Zum Inhalt

KATEGORIEN

Sonntagskolumne 15/13: Kann man nicht einfach mal…

…mit dem Sofakissen verschmelzen?

Es ist Samstagabend und ich sitze auf einer WG-Party. Ich stehe nicht, ich lache nicht, rede nicht, bewege mich nicht- ich sitze einfach nur da. Seit Stunden, auf ein und derselben Stelle, mit ein und demselben durchgesessenen Sofakissen unter mir. In einem Film würde jetzt die Kamera auf mich zeigen, wie ich da reglos sitze und um mich herum die anderen Menschen in 5-facher Geschwindigkeit den Abend ausgelassen feiern.
Die Bässe lassen meine Organe vibrieren. Ich trinke einen Schluck von meiner mitgebrachten Club Mate Flasche und sehe einfach nur zu.
Zwischendurch kommen immer mal wieder Leute und fragen, ob es mir gut geht, ob bei mir alles klar ist. Ich nicke, nippe von meiner Mate und sehe weiter einfach nur zu.
Mir geht es gut und bei mir ist auch alles klar, aber Abende wie dieser kommen sehr selten vor, denn: so wie ein Hai niemals ein Kaninchen fressen wird, da Kaninchen nicht dort wohnen, wo der Hai jagt, so ist es eigentlich auch ausgeschlossen, dass ich in melancholisch-ruhiger Stimmung auf einer Party bin, da ich normalerweise in solch einer Stimmung nicht auf Party gehe.
Da es aber immer die Regel der Ausnahme einer Regel gibt, sitze ich also nun auf dem Sofa.

Ich bin fasziniert, wie anders Partys wirken, wenn man selbst nicht in Feierlaune ist. Mich beängstigt der in Strömen fließende Alkohol. Der erste Volltrunkende lässt mich die Neckereien bezüglich meiner Klub Mate ertragen und erleichtert mir die Ablehnung von Alkohol an diesem Abend. Ich fühle mich wie ein Mäuschen, das in einer reality-show zugucken darf, dass gierig wie ein Schwamm Gesprächsfetzen aufsaugt und sie zu dem Selbstgespräch hinzufügt. Zwischendurch entschlüpfe ich meiner Beobachterrolle für einen Moment, um zu überprüfen, wie es dem Jungen neben mir geht, der vor einer Stunde Pilze geschluckt hat.

Als mein bester Freund sich neben mir ins Sofa fallen lässt und mich nochmals fragt, ob alles okay ist, komme ich zu dem Schluss, dass dieser, über Stunden ausgedehnte, Moment fantastisch ist. Auch, wenn ich nicht in der Partystimmung, wie die anderen bin, ist es zur Abwechslung mal schön, starr wie ein Stein stundenlang auf dem Sofa zu sitzen und das Treiben zu beobachten.

Kurz, bevor ich gegangen bin, zog mich ein Südamerikaner auf die Tanzfläche und involvierte mich in eine Salsa Tanzstunde. Ich glaube aber, ich bin sehr untalentiert, denn nach geschlagenen 20 Minuten hatte ich die Schritte noch immer nicht so ganz im Kopf. 

Published inSchreibenSonntagskolumne

4 Comments

  1. Isa Isa

    das hatte ich auch mal, man sieht das alles ganz anders wenn man einfach nicht in der Stimmung ist Party zu machen. Vor allem weil dann einige zu einem kommen und einem Alkohol anbieten oder auch sagen, dass man heute so ruhig ist. :)

  2. Großartiger Text, so schön geschrieben.
    Dabei bekommt man ja fast schon Lust darauf, ein Partygeschehen einmal ganz neutral zu beobachten.
    Lg

  3. So wie es dir da geht, geht es mir ständig :D ich bin vermutlich die schlimmste Partygängerin ever und beobachte am liebsten einfach nur die Leute, die sich massiv zum Affen machen :D

  4. Einfach mal nicht mitmachen kann auch ein Anstoß sein, das allgemeine und auch das eigene Tun zu reflektieren…
    ;)
    LG

Kommentar schreiben:

Close
%d Bloggern gefällt das: