämpfen bewegen will- das liegt ganz an einem selbst. Ich habe mir selbst zum Ziel gesetzt, meine Gedanken und die für mich großen Probleme gut dosiert in die Texte einfließen zu lassen. Dass jeder Text von tiefen Sinnzusammenhängen strotzt, ist fast unmöglich, aber dieses hin-und-wieder-Augen-öffnen-wollen macht Spaß. 
Slam in Lübeck (April 2013)
 
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7 Comments

  1. gibt es das ganze auch irgendwo in videoform zu sehen? poetry slam ist etwas großartiges!

  2. Wow! Das erste Bild ist ja mal wunderschön! :)

    Ich wünschte ich könnte bei einem deiner Auftritte mal dabei sein^^

  3. Wow! Wirklich Respekt dafür.War bei zwei mal bei einem Poetry Slam und finde es ist wirklich eine tolle Möglichkeit sich uns seine Gedanken mitzuteilen :)

  4. Ich find das extrem spitze. Weiß nich ob ich dir “Patrick Salmen” schon mal ans Herz gelegt hab (oder ob du denn nicht einfach selbst schon kennst), über den ich herzlichst lachen kann und das jedes Mal! Kann man denn auch mal einen Auftritt von dir irgendwo sehen/hören? :) Ich finde deine Kolumnen immer spitze und mag deinen Stil, ich glaube, dass deine Slam Texte sicherlich auch super sind!
    Bin heute ausm “Heimaturlaub” wieder gekommen (aus Eckernförde) und natürlich ist genau heute ein Poetry Slam dort am Strand…leeeeider verpasst :( Und hier in Gießen und Umgebung hab ich noch nie wirklich davon gehört.. ich muss mich einfach mal umsehen, aber ich komme sicher dieses Jahr noch dazu einen zu sehen! (Und vielleicht trau ich mich ja auch irgendwann mal bei einem mitzumachen..)
    Liebste Grüße

  5. Wir hatten Poetry Slam in der Schule in Literaturkurs behandelt, wollten uns eigentlich auch einen Slam mal ansehen – daraus ist leider nichts geworden :(
    Aber ich finde es immer wieder cool, wenn man den Mut dazu hat, sich auf die Bühne zu stellen und seinen Text vorzutragen.

  6. Danke für den spannenden Einblick und was mich besonders wundert ist, dass es bei dir alles so schnell ablief vom Workshop zu den Auftrittsanfragen :)

    Wenn sich die Möglichkeit anbeitet würde ich nur zu gerne einen Poetryslam anschauen bzw. es wäre nett dein Autritt bald auf Video zu sehen :)

  7. Hallo! ich war in den 90-er Jahren Protagonist der Hambujrger Slam-Szene. Der nach mir benannte “Dr. Buhmann-Gedächtnis-Preis” wird seit mehr als 15 Jahren jeden Monat vergeben. Trotzdem habe ich mich aus der Szene weitgehend zurückgezogen – fühle mich Teilen von ihr aber noch verbunden. Ich poste regelmäßig Filme und Lesungsmitschnitte von Dichterlesungen, zuletzt
    Peter Paul Zahl: http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2013/10/peter-paul-zahl-liest-anansi-und-die.html
    Kai Damkowski: http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2013/10/kai-damkowski-liest-eigene-texte-1996.html
    Hadayatullah Hübsch: http://www.youtube.com/watch?v=cD0QGHGB6Pw
    und
    http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2013/09/hadayatullah-halte-die-wunde-offen.html
    Bilk van Willich: http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2013/09/bilk-van-willich-wkp-18.html
    und
    http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2013/07/markus-lesung.html
    Arne Poeck: http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2013/06/arne-poeck-im-text-labor.html
    Die Reihe wird fortgesetzt – ich bin dabei, Schätze aus m einem Archiv zu heben und zu veröffentlichen.
    Von mir selber gibts auch einige Filme, u.a.: http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2013/06/arne-poeck-im-text-labor.html (über IBA – Gentrifizierung)
    und
    http://www.youtube.com/watch?v=9_7GK1EwkdA (Text-Labor)
    Vielleicht schaut ihr mal einen der Filme an.
    Viel Spaß wünscht
    Raimund samson alias “Dr. Buhmann”

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