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Brügge sehen… und lieben. [Teil 1]

Dass es im Hause Blueten Staub in letzter Zeit so verdächtig ruhig geworden ist, lag nicht nur an meiner Ankündigung ein bisschen kürzer zu treten, bevor der Stress sich größere Opfer von mir holt. Ich war außerdem auf einer 7-tägigen Poetry-Slam Tour in Berlin und direkt danach für ein paar Tage im Urlaub.
Mein Reisebegleiter hatte mir gesagt, dass ich mir eine bestimmte Zeitspanne komplett frei halten sollte, weil wir für ein paar Tage in den Urlaub fahren- aber verschwieg das Urlaubsziel bis kurz vor Reiseantritt. Wer von euch den Film „Brügge sehen… und sterben?“ gesehen hat, wird sich vermutlich vorstellen können, wie sehr ich mich gefreut hatte, als dann endlich für Brügge die Koffer packen konnte! -Alle anderen fassen das als Film-Empfehlung auf!
Vier Nächte mitten in dem „beschissenen Märchenbrügge“ waren geplant und daraus wurden die vier erholsamsten Urlaubstage seit langem und ganz nebenbei konnte ich in etwa 500 Fotos noch mit nach Hause nehmen. Natürlich will ich hier auch ein paar Eindrücke von Brügge festhalten- aber so sehr ich auch versuche, mich auf die wesentlichsten Bilder zu beschränken: Es wird wohl ein Drei-Teiler

Tag 1: Brügge im klassischen Gewand

Unser erster Urlaubstag war von vorne bis hinten mit Touri-Kram gefüllt. Ausgeschlafen machten wir uns noch früh am Morgen auf den Weg zum Markplatz, um den Belfried anzusehen- und die Stadt von oben herab betrachten zu können. Glücklicherweise war das Wetter für diese Jahreszeit schon sehr gut- warm und sonnig- sodass wir das Rumlaufen und Stadt entdecken richtig genießen konnten.
Random Fact: Um die 366 (oder so) Stufen des Belfried erklimmen zu dürfen, zahlt man als „Erwachsener“ 8 Euro. Erwachsen ist man aber in Brügge laut den Preistafeln in Museen und co erst ab 27. Von 6-26 Jahren zahlt man den ermäßigten Kinderpreis. Gut für mich- so kam ich überall mit 2€ Ermäßigung rein.
Brügges Altstadt ist nicht grundlos Unesco-Weltkulturerbe. Schmale Häuser aus dem Mittelalter, kleine verwinkelte Gassen und uralte Brücken sorgen dafür, dass man sich wie im Märchen fühlt oder wie auf einem Film-Set. Ich konnte kaum wahr haben, dass die Häuser nicht aus Pappmaschee sind und wirklich Menschen dort drin wohnen können.
Am ersten Tag ließ ich die schwarz-weiße Stadtplankopie nicht los, weil ich die ganze Zeit Angst hatte, mich in irgendeiner Gasse zu verlaufen. Aber so verwinkelt die Straßen auch sind, bereits am Ende des Tages konnte ich meine Orientierung wiederfinden, denn der historische Stadtkern ist kreisrund, von Wasser umrandet und vom westlichsten Punkt bis zum östlichsten Punkt läuft man maximal eine halbe Stunde. Und falls man mal falsch abbiegt- mit den alles überragenden Kirchtürmen hat man immer einen Fixpunkt.
Aber bevor sich das mit der Orientierung verselbstständigt hatte, hüpften wir zunächst in eines der andauernd fahrenden Boote und machten eine Kanalrundfahrt, um uns einen Überblick zu verschaffen.
Belgien verfügt übrigens über keine „eigene“ Sprache. Die meisten Einwohner sprechen Niederländisch oder Französisch- aber auch mit Englisch wird man eigentlich überall verstanden. Der „Kapitän“ des Bootes hatte zu Fahrtbeginn bei den ca. 30 Passagieren rumgefragt, welche Sprache wir alle sprechen und hatte sicherlich kurz darauf diese Frage bereut, denn nun musste er alles drei Mal erzählen- auf niederländisch, französisch und englisch- was für mich übrigens recht kompliziert war, da ich ein paar Brocken vom Niederländischen verstanden habe, mein Schul-Französisch auch auffrischen wollte und ihm deshalb auch konzentriert bei der französischen Version folgte und anschließend bei der englischen Version nicht hinterher kam, weil ich noch über das französisch erzählte nachdachte.

Aber irgendwann hakte ich meinen ehemaligen Französischunterricht als „vollkommen ergebnislos“ ab und konzentrierte mich lieber aufs Fotografieren und lauschte dann und wann seinem lustigen Englisch. Habt ihr schon mal gesprochenes Englisch mit niederländischem Akzent gehört?

Das Foto (oben) ist eines meiner Lieblingsbilder der Reise, obwohl es recht düster aussieht. Eigentlich war das Wetter recht freundlich, wenn auch dann und wann eine Wolke die Sonne verdeckte. Aber hier seht ihr ganz am Ende, hinter der Brücke, einen großen Haufen Schwäne- unweit von der Stelle ist auch das „Minnewater“ (also der See der Liebe), eine kleine grüne Oase an der Südspitze der Altstadt. Aber dazu komme ich noch im zweiten Teil des Reiseberichts. Der Grund, warum das Bild mein Lieblingsfoto ist, findet sich aber weiter vorne. Erst vorhin, beim Ansehen der Bilder auf dem PC-Bildschirm fiel mir der startende Vogel ins Auge. Solche zufälligen Schnappschüsse versüßen mir den Tag!
Nach unserer kleinen Rundfahrt wollten wir uns noch die Liebfrauenkirche (Bild darunter) von innen ansehen, da sie vor allem von den Brüggern für ihren Inhalt – einer Madonna von Michelangelo höchst persönlich (die einzige Statue von ihm, die außerhalb Italiens zu finden ist)- angepriesen wird. Leider war die Kirche mitten in irgendwelchen Restaurierungsarbeiten, sodass wir nach dem Hineinschnuppern sofort wieder rückwärts raus rannten. Baulärm und Dreck nur um irgendeine Madonna zu sehen ist dann doch nicht so cool. Wir sind wohl keine Hardcore-Touristen.
Irgendwie stolperten wir dann in das Archäologie Museum Brügges und erlebten gleich den nächsten Reinfall. Eigentlich hatte uns brennend interessiert, wieso Brügge noch so gut erhalten ist und was es für spannende Geschichten über seine Vergangenheit zu erzählen gibt. Stattdessen landeten wir in einem Kinderspielplatz, mit minimalsten niederländischen Erklärungen aber dafür ganz viel zum „Hautnah“ erleben. Nicht so ganz das, was wir uns vorgestellt hatten, aber im Urlaub lässt man sich von sowas nicht die Laune verderben.
Übrigens sind in Belgien die Lebensmittelpreise ordentlich gepfeffert. Oder besser: sie versalzen einem das Essen. Für ein kleines Baguette zwischendurch in einem Café zahlt man schnell mal 13€, zum Abendessen blättert man für ein Hauptgericht (z.B. ganz simple Nudeln mit Soße) mindestens 18€, aber gut und gerne auch 26€ hin. Die studentenfreundliche Alternative bestand für uns an zwei Abenden aus Pommes am Stand- 4€ die Portion. Aber da Belgien sowieso die Fritten erfunden hat und sie dort irgendwie außergewöhnlich anders schmecken, kann man das ja mal machen.

Die letzten zwei Fotos zeigen Brügge bei Nacht, direkt am Abend der Ankunft. Die zahlreichen Schokoladenlädchen trieben meinen Reisebegleiter in den Wahnsinn, da ich an fast jedem Schaufenster stehen blieb und mich an den Pralinen satt sah. Irgendwann hatte ich ihn sogar in einen mit reinzerren können- und dann war ich von dem Überangebot so überfordert, dass ich doch nichts gekauft hatte. Schade eigentlich, da Belgien eben auch für seine legendäre Schokolade bekannt ist. Aber gut für meine Hüften.

Gegen Ende unseres ersten Tages kehrten wir noch in einer Hostel-Bar ein und tranken uns ein bisschen durch die belgischen Biersorten. Hier weiß ich nicht so Recht, woher Belgien seinen guten Bier-Ruf hat, denn mir schmeckten sie alle nicht so recht. Vielleicht ist Belgien für sein Bier nur bekannt, da es stärker als „normale“ Biere ist und man dementsprechend weniger trinken muss, bis der Raum zu schwanken beginnt… Wie auch immer: unser erster Tag endete damit, dass wir irgendwann sehr sehr müde ins Bett fielen.

Nächste Woche gibts dann den zweiten Teil: Die weniger-touristische und grüne Seite Brügges.
Published inKnipsenReisen

3 Comments

  1. Oh das klingt Alles schon so märchenschön -erinnert mich teilweise an wenig an meine eigenen Eindrücke von Amsterdam, aber ich glaub ich will Brügge auch unbedingt mal gesehen haben ;)
    -Freu mich schon auf den nächsten Teil -und noch mehr Bilder!
    Supi, dass du einige Tage wegkamst und Zeit mit Herrn „Vonundzu“ verbringen konntest, sozusagen in Zweisamkeit. Schön, dass er dich nach Brügge entführt hat!

    • Dankeschön! =) Musst du aber echt mit einem spendablen Menschen an deiner Seite hinfahren oder selbst bis dahin Prinzessin sein, sonst ist es ein ganz schön teures (Ess-)Pflaster… =)

    • Viele Flamen verstehen aber auch Deutsch :) und meistens ist ihnen das noch lieber als Französisch.
      Ich lebe zwar in Belgien, dennoch bin ich bisher an Brügge nur mit dem Zug vorbei gefahren um nach Ostende zu gelangen. Aber wenn ich Posts über Brügge lese, machen sie mir immer Lust auch einmal dort hin zu fahren!

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