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Sonntagskolumne 03/14: Manchmal frage ich mich, warum…

…ich so feige bin.

So, wie die zwei Magnetpole sich von einander abstoßen, so, wie es das Gute nur durch die Existenz des Bösen geben kann, so, wie Ying&Yang- so bin ich fest davon überzeugt, dass es Menschen gibt, die aufgrund von irgendeinem Naturgesetz absolut nicht zusammen passen.
Ich will an dieser Stelle zunächst sagen, dass ich mich stets bemühe, vorurteilsfrei fremden Menschen gegenüberzutreten. Wenn es beim Kennenlernen nicht gleich mit der Kommunikation und guten Laune funktioniert, versuche ich mich auf den Anderen einzustellen und ihm das Gespräch mit mir angenehm zu gestalten.Aber ab und zu merke ich- egal was ich auch versuche- das passt einfach nicht.
Früher hat mich das immer sehr frustriert, weil ich es nicht ertragen konnte, von einem Menschen überhaupt nicht gemocht zu werden. Irgendwas muss ich doch falsch machen?, fragte ich mich immer. Bis irgendwann der Punkt der Resignation kam und ich lernen musste, es einfach auch mal zu akzeptieren, nicht gemocht zu werden- und es selbst ebenfalls hin und wieder zuzulassen, bestimmte Menschen nicht zu mögen.Und so einmal im Jahr, oder noch seltener, kommt dann der Zeitpunkt, an dem mir mein persönliches Gegenteil gegenüber tritt und ich schon fast riechen kann, dass das zwischen mir und dem Gegenteil von mir nie etwas werden wird.
Meist registriere ich die gegenseitige Abneigung bereits innerhalb der ersten gemeinsam verbrachten Stunden. Ich weiß zwar nicht, wie der Andere mich dann wahrnimmt, aber irgendwann sehe ich das Blitzen in seinen Augen, dass mir dann deutlich macht “Ich kann dich auch nicht leiden”. Spätestens dann kommt der Zeitpunkt, an dem ich einfach nur weg will, mich nicht aufregen will, mich nicht ärgern lassen will, keinen Groll hegen will.

Aber was soll ich tun, wenn ich dann einfach nicht Reißaus nehmen kann?

Wenn ich mehr oder weniger dazu gezwungen werde, mit diesem Gegenteilmenschen Zeit zu verbringen, wie verhalte ich mich dann? Während in meinem Kopf die ärgsten Gedanken wie grünflüssige Galle brodeln und kurz vorm Überkochen sind, werde ich nach außen hin eher verschlossen. Ich würde dem Menschen gern sagen, dass ich ihn nicht mag. Ihm versuchen, zu erklären, warum ich ihn nicht mag. Dass ich ihn arrogant finde oder das Gefühl habe, er ist ein Heuchler. Dass ich falsche Menschen nicht ausstehen kann oder er mir  mit seiner Klugscheißerart einfach immerzu das Gefühl vermittelt, dass ich dumm bin. Statt zu konfrontieren und zu hinterfragen bin ich feige und das ärgert mich an solchen Situationen am meisten, weil ich mir dann denke, dass ich mich damit selbst zum Heuchler mache und mein Unwohlsein einfach still dulde. Oder ist meine Feigheit eigentlich Höflichkeit?

Darf man Menschen überhaupt sagen, was sie in den Augen eines Anderen alles falsch machen? Ist das überheblich und arrogant oder ehrlich? Wenn, nur wenn man es mal probieren würde, seine Feigheit zu überwinden, könnte man dann vielleicht sogar dem Menschen helfen, ihm damit einen Schubs in die Metaebene der Selbstreflexion geben?
 
Während jetzt diese Fragen in meinem Kopf herumspuken, sagt mir mein Bauchgefühl, dass Schweigen besser ist. Und egal, ob mein Bauch Recht hat, oder gerade einfach zu nüchtern ist, um richtig zu urteilen:
Nach solchen Stunden mit meinem Gegenteilmenschen analysiere ich noch ausführlichst die Probleme von Zwischenmenschlichkeiten und vermutlich kann ich dafür sogar solchen Menschen dankbar sein, weil sie mich immer wieder dazu bringen, mein eigenes Verhalten zu überdenken und mal nicht einfach so jegliche Konversationen unverdaut zu schlucken.
Published inSchreibenSonntagskolumne

4 Comments

  1. Sowas gibt´s, immer mal wieder. Irgendwie stimmt die Chemie nicht und das wird einem ziemlich schnell klar, manchmal ohne ersichtlichen Grund ist jemand einfach unsympathisch. Ich denke, sich da abzuschotten schont auf jeden Fall die eigenen Nerven. Denn ändern kann man daran meistens sowieso nix…
    Liebe Grüße
    Christiane

  2. Ich denke das kennt jeder. Aber ich bin da auch so ein Mensch der dem Gegenüber die Ablehnung meistens zeigt oder es ihm auch ganz einfach sagt.
    Verlieren dabei kann man doch eh nichts, man mag den Menschen einfach nicht, da ist es mir auch egal was er dann über mich denkt wenn ich ihm sage was ich von ihm halte.
    Aber ich finde das kommt auch immer auf die Situation an. Wenn man zum Beispiel zu einem Geburtstag eingeladen ist und dort sitzt dann jemand den man nicht mag oder wo man merkt das derjenige einem unsymphatisch ist, dann würde ich dem das bestimmt nicht sagen, sondern ihn einfach versuchen zu ignorieren.
    Ich finde es nur fair wenn man seinem Gegenüber auch mal sagt, dass man ihn aus den und den Gründen nicht mag. Das kann ihn ja eigentlich auch nur weiter bringen, wenn man das dann auch vernünftig äußert. Er lernt dann vielleicht auch sich selbst besser einzuschätzen.
    Also ich bin eigentlich immer sehr dankbar wenn man ehrlich zu mir ist und man mir sagt was den Gegenüber an mir stört. Kommt natürlich immer auf die Art und Weise an wie das vermittelt wird.

    • Das stimmt, der Ton macht die Musik. Vielleicht wäre es auch nicht schlecht, weil dann auch die durch Schüchternheit hervorgebrachte Heuchelei eingeschränkt werden würde… daran werde ich mal in der nächstmöglichen Situation nachdenken..

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