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10 Dinge, die…

…deine Geschichte erzählen könnten.

Der Herbst hat es geschafft. Er hat dich gepackt und lässt dich nicht mehr los. Er treibt dich zur Verzweiflung und du selbst kannst nicht sagen, woran es liegt. Du versuchst dich vor dieser Herbstdepression zu schützen, doch deine Abwehrstrategie ist vollkommen falsch.
Irgendwann einmal, da hast du einen Zaun um dein Herz gezogen. 

1. Im Licht der Sonne glänzte er stark. Du hast dich unverwundbar gefühlt, mit dem Zaun um deinem Herz. Die trostlose Wüste dazwischen war dir egal. Der Zaun war dein Schlussstrich mit allem, deine Resignation. Du warst unbesiegbar und eine mögliche Verletzung fühlte sich unmöglich an.
2. All der Schmerz kam nicht mehr an dich heran. Die Köpfe der Gemeinheiten wurden zusammen mit deiner Vergangenheit auf deinem Zaun aufgespießt. All der Schmerz, all die bösen Menschen, all das Leid, prangerten auf dem Spieß. Als Warnung an die Anderen, trugst du sie vor dir her und konntest nicht aufhören, darüber zu reden.
3. Du hast viel geredet. Über deine Vergangenheit, über den Schmerz, über dein Hier und Jetzt und über den Wandel. Bei deinem ganzen Selbstmitleid von früher und dem übertriebenen Stärkegefühl von heute, bemerktest du deinen Zuhörer nicht. Du vergaßt deine eigene zerbrechliche Fassade und so konnte unbemerkt etwas durch deinen so kalten Zaun dringen.
4. Es wuchs. Aus einer einzigen, verwundbaren Knospe wurde Tag für Tag etwas mehr. Es umschlang deinen kalten Zaun und beanspruchte unbemerkt einen festen Platz in dir drin, während du noch bei jedem Gespräch in der Vergangenheit hingst.
5. Zwischen Zaun und Herz, da wo nichts sein sollte, wurde dieses Etwas immer größer. Zunächst war es noch ganz zerbrechlich und instabil, aber mit jedem neuen Tag wurden die kleinen Triebe kräftiger. Doch weil du zu sehr mit deinem Zaun beschäftigt warst, entging das Dazwischen komplett deinem Blick.
6. Erst als der Frühling in dir eindrang und als zwischen dem Zaun und deinem Herzen alles zu blühen begann, wurde dir dein Fehler bewusst. Du wolltest stark sein, du wolltest abgebrüht und sicher sein. Wolltest dein Herz verschließen. Und dann das!
7. Wie besessen hattest du dich selbst aufgewühlt. Und da, ganz unten, wo der Herzmuskel am dicksten ist, hattest du die Wurzel gefunden und versucht, das Gewächs zwischen Zaun und Herz zu ersticken. Einige Triebe starben zwar ab, aber deine Aktion war nicht völlig von Erfolg gekrönt.
8. Die zerstörten Triebe zerbröselten im Wind, doch die verbliebenen Blättchen wurden widerspenstiger und umwirbelten dein Innerstes wie ein Orkan. Und du saßt nur da, auf deinem Zaun und sahst einfach fassungslos zu, weil dir die Taten fehlten. Das Gefühl, ungewollt zu fallen, stellte sich bei dir ein und raubte dir fast den Verstand.
9. Dein Zaun verbog sich unter der Last des Gewächses. Je größer das Ding zwischen Zaun und Herz wurde, umso naiver kam dir dein ehemaliger Schutzmechanismus vor. Einen Zaun ums Herz ziehen. Als würde das was helfen! Du stießt einen Verzweiflungsschrei aus, weil du dachtest, jetzt wäre alles vorbei.
10. ….Doch statt einen schmerzhaften Schlag oder Tritt abzukriegen, passiert etwas ganz anderes mit dir. Das Gewächs wird nett, beginnt mit dir zu reden. Erst zögerlich, indem es sich vorstellt, dann kommt es richtig aus sich raus und macht dich von Innen heraus schön.
Weil dein Zaun nur ein Zaun war und keine Mauer, hattest du noch eine Chance, eine Rettung vor der Isolation.
Und du bist plötzlich dankbar, dass das Gewächs, vielleicht gerade wegen des Zauns, zu deinem Herzen gelangen konnte. Was früher war, ist egal. Du hast einen Freund namens Liebe tief in dir drin gefunden.
Published inKnipsenSchreiben

2 Comments

  1. Meine liebe Josephine…
    Ich weiß gar nicht wo ich grade anfangen soll. Es hat mich grade einfach unheimlich berührt. Mir sind sogar 3 kleine Tränchen die Backe hinunter gekullert und das meine ich ganz ernst!! Deine Worte haben ein Gefühl, das ich nur zu gut kenne, wunderbar beschrieben. Diese kleine Geschichte.. Wenn man eigentlich den Mut verloren, die Hoffnung aufgegeben hat, sein Herz keinem einzigen Schmerz mehr aussetzen will..da kommt wer! Und buuuums. Kannste nüscht gegen machen.
    Danke für diese Worte. Die haben definitiv meinen Tag perfekt abgerundet!!
    Die aller liebsten Grüße xx

    • Vielen, vielen Dank, liebe Maribel, für diese netten Worte. Die runden meinen Tag wiederum perfekt ab.

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