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Sonntagskolumne 16/13: Kann man nicht einfach mal…

…das eigene Universum durchbrechen?

“Ja, gestern war’s echt toll. Ich hab auch so viele Menschen kennengelernt.”

Wenn wir davon reden, Menschen kennengelernt zu haben, heißt das oft viel weniger, als es eigentlich heißen sollte. Auf einer Party oder wo auch immer sonst unterhalten wir uns notgedrungen mit Menschen. Vielleicht sind die Gesprächspartner interessant, oder das Gesprächsthema spannend, sodass am Tag danach irgendwas hängen bleibt. Ein genaues Bild von dem Menschen, das komplette Gespräch oder gar der Name ist bis dahin vielleicht schon verschwunden, aber dennoch erzählen wir nur zu gerne davon, wie viele Menschen wir schon kennen.

Aber was kennen wir denn schon? IMG_0064

Mich fasziniert immer wieder dieser komplexe Gedanke, dass jeder einzelne Mensch eine ganz eigene Geschichte schreibt. Für Außenstehende wäre viele Erlebnisse und Erfahrungen der anderen unglaublich spannend, wie ein großartiger Roman, den man im Schnelldurchlauf durchblättert. Nur leider lesen wir zu wenig, weil wir glauben, alles zu kennen. Wir reden zu viel belangloses Zeug und interessieren uns zu wenig für die Mitmenschen. Wir glauben, dass wir selbst viel wichtiger sind und drehen uns als Mittelpunkt in unserem eigenen Universum doch nur um uns selbst. Und wir, als Mittelpunkt, wollen gekannt werden und verlangen, dass sich unsere Mitmenschen auch um uns drehen.

Ich liebe den Nachthimmel, die zahlreichen Sterne, die vor vielen vielen Jahren schon aufgehört haben zu leuchten und trotzdem noch von einem kleinen Popelmenschen wie mir hier unten auf der Erde gesehen werden. Ich weiß, dass ich niemals zu einem Stern werde, aber das ist okay. Denn wenn ich meine Augen hin und wieder von meinem eigenen Universum abwende und wirklich bemüht in die Universen der anderen Menschen blicke, leuchten sie mich so großartig an, dass mir das Mensch-sein genügt.

Published inSchreibenSonntagskolumne

Ein Kommentar

  1. Wahre Worte! Man sollte sich wirklich öfter mal für was anderes Interessieren oder an etwas anderes Denken als nur an uns selbst. Vielleicht wird dadurch die Welt ein klitzekleines Stückchen besser.

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