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Das Huhn, das vom Fliegen träumte

Als noch Semesterferien waren, also vor unvorstellbar langer Zeit, hatte ich mir überlegt, dass ich das heute vorgestellte Buch lesen möchte. Mein erstes Rezensionsexemplar ging auf der postalischen Odyssee verloren, das zweite hatte dann endlich am Montag mein neugieriges Warten beendet und den Weg in meinen Briefkasten gefunden. 

 Sun-Mi Hwang: Das Huhn, das vom Fliegen träumte

“Das Leben ist kein Ponyhof” und: “Man kann sich nicht immer die Rosinen rauspicken” sind zwei, mir gut bekannte, elterliche Standardfloskeln, die Hwang in ihrem Buch auf ganz eigene Weise neu interpretiert. Protagonistin ihrer modernen Fabel ist eine Legehenne namens Sprosse, die von einem Leben in Freiheit träumt.

Sie passt nicht mehr in das funktionierende System des Bauernhofs- und will auch gar nicht ihre vorgeschriebene Rolle spielen. Sie träumt und ist naiv, erleidet immer wieder Rückschläge, verliert aber nie ihre Wünsche aus den Augen. Sie entwickelt sich und bleibt hartnäckig, muss aber auch die Konsequenzen ihrer Entscheidungen tragen.

Während des Lesens fiel mir auf, wie gelungen Inhalt, Sprache und Wortwahl aufeinander abgestimmt sind und einen großen Interpretationsraum aufspannen. Durch den blumigen, doch recht simplen Schreibstil liest sich das Buch fast in einem Rutsch weg. 

“Der Schwarm hatte den Himmel ausgefüllt, nun verschwanden die Wildenten nach und nach hinter den Bergen in der Ferne, und ihre Schreie wurden immer schwächer. Es war, als würden sie von einer unsichtbaren Welt auf der anderen Seite des Horizonts angezogen. Plötzlich war es zu still.”
Auch die anderen Charaktere sind rund und zu Ende gedacht, aber verkörpern keineswegs Stereotypen, sodass die Dialoge authentisch wirken. 
Obendrein verabsolutiert Hwang nicht. Sie zeigt keine Heldin, die sich allem widersetzt und am Ende das große Glück findet. Sie stellt kein bestimmtes Lebenskonzept überhöht dar, sondern setzt den Fokus vielmehr auf die Suche nach Erfüllung. Die Essenz ist meiner Meinung nach, dass jeder einen eigenen Zugang zum Leben finden muss, dass jeder in etwas anderem Glück sieht und Träume und Wünsche sehr viel Einfluss auf die Lebensgestaltung haben sollten. 
Alles in allem regt Hwangs Werk feinfühlig zum Durchatmen und Nachdenken an. Denn ihre atmophärischen Schilderungen, die sich allmählich ausdehnende Handlung und der poetische Rahmen machen “Das Huhn, das vom Fliegen träumte” zu einem absolut lesenswerten Buch.


Informationen:
Autor: Sun-Mi Hwang
Seiten: 160
Verlag: Kein & Aber
Bestellmöglichkeit: klick

Inhalt/ Klappentext:

Gelangweilt von ihrem monotonen Dasein, bricht die Legehenne Sprosse eines Tages aus ihrem Gehege aus. Doch das Leben in Freiheit ist viel härter und unbarmherziger, als sie es sich vorgestellt hat. Bis sie in einem verlassenen Nest ein Ei findet und neue Hoffnung schöpft: Die Freiheit birgt nämlich auch das größte Glück.
Eine moderne Fabel über das Träumen, die Liebe und den Mut, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen. Die Geschichte über das tapfere Huhn, das ausbricht und in der Freiheit seinen Platz sucht, berührt zutiefst und wirkt lange nach.
http://www.bloggdeinbuch.de/
 
 
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