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Halt stopp ich fühle mich…

gemobbt. Dein Niveau- mein Niveau…
Kennt ihr diesen Mobbing-Song? Erst vor kurzem konnte ich mit ihm – in einem Slam-Text von AIDA – Bekanntschaft schließen. Ich fand ihn  (vor allem hinsichtlich der dazugehörigen Choreografie) ziemlich putzig, nahm mir aber dennoch vor, ihn einfach mal anzuwenden, wenn ich das nächste Mal in eine angemessene Situation komme.
Aber was ist, wenn die Situation da ist, aber es nichts bringt, diesen Song zu „performen“?
Natürlich läuft der Beitrag genau auf das leidige Thema hinaus, dem sich so ziemlich jeder Blogger* einmal – ob offiziell oder inoffiziell – gestellt hat: Cybermobbing
 
*Lina Mallon beispielsweise hat einen meiner Meinung nach sehr gelungenen Beitrag dazu verfasst, dem ich nur zustimmen kann.
Allein und verletzt vor dem Bildschirm:
Sich selbst umarmen reicht manchmal nicht.
Oft sexistisch und degradierend, gerne bissig und ironisch, manchmal auch völlig direkt ausfallend und beleidigend- die Kommentatoren haben viele kreative Ideen, um den Autor ein bisschen zu pieksen. Nein, eigentlich eher in der Absicht, ihm weh zu tun. Nur eine Sache ist immer gleich: Sie alle posten anonym. 
In Monaten, wo solche Kommentare häufiger auftreten, bekomme ich Zweifel.
Haben sie Recht? Bin ich blöd? Bin ich hässlich, scheiße, dumm, oberflächlich? Was soll ich tun? Diskutieren? Ignorieren? Sie an den Pranger stellen? Mir den Kopf zerbrechen?
Eigentlich wollte ich heute meinen Unmut in diesem Post rauslassen. Euch diesen blöden Geschmack auf der Zunge, den ich nach solchen Kommentaren habe, entgegen spucken… dann aber brachte mich ein Gespräch auf einen ganz anderen Gedanken:
Vielleicht sollte ich, statt mich selbst zu bemitleiden, aufzuregen und leichtfertig Menschen verurteilen, rein hypothetisch in die Köpfe der Anonymen schauen und versuchen, sie zu verstehen.
Nach einiger Bedenkzeit kam ich zu folgendem Ergebnis: 

Wenn ein Mensch so viel Zeit hat, einem völlig irrelevanten Menschen wie mich- der weder die Politik eines Staates beeinflusst, noch moralisch inkorrekten, ideologisch verseuchten, fremdenfeindlichen, rassistischen oder sexistischen (okay, letzteres vielleicht manchmal doch ganz gern als Provokation;) ) Mist verbreitet, der weder reich noch berühmt ist, generell nicht sonderlich anders als alle anderen ist- einen verletzenden Kommentar zu schreiben, dann stimmt irgendwas in seinem Leben nicht.
Entweder weiß er mit seiner Zeit nichts anzufangen, oder beneidet das fiktiv gelebte Onlinedasein- oder kennt denjenigen vielleicht sogar im echten Leben persönlich und ist nicht in der Lage, ihm seine Probleme verbal von Angesicht zu Angesicht zu schildern.
Auch, wenn ich es nicht gut heißen kann, ist es vermutlich für viele Menschen selbstverständlich, ihre Unzufriedenheit an anderen nicht nur abzulassen, sondern sie zu kompensieren, indem sie andere schlechter machen. Das fällt natürlich online bedeutend leichter, erst Recht mit einer anonymen Kommentarfunktion.
Ich weiß nicht, was die Anonymen für ein Päckchen zu tragen haben. Ich weiß auch nicht, was für nette und liebenswerte Eigenschaften sie aufweisen, wenn ich nur böse Worte von ihnen zu lesen bekomme. Am allerwenigsten weiß ich, was sie wirklich damit bezwecken wollen, denn mit ihrer Anonymität tun sich hundert Rätsel auf.
Auch als Hummer ist man anonym und
kann sogar allein Spaß haben.
Die Antwort, die jede weitere Frage zu diesem Thema unterbindet, fand sich für mich jedoch relativ schnell. So rein buddhistisch gesehen, werde ich sie tolerieren. Ich würde ihnen gern in einem persönlichen Gespräch helfen, aber ich bin weder hauptberuflich Mutter Theresa oder ein wandelnder Kummerkasten, noch werden sie aus eurem Muster hinausspringen können. (Ihr könnt mich ja gern eines Besseren belehren)
 
 
Aber eine Gewissheit können die Anonymen haben: 
So, wie ihr mir mit euren Kommentaren Aufmerksamkeit schenkt, gebe ich sie- mit diesem Post einmalig- und regelmäßig beim Lesen eurer Kommentare zurück. Ich lösche eure Kommentare auch nicht, sondern sammle sie in meinem Spam-Kommentarordner, wie alte Kaugummipflatschen auf dem Asphalt.
Ihr habt für einen Augenblick vielleicht ein Hochgefühl, weil ihr 10 Minuten an einer Beleidigung getippt habt, die ich in 5 Sekunden lese und – auch wenn ich gern verleugnen würde- erst in ein paar Stunden wieder vergesse. Aber, und das ist das schöne an der ganzen Sache- trotz allem ist und bleibt das Karma.
Solange ich euch toleriere und dulde, tue ich im besten Fall sogar trotz Nichtstun eine gute Tat, indem ich euch ein Ventil gebe. So what?
Published inLeben

2 Comments

  1. Ohje, so etwas Blödes! Aber schön, dass du es geschafft hast, so gelassen damit umzugehen. Ich hoffe, das legt sich wieder und die Anonymen sehen irgendwann ein, dass sie nur ihre Zeit verschwenden.

    • Danke liebe Ariane. Ich glaube Einsicht sollte man gar nicht von ihnen erwarten. Nur aufs Karma hoffen. Wer böses tut, kriegt das an anderer Stelle irgendwann sicherlich doppelt und dreifach zurück…!

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