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Sonntagskolumne 09/14: Manchmal frage ich mich, warum…

…ich so viel frage.

Eigentlich beschäftige ich mich momentan nur mit einer Sache – besser gesagt, diese Sache beschäftigt mich. Marx und sein qualmendes Kommunismusgeschwülst. Die Hausarbeit dazu wächst nur langsam und das (letzte, wirklich letzte) Abgabedatum rückt immer näher. Der Punkt, auf den ich gerade kommen will, äußert sich bereits im ersten Wort: Eigentlich.

Wenn ich etwas absolut nicht ausstehen kann, dann sind es Verallgemeinerungen. Am allerschlimmsten sind die, die zusätzlich Belehrungen, Ermahnungen oder Kritiken enthalten- sowas wie:  “Man macht das so…” oder “Die Gesellschaft ist eben so…” oder “Wir alle sollten…” . Und dennoch spukt in meinem Kopf eine Aussage herum, die genau in diese Kategorie fällt. “Wir alle denken viel zu wenig nach.” Darüber habe ich sogar mal eine Kolumne verfasst.

Und gerade in diesen Tagen, beim fokussieren der Hausarbeit, widerlegte ich meine eigene Behauptung, denn mein Kopf ist aus allen Nähten geplatzt, sodass ich mich erstmal wieder sammeln muss.

Angefangen hatte alles damit, dass ich letzten Sonntag- natürlich beim Lesen einer Sekundärliteratur zu Marx- eine ziemlich deprimierende Erkenntnis hatte. Während ich mich an der vernichtenden, aber fundierten Kritik an Marx ereiferte, ja richtige Freude empfand, erklang irgendwo aus mir tief drinnen die drohende Stimme meiner Mutter und ließ mich zusammenzucken.

“Was bildest du dir eigentlich ein? Du darfst nicht immer so kritisch sein, das verletzt andere Menschen. Fass dir erstmal an die eigene Nase, kehr vor deiner eigenen Haustür, ja?” Oha. Recht hatte sie, denn mir fiel etwas auf: Vielleicht werde ich gerade vom Studium in diese Richtung geschubst, aber: Ich bin “einstellungslos”. Ich habe zwar zu vielem- Dingen, von denen ich glaube, etwas zu wissen- eine Meinung und gebe gerne meinen Senf dazu, aber wenn ich meine eigene Einstellung zum Besten geben soll, fehlt es nicht nur an Worten, sondern eben an Einstellungen.

In diesem Falle war es meine eigene politische Haltung. Mittlerweile kann ich sehr gut politische Theoretiker auseinander nehmen. Ich sehe zwar das Positive, aber die negativen Punkte schrecken mich so sehr ab, sodass es bislang keine Theorie gibt, die ich akzeptieren kann- und noch viel schlimmer: ich glaube nicht, dass ich eine solche Theorie noch finden werde, weil ich ja nicht mal selbst genau weiß, was für mich besonders wichtig ist und mit welchem Übel ich leben könnte.
Als ich auf einem Kaffee mit Herrn Belesen zusammen saß und  mir meine schreckliche Feststellung von der Seele redete, stellte er eine schmeichelhafte, aber dennoch resignierende Theorie auf: Je mehr man sich beließt und je stärker man sich analytisch und gedanklich mit solchen (politischen) Lebenseinstellungen auseinander setzt, umso emotionsloser und pragmatischer wertet man diese aus. Als Beispiel für die “unterste Stufe” nannte Herr Belesen …”Sowas wie Stammtischparolen. Du liest jetzt zum Beispiel für die Uni schon viel mehr und deshalb ist dir einfach deine Emotionalität verloren gegangen. Ich glaube, wenn man dann so richtig informiert und belesen ist, kann man nur noch von verschiedenen Theorien die Pro- und Contra Argumente auflisten und sich dann für die Theorie entscheiden, bei der die Pro-Seite überwiegt.”
Ganz gleich, wie wasserdicht seine Theorie nun sein mag: Die Emotionalität habe ich keineswegs verloren, denn nach diesem Gespräch war ich erst Recht angefixt:

Statt an meiner Hausarbeit weiter zu arbeiten, arbeite ich an mir selbst. Statt die Gedanken auf eine wichtige Sache zu fokussieren, hüpfe ich von einer existentiellen Frage zur nächsten. Mein Kopf hat sich in eine Hydra verwandelt- sobald ich eine Frage abschneiden will, zerspringt sie in zwei Neue.

Das Gute daran: ich komme auf viele kreative Ideen und könnte täglich eine neue Kolumne verfassen.
Das Schlechte daran: Marx- also besser meine Hausarbeit- guckt am Ende des Tages ziemlich traurig aus der Wäsche.
Die Lösung? Mich darüber freuen, dass ich zumindest weiß, dass ich nichts weiß- und das word dokument alibihalber öffnen, und dann…., nun, dann, chrm.

Published inSchreibenSonntagskolumne

4 Comments

  1. Anonymous Anonymous

    “Ich weiß, dass ich nichts weiß.” Ganz hervorragend, der Sokrates. Meiner Meinung nach der beste Mann!

    Allerbeste Grüße,

    Flo

    PS: meine Hausarbeit heult auch. :)

    • Haha, sehr schön! Geteiltes Leid ist halbes Leid heißt es ja immer.
      Morgen (also mittlerweile heute) nicht vergessen, das Radio anzuschalten! :)
      Liebe Grüße

  2. Anonymous Anonymous

    manchmal frage ich mich warum…einige leute ihre private gedankenwelt ständig veröffentlichen müssen. nicht böse nehmen es würde mich wirklich interessieren. hdgdl jonas

  3. Anonymous Anonymous

    He Jonas,

    wir sind ein freies Land oder?^^

    Grüße

    Flo

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