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Sonntagskolumne 07/14: Manchmal frage ich mich, warum…

…Dinge mich so unterschiedlich fesseln.

In meiner dreiwöchigen Kolumnenabstinenz, die von übermäßigem Stress und dem darauffolgenden Runterkommen geprägt waren, hatte ich drei Erkenntnisse, die mir das Setzen von Prioritäten zukünftig leichter machen könnten.
Punkt Eins: Es gibt Dinge, die mir Spaß machen, solange sie aktuell sind. Der Sport und ich stehen in so einem Verhältnis. Im März habe ich ihn, zeit- und motivationsbedingt, links liegen gelassen und als ich mich dann diese Woche mal wieder zum Joggen aufraffen konnte, hatte ich das Euphoriegefühl nach fast einer Stunde laufen in vollen Zügen genossen. Doch gleichzeitig weiß ich, dass jederzeit wieder eine Phase kommen kann, in der ich keine Lust auf Sport habe und er mir nicht fehlen wird. Auch, dass der Sport und ich vielleicht nur eine kleine kurze Liaison miteinander haben und er mich in ein paar Jahren nicht mehr tangieren wird; er völlig aus meinem Kopf verschwunden ist.
Punkt Zwei: Es gibt Dinge, die immer mal wieder in meinem Leben auftauchen werden. Im Gegensatz zu Punkt Eins sind das nicht unbedingt Sachen, bei denen ich, wenn sie aktuell sind, Feuer und Flamme fange und mit ganzem Herzen dahinter stehe. Malerei zum Beispiel. Manchmal hänge ich halbherzig an einem Ölbild und stelle es nicht fertig, weil es eben nur halbherzig begonnen wurde und ich das Gefühl, einen Pinsel in der Hand zu haben mehr schätze als das Ergebnis. Ich liebe den Prozess, die Tätigkeit mehr, als das Ergebnis. Das unfertige Bild wandert dann in den Müll oder kann mit ein wenig Glück darauf hoffen, dass ich irgendwann wieder in der Laune bin, den Pinsel zwischen den Fingern haben zu wollen und es mit einer neuen Bildidee zu übermalen. Und, was ich dem Unfertigen Bild voraus habe (abgesehen davon, dass ich nicht Gefahr laufe, in den Müll geworfen zu werden): Ich weiß, dass diese Lust aufs Malen immer wieder bei mir vorbei schaut. Manchmal schon nach zwei Wochen, manchmal erst nach 2 Jahren. Aber irgendwann ist sie wieder da.
Punkt Drei: Es gibt Dinge, die ich nie los lassen möchte/kann. Ok, das ist zugegebenermaßen ähnlich wie Punkt Zwei, allerdings mit dem Unterschied, dass ich, was auch immer sie für Konsequenzen mit sich ziehen, nicht von ihnen loskomme. So ist das mit dem Schreiben, von dem ich keinen Abstand nehmen kann, auch wenn es manchmal für mich (und die Texte) besser wäre. Vielleicht ein Zwang, vielleicht eine Leidenschaft- vielleicht sogar eine Obsession, die ich nie aus meinem Leben verlieren will.
Die negativen Konsequenzen sind beim Schreiben vielleicht nicht ganz so offensichtlich oder gefährlich- anders ist es bei Menschen. Denn davon gibt es in meinem Leben knapp eine Hand voll, die ich in Punkt Drei einordnen kann. Die mich immer wieder faszinieren, inspirieren und für mich so einzigartig und liebenswert sind, dass ich sie niemals aus meinem Leben wegdenken möchte. Doch im Gegensatz zum Schreiben habe ich die Beziehung zu ihnen nicht allein in der Hand und daraus folgen zwei potentielle Gefahren, die mir eine Gänsehaut bescheren: Zum Einen kann ich, selbst wenn ich alles dafür gebe, nicht dafür sorgen, dass diese Menschen mich auch für „nicht-wegdenkbar“ und unersätzlich halten. Es kann eigentlich jederzeit passieren, dass sie mich aus ihrem Leben streichen und keine Lust mehr auf mich haben. Zum Anderen bin ich bei diesen Menschen unglaublich leicht zu verletzen, da ich sie nie aus dem Kopf bekommen werde. Egal was passiert und was sie mir vielleicht antun – selbst wenn ich eigentlich die Nase voll habe, werde ich immer alles versuchen, um sie in meinem Leben zu halten.  Aber da es kein Gegenmittel gibt, muss ich mich wohl oder übel auf das Positive davon fokussieren und den Menschen einfach oft genug zeigen, dass sie immer in meinem Kopf sind.
Published inSchreibenSonntagskolumne

2 Comments

  1. Es gefällt mir wie du schreibst und es gefällt mir was du schreibst. Ich kann Dich verstehen – beim Sport habe ich das selbe gedacht :D Wenn ich erstmal dabei bin ist es toll, ansonsten bin ich da wohl einfach nicht so der Typ für. Ich habe immer so Phasen, die Sport-Phase, die Malen-Phase, die Stricken-Phase… Und dann gibt es Dinge, die ich fast immer gerne tue, wie das Nähen und Fotografieren.
    Das einige wenige Menschen einen festen Platz in deinem Herzen haben, das ist doch toll! Und wenn Du dir Mühe gibst, dann bin ich sicher, dass es andersherum genauso ist. Ich glaube tiefe Freundschaften beruhen immer auf Gegenseitigkeit. Oder nicht? Ich kann es nicht so genau sagen, ich tue mich sehr schwer damit jemanden in mein Herz zu lassen.
    Liebe Grüsse, Freja

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