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Sonntagskolumne 14/13: Kann man nicht einfach mal…

…den Ohrwurm ausschalten?

Wer kennt es nicht: In einer Bar, oder auch nur in der Wohnung über mir, lief ein Lied und noch Stunden später schallt eine Strophe oder auch nur eine einzige Zeile auf Endlosschleife durch meinen Kopf. Der Ohrwurm.
Er ist dafür verantwortlich, dass meine Stimmung für einige Zeit immer zwischen Wahnsinn und Euphorie wechselt. Heute früh spielte sich eine halbe Stunde lang wieder und wieder „I, i follow… i follow you deep sea baby… i follow you and i, i follow… i follow you dark boom honey…“ in meinem Kopf ab. Meine Laune verhielt sich dabei wie Ted und Marshall (von How i met your mother) in Marshalls altem Auto, die auf jeder Fahrt dauerhaft „500 Miles“ hören mussten. Erst war ich verwundert, warum ich diese Liedzeile überhaupt in meinem Kopf hatte- es gab keine Gelegenheit, das Lied in diesem Moment irgendwo aufgeschnappt zu haben. Dann wurde ich unglaublich genervt und wollte einfach nur von dieser ständigen Wiederholung befreit werden. Dann gefiel mir der Ohrwurm, dass ich lauthals diese 2 Zeilen an die 30 Mal mit sang… und dann war ich wieder genervt und verzweifelt. Das ganze Mal 3 und dann wisst ihr, wie mein Vormittag heute so aussah.
Als ich endlich von dieser Folter befreit wurde, dachte ich darüber nach, warum Ohrwürmer so anstrengend sind.
Ich glaube nämlich nicht, dass es allein diese Wiederholung ist, die uns nervt. Während wir uns bei einem Ohrwurm auf diese besagte Musik fixieren, sind wir nicht in der Lage, uns zu anderen Dingen Gedanken zu machen. Wir werden von dem Lied eingesperrt und alles, was wir während eines Ohrwurms tun, erledigen wir halbherzig. Sei es ein Gespräch oder das Schreiben einer Kolumne. Permanent steht der Ohrwurm an erster Stelle und verdrängt die anderen Dinge. Wer wäre nicht genervt, wenn er durch ein Lied bzw. durch sich selbst eingeengt wird? Wenn wir uns damit abfinden und den Ohrwurm gewähren lassen, wenn wir nichts tun oder nichts wichtiges tun wollen, kommt dann die Phase der Euphorie, in der ich beispielsweise lauthals mitsinge.
Gut, das sind jetzt auch nur halbwissenschaftliche-Milchmädchen-Weisheiten. 
 
Doch dann ist mir aufgefallen, dass es auch andere Ohrwürmer gibt. Ohrwürmer, die nichts mit Musik zu tun haben und sich dennoch wieder und wieder in unseren Gedanken abspielen. Die uns einschränken und einengen, unser Handeln zu halbherzigen Taten werden lassen und uns fast wahnsinnig machen. Ohrwürmer, die eigentlich anders heißen müssten, für die es aber kein anderes Wort in unserer Sprache gibt. So habe ich seit 1, 2 Wochen einen Ohrwurm von Wohnungen. Wieder und wieder gehe ich die besichtigten Wohnungen durch, wäge pro und contra ab, schaue auf meine imaginäre To-Do-Liste und denke permanent darüber nach, was noch alles zu tun ist.
Alles dreht sich im Moment darum und treibt mich fast in den Wahnsinn. Ich kann (und will) nicht abschalten, bis der Ohrwurm zu Ende gedacht ist.
Und da fällt mir noch etwas auf: Ohrwürmer nerven, weil sie eben nur in den Gedanken existieren. In Gedanken und nicht in Taten. Sie wiederholen sich nicht nur ständig, sie bringen uns auch nicht voran. Sie lassen uns für einige Zeit auf der Stelle laufen und sind einfach absolut unproduktiv. Sie rauben uns den Schlaf, sie rauben uns Zeit und geben uns….nichts.
Published inSchreibenSonntagskolumne

2 Comments

  1. Ich liebe diese Kolumnen! :)

    „Während wir uns bei einem Ohrwurm auf diese besagte Musik fixieren, sind wir nicht in der Lage, uns zu anderen Dingen Gedanken zu machen. Wir werden von dem Lied eingesperrt und alles, was wir während eines Ohrwurms tun, erledigen wir halbherzig“ -> triffts perfekt!

    Grüsse ♥

    • Dankesehr, über solche Kommentare freue ich mich immer sehr! :)

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