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#lostplaces : Ich mach mich aus dem Staub [Gedanken]

Bei meinem letzten Fotopost hatte ich es bereits erwähnt (im Zusammenhang mit der Location)– auf der ursprünglichen Street-Art-Fototour stiegen wir für ein paar Momente in die surreale Welt der Abrisshäuser ein. Heute ist genau der richtige Zeitpunkt für ein paar “Best-Of” Fotos (ich bin mir allerdings sicher, dass ich ab und an noch weitere Fotos von der Ruine streuen werde) , außerdem möchte ich ein paar Gedanken loswerden, die mich und auch den Blog in nicht mehr weiter Zukunft beeinflussen werden:
Es ist schon fast drei Monate her, da erlebte ich diesen ganz außergewöhnlichen Moment. Einen Moment, der so unerwartet und ohne Vergleichsmaßstab war, dass ich ihn nur mit einer Metapher irgendwie erklären kann: Ungefähr so, wie der Zeitpunkt, an dem mir Käse, ein Lebensmittel, dass ich in meinen ersten 12 Jahren absolut verabscheut hatte, auf einmal zu schmecken begann. Und so ähnlich war auch dieser Moment- ich entdeckte an mir selbst etwas neues und fragte mich, warum ich das nicht schon eher bemerkt hatte.
Alles begann damit, dass meine Kommilitonin mir beim traditionellen Brunch wieder mit der üblichen Euphorie von ihren Reisen erzählte. Schon in unserem allerersten Gespräch war ihr damaliges Auslandsjahr (1/2 Jahr Australien, dann Neuseeland und über Asien zurück nach Europa) für uns beide das Top-Thema. Meine längste Auslandserfahrung war 2008 eine dreiwöchige Sprachreise mit meiner besten Freundin nach Great Britain… dementsprechend spannend ist es für mich, ihren Erzählungen zuzuhören.
Während meine Freundin also von ihren Reiseerlebnissen erzählte, begann ich darüber nachzudenken, wie das so ist, wenn man ein Jahr lang auf sich allein gestellt ist und einfach mal der Welt beim Leben zuschaut.
Als hätte meine Freundin, die gerade übrigens in Sri Lanka abhängt, meine Gedanken erraten, unterbrach sie plötzlich ihren Bericht, wurde ganz erst und fragte mich: “Meinst du, du würdest sowas auch mal machen?” und dann… war dieser Moment da, in dem ich instinktiv antwortete: “Neee. Ich glaub, dass das nichts für mich ist. Hier, so zuhaus, ist es doch schön…” und während ich das aussprach, begann ein ganz simpler Gedanke in mir drin zu flüstern: “Wieso eigentlich nicht?”
Noch beim Nachhauseweg begann ich mir selbst (noch unrealistisch klingende) Fragen zu stellen, wie zum Beispiel: “Wenn du irgendwo hin reisen könntest, wo würdest du am liebsten hinreisen?… Neuseeland!”
Zurück im Hause Blueten Staub rannte ich zum Laptop und verbrachte den restlichen Tag damit, allgemeine Reiseinfos zu sammeln. Doch das Wichtigste kam erst ein paar Tage später:
Wenn einer meiner Gedanken zum Plan werden soll, muss ich zunächst einer ganz bestimmten Person meine Gedanken mitteilen: Meiner Mutter. Egal was sie sagt, manchmal höre ich auf sie, meistens nicht, aber erst, wenn ich den Mut besitze, meiner Mutter ernsthaft von einer Idee zu erzählen, wird diese Idee zum Plan.
Man könnte es als Identitätskrise bezeichnen, aber das finde ich ein bisschen übertrieben. Ich mache in meinem Alltag sehr viel, habe an allem großen Spaß und weiß eigentlich genau, was mir gefällt und was ich nicht mag. Trotzdem keimen in mir manchmal ganz pessimistische Herangehensweisen ans Leben auf. Vielleicht ist es die Angst vorm erbarmungslosem und unweigerlichem Scheitern der eigenen Träume, aber ich fühle mich in letzter Zeit eingeschränkt von unseren gesellschaftlich verankerten Vorstellungen. Soll das alles sein?
Manchmal kann ich fast riechen, wie alt, langweilig und brüchig die Fassade der Mitmenschen ist, an anderen Tagen fühle ich mich unverstanden. Von Zeit zu Zeit wird mir mein Teller einfach zu klein, weil ich mehr Schreiben möchte, als ich Worte und Stimmungen kenne und zumindest deshalb über den Tellerrand schauen sollte. Noch bin ich jung, noch habe ich Visionen, die ich für Umsetzbar halte. Noch habe ich die Motivation zur Umsetzung und vermutlich die geringste Reibung, die mich zurückhalten kann.
So ähnlich erklärte ich es auch meiner Mutter, nachdem ich ihr gesagt hatte, dass ich verreisen will. Auch habe ich mir schon einen pragmatischen und gesellschaftlich “akzeptierten” Kompromiss einfallen lassen: Statt eines gesamten Jahres werde ich in den Semesterferien für drei Monate im Ausland leben. Ich verpasse nicht viel hier, lasse meine Liebsten auch nicht zu krass lang zurück und werde dennoch genug Zeit haben, um meinen natürlich gesetzten Tellerrand auf die gesamte Tischplatte zu erweitern. Oder zumindest bis zum Platzdeckchen.
Neuseeland soll es sein. Um die Welt mal aus einer ganz anderen Perspektive in ganz anderen Farben zu sehen und fernab vom restlichen Alltag sich selbst zu entdecken. Und weil Neuseeland schön ist.
Geplant ist jetzt, diesen Ausflug Februar 2016 zu beginnen. An Weihnachten bekam ich auch noch einen ziemlich ausführlichen Reiseführer geschenkt, dank dem ich jetzt schon einige konkretere Pläne schmieden konnte. Mein Fernweh ist jetzt schon da, aber bis dahin werden mich noch andere Reisen trösten können. Übrigens sind zum Anfixen auch die Neuseeland- Reiseberichte auf Cotton Candy Storys wunderbar geeignet…
Was ich in den Monaten eigentlich genau erleben will, werde ich euch zu einem späteren Zeitpunkt erzählen- aber der grobe Plan ist wie folgt: Ein Wanderrucksack, meine Kamera, mein Laptop zum Schreiben und den Reisegroschen durch Work&Travel Jobs. Das Geld vor Ort verdienen, mir das Land ansehen, Blueten Staub als kurzzeitigen Reiseblog umfunktionieren und haufenweise Inspiration für Kurzgeschichten und das Schreiben allgemein sammeln.
…und natürlich Land und Menschen kennen lernen. Tellerrand und so, ihr wisst schon. Solange mich hier noch nichts wie eine feste Arbeitsstelle, Kinder oder sonst was spießiges zurückhält, solange ich noch jung bin, studiere und Träume hab, sollte ich die doch auch umsetzen. Erst Neuseeland und vielleicht nach dem Bachelor/ vor dem Master ein Jahr in Afrika… meine Gedanken drehen sich in Spiralenkreisen immer weiter hoch. Reisen so lange man noch kann ist grad so eine schöne Vorstellung.
Denn was mich jetzt schon stört, ist dieses Festgefahren-Sein. Wir rennen von einem Tag zum nächsten und selbst wenn wir uns mal einen Tag lang von dem ganzen Gerenne zurückziehen, wissen wir, was noch auf uns wartet. Und diese kopflastige Uni-Arbeit nervt auch manchmal ganz schön. Am Liebsten wäre mir, auf einer Farm zu arbeiten, richtig körperlich hart zu arbeiten und das nicht, um Geld anzuhäufen und erfolgreich zu sein, sondern um das Geld für den nächsten Ausflug rauszuwerfen. Denn ein Geldberg auf dem Konto beschert uns nun mal weder Erfahrungen noch lehrt es uns etwas.
Bis es allerdings so weit ist- an dieser Stelle realisiere ich gerade, dass die Zeit meiner Entscheidung ganz schön schnell voranschreitet- ist genau das Geld zusammenkratzen angesagt. Denn der Flug wird die große Messlatte, die Sprungmarke, die ich erreichen muss, um nach Neuseeland zu kommen. Da kommen dann schon mal ein, zwei tausend Euronen zusammen, die ich im Laufe der nächsten 1 1/2 Jahre durch arbeiten, sparen und arbeiten vielleicht zusammenkriegen kann.
Und bis ich dann im Flieger sitze und den Aufbruch ins Unbekannte wage, werde ich hier mit euch noch einige Male meine Pläne/Fortschritte/Gedanken teilen.
Was sagt ihr?
Published inKnipsenLebenReisen

7 Comments

  1. Voll schöner Beitrag! Und die Bilder dazu – genial!
    Liebe Grüße
    Christiane

  2. Anonymous Anonymous

    Flieg und genieße!! Wenn ich könnte, würde ich auch, aber mich halten die erwähnten “Spießigkeiten”, die mich so verdammt glücklich machen, zurück. Ich werde deinen Reise- Blog verfolgen.

    • Danke euch beiden! Das höre ich sehr gern.

  3. Jaaa machs auf jeden Fall! Ich schick nächsten Montag meine Bewerbung für ein Erasmus Stipendium für Pisa ab, ein halbes Jahr Italien wird total spannend :)
    Zwei Monate Neuseeland sind bestimmt großartig und nach dem Studium wirst du sehr schwer wieder so viel Zeit für so eine Reise haben :)

  4. Klasse! Freut mich sehr, dass dich das Reisefieber gepackt hat :) Das wird bestimmt richtig toll.

  5. Jette Jette

    Huhu Josephine,
    ich schleich hier nun doch öfter umher…die Neugier im Gepäck ;o)
    Wie steht’s um deine Reisepläne?
    Liebe Grüße von Jette

    • Hallo Jette =)
      Naja, es haben sich einige Dinge seit dem Verändert- aber geplant ist für Februar/März 2015 San Francisco, und wenn alles so klappt für Februar -ca april 2016 Neuseeland…. (Letzteres eigentlich schon 2015, aber leider haperts an der Uni und den wartenden Hausarbeiten.)
      Liebe Grüße

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