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Like the sun set in your eyes and never wanted to rise

Statt mich mit der Realität auseinanderzusetzen, stellte ich mir als Kind oft Orte, Situationen und Gespräche vor, die so nie existiert haben und auch nie existieren werden. Mal war ich bei einem Wanderausflug mit meinen Eltern eine Prinzessin, die vor den bösen Zauberern (im Tagtraum meine Eltern, haha) fliehen musste. Stundenlang rotierten meine Gedanken dann um dieses Rollenspiel, ich führte innere Monologe oder Gespräche und am Ende eines solchen Tages war dieses phantastische Gedankenspiel so umfangreich geworden, dass es, hätte ich damals schon geschrieben, sicherlich einen Roman ergeben hätte.
Aber mit jedem weiteren Jahr, das ins Land zog, wurden meine Gedanken und Tagträume immer realitätsnaher. Drachen und böse Zauberer gab es in meiner Welt irgendwann nur noch in den vergilbten Harry Potter Büchern unter meinem Bett. Ich weiß sogar noch, dass ich an meinem 14. Geburtstag das letzte Mal die Hoffnung hatte, einen verspäteten Hogwarts-Brief zu bekommen und doch kein Muggel zu sein. Es hätte ja gut sein können, dass eine Eule namens Errol meinen Briefkasten nicht fand.
Heute träume ich mich nicht mehr in verzauberte Welten hinein. Meine Tagträume kreisen in konzentrischen Bahnen um den Alltag; in Gedanken schreibe ich nur noch Situationen um und füge meine schlagfertigen Antworten ein. Es ist, als hätte ich ein Stück meiner Phantasie verloren. Ist das das Erwachsen sein?
Aber so ganz hab ich das Märchenprinzessinnen-Spiel nicht aus meinem Kopf gelassen.
Seit 5 Jahren schenke ich mir selbst zum Geburtstag ein Kleid. Oder die Kleider schenken sich mir, denn es ist nie so, dass ich kurz vor meinem Geburtstag auf Kleiderpirsch gehe. Jedes Jahr springt mich ein wirklich wunderschönes Kleid an und sagt: “Ich bring dir ein paar Zaubertricks bei.” Und wenn mir ein Kleidungsstück Flohpulver ins Ohr setzt, dann kann ich nicht nein sagen.
Vor einigen Wochen war mein Geburtstag, der – ganz erwachsen -auch ohne Feier zu einem normalen, aber sehr schönen Tag wurde. Und das Kleid, ja, das Kleid hat seine Versprechungen gehalten. Ich hatte bereits hier kurz meine neue Lieblingskulisse vorgestellt- am selben Abend entstanden auch diese Bilder. Es fühlte sich ein bisschen wie früher an, wie eine kleine Unregelmäßigkeit in meinen konzentrischen Tagträumen.

 

Published inKnipsenLeben

3 Comments

  1. wunderschöner Text und dazu wunderschöne passende Bilder.
    Ich finde mich darin ein bisschen wieder. :)
    Theresa

  2. Toll erzählt. Ich glaube, wir Frauen haben als junge Mädels doch alle so in den Tag hinein geträumt. Uns ein Leben als Prinzesschen vorgestellt und die kühnsten Abenteuer vorgestellt… ;-) LG, Steffi

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