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Sonntagskolumne 02/14: Manchmal frage ich mich, warum…

…wir öfters mal lügen.

In Breaking Bad ist das Lügenkonstrukt des Protagonisten für mich eines der wichtigsten und auch spannendsten Elemente. Walt lügt seine Familie an, weil seine Drogenkarriere wohl den familiären Segen schief hängen lassen würde. Er hält das zwar nicht für richtig, aber hat keine Wahl- schließlich macht er den Drogenkram nur seiner Familie zu liebe. Ist er also im Recht zu lügen?
Von klein auf wird einem beigebracht, dass Lügen unmoralisch und schlecht ist. Aber kann man das einfach so prinzipiell behaupten?

Was ist zum Beispiel mit dem Protagonisten in „Jakob, der Lügner“? Aus der Not heraus belügt er ein komplettes Wohnviertel, um Menschenleben zu retten und Hoffnung zu spenden. Ist lügen da schlecht? Oder was ist, wenn sich ein guter Freund von dir im Keller versteckt, weil er von der Mafia verfolgt wird. Plötzlich klingelt es an deiner Tür und die Mafia steht dort und fragt nach deinem Freund. Würdest du denen die Wahrheit sagen und deinen Freund verraten, nur um nicht zu lügen?

In der Philosophie prallen hier zwei große Strömungen aufeinander: die Deontologen und die Teleologen. Kant, beispielsweise, war Deontologe. Für ihn ist das beabsichtigte Ziel/Ergebnis egal, die Tat ist entscheidend- Kant schwört darauf, Prinzipien immer einzuhalten. Also niemals zu lügen.
John Stuart Mill, beispielsweise, war bekennender Teleologe. Völlig logisch, dass er seinen Freund nicht an die Mafia ausliefern würde oder wenns sein muss auch mal das gesamte Warschauer Ghetto belügen würde, damit die Menschen sich an ihrem Überlebenswillen festhalten können. Denn entscheidend ist das beabsichtigtes Ziel.
Manchmal gibt es Situationen, in denen wir uns bewusst sind, das die Wahrheit sehr unangenehm oder schmerzhaft für andere Menschen sein könnte. Im Umkehrschluss ist es natürlich noch immer nicht gut, zu lügen- zumindest nicht aus egoistischen Gründen und eigenem Nutzen.

Aber nun noch ein Beispiel: Stellt euch vor ihr seid Lehrer und habt eine Schülerin, die sehr intelligent, aber faul ist. Da ihr ein guter Lehrer sein wollt, habt ihr euch überlegt, sie ein bisschen zu motivieren. Ihr redet mit ihr unter vier Augen und sagt ihr, dass sie keine Eins auf dem Zeugnis bekommt, wenn sie sich jetzt nicht anstrengt (obwohl sie rein rechnerisch die eins schon komplett sicher hat). Nur, um ein bisschen Motivation zu streuen.
Die Schülerin bringt sich um. Was ihr nicht wusstet, war, dass sie ein fürchterliches Elternhaus hat, unter enormen Leistungsdruck steht, sich um ihre kleinen Geschwister kümmern muss und nicht faul, sondern nur vom Stress übermüdet ist. Und eure kleine Notlüge hat das Fass zum überlaufen gebracht, sie konnte nicht mehr und jetzt ist sie tot. Eure Absicht war komplett gut, ihr wolltet die Schülerin ja nur ein bisschen motivieren. Ihr seid vielleicht auch ein Teleologe und seht kleine Lügen nicht als schlimm an- aber eurem Gewissen ist das sicherlich pupsegal.
Und an dieser Stelle erreiche ich immer gedanklich genau den Punkt der Egalität. Schließlich ist da immer eine Konstante, die sowohl den Teleologen als auch den Deontologen einen kompletten Strich durch ihr moralisches Konstrukt machen kann: der Zufall.

Ob ihr mit den gesellschaftlichen Normen geht oder euer eigenes Ding macht, das Ergebnis einer Tat kann nie nur von eurem guten Willen erreicht werden.Vielleicht hüte ich mich deshalb oft, in Kategorien zu denken. Zwar glaube ich, dass ich teleologisch eingestellt bin, aber letztendlich zählt für mich nur eine Sache:

Auf das Herz hören.
Published inSchreibenSonntagskolumne

4 Comments

  1. Ich glaube, dass es einfach auf die Situation ankommt. Natürlich würde keiner von uns einen Freund verraten. Aber wenn man selbst ein guter Freund ist, sollte man ihm auch unangenehme Sachen sagen können, auch wenn es in diesem wehtut, oder er es nicht hören will. Beispielsweise bei Liebeskummer. Niemand sagt gerne „Gib auf, er will dich nicht mehr!“ Also versucht man es einfühlsamer, aber es ist nie eine leichte und angenehme Aufgabe.
    Die schlimmste Art zu Lügen ist für mich aber immer noch sich selbst zu belügen. Sich selbst etwas einzureden, was nicht da ist. Seien es Gefühle (oder eben nicht), schlimme Ereignisse, oder einfach Sachen, die man nicht glauben oder wissen will. Irgendwann bekommt man das meistens zu hunderten zurück, man fliegt damit, auf gut deutsch, auf die Fresse, oder verletzt sich oder andere nur noch mehr.
    Ganz richtig ist, was du gesagt hat! Auf sein Herz hören. Das ist meistens das richtige.

    Und so nebenbei: ich lenke mich auch gerade vom Lernen ab. Blog durchstöbern und Instagram unsicher machen :D
    Schönen Sonntag noch! :)

    • Da hast du vollkommen Recht. Jedoch ist da halt genau dieser Konflikt zwischen Ehrlichkeit und Einfühlsamkeit. Bist du zu ehrlich, bist du nicht mehr einfühlsam und umgekehrt. Das kann zumindest bei dem Liebeskummerfall dazu führen, dass der/die Traurige auf dich wütend werden könnte… und man das Gegenteil erreicht. Aber genau das macht das Lügen so kompliziert, irgendwas geht immer schief.
      Aber vielen Dank für deinen Kommentar, ich hoffe, du kommst dann noch zum lernen (und machst dir trotzdem noch einen schönen Sonntag) :)

    • Wenn der Liebeskummer überstanden ist, wird da meistens aber ganz schnell ein „du hattest recht“ draus ^^ Lieber später als nie!

  2. Wow. Du hast einen wirklich interessanten Blog! Ich bin gespannt mehr von dir zu lesen :)
    Liebe Grüße, Paula

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