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Barfuß durch Budapest [Teil 1: on a shoestring]

Hach! Wie schön war Budapest.
Ein paar Tage raus aus dem Alltag und rein ins Abenteuer. Ich habe so viel erlebt- mit allen Sinnen gelebt und unglaublich viele Gedanken, Eindrücke und Emotionen im Handgepäck zurück nach Hause genommen.
Deshalb werdet ihr hier demnächst auch einige Posts zu meiner Reise bekommen. Schade war, dass ich Ariane von Heldenwetter genau verpasst habe- sie war nämlich auch dort, ist aber direkt vor meiner Ankunft abgereist.
Aber dafür können wir uns mit unseren Reiseposts zusammentun und abwechseln ;)
Allerdings muss ich das erstmal alles gedanklich erneut durchkauen und verdauen- und bin am Wochenende schon wieder unterwegs…zum Slam auf das Festival „Wilde Möhre„.
Für euch gibt es heute deshalb erstmal eine kleine Einstimmung, ein paar Momente und Impressionen in Bild und Text.
1. Beim Ankommen denke ich:
Menschen, überall Menschen!“ 
Budapest ist laut und rundum groß. Die Straßen sind breiter, als ich es gewohnt bin und sind von majestätisch-gigantischen Altbauten gesäumt. Nach 10 Minuten Aufenthalt steht mein erster Eindruck fest – und verhärtet sich in den folgenden Tagen nur noch: Ich mag Budapest nicht nur, ich liebe es! Ich komme aus dem Gucken nicht mehr raus, die Fassaden der Häuser sind so schön, die Menschen wirken nett und gut gelaunt. 
Joar, is schon jut, wa?“, sagt Sophie trocken und schmunzelt. Arme Sophie, mit meinem Gestaune kaue ich ihr bestimmt ein Ohr ab. 
Da wir beide sehr clevere Füchse sind, umgehen wir die teuren Wechselstuben und heben direkt mit unseren Kreditkarten ungarische Forint für die nächsten Tage ab. 15 Minuten und einmal Nachdenken später guckt Sophie mich schief an: „Wir sind echt unglaublich clever. Nur das mit dem Mathe klappt nicht so wirklich.“ Stimmt genau- erster Fauxpas der Reise: Trotz des uns bekannten Wechselkurses (1 EUR = 315 HUF) haben wir die nach so viel klingenden 3000 Ft. abgehoben- was ganze 9,50€ sind. Das reicht nicht mal fürs Hostel. 
Die Kettenbrücke
2. Wie heißt der riesige Fluss…
doch gleich? Der hier„- Sophie tippt auf die spartanisch gehaltene Karte des Hostels- „mitten durch die Stadt geht?“ Ich lockere kurz meine Schultern und nehme die Klugscheißerhaltung ein- Bauch rein, Brust raus, Arm lässig um Sophies Schultern legen- dann sage ich mit schnöseliger Stimme „Der zweitgrößte und zweitlängste Fluss Europas! Die Donau. Sowas weiß man doch. Also ich wusste das zumindest schon vor der Grundschule. Aber du solltest das spätestens in der 9. Klasse in Geo gelernt haben. Ach und das da vorn ist die Kettenbrücke, die älteste und vermutlich bekannteste Brücke Budapests, 1849 fertiggestellt. Also nur, falls du das auch nicht wissen solltest.“ 
Auf diesen Moment habe ich die ganze Zeit gewartet. Als Sophie theatralisch mit den Augen dreht, schließe ich heimlich den Wikipedia-Tab auf meinem Handy. Auf einer Reise den Besserwisser raushängen lassen- das wollte ich schon immer. Fühlt sich aber nur halb so gut an, wie ich zunächst dachte, zumal ich zugegebenermaßen ja selbst völlig unwissend in Geografie und Geschichte und sowas bin. Deshalb bleibt das Handy für die nächsten Tage, Sophies Nerven zuliebe, die meiste Zeit in den Tiefen meines Rucksacks. Zum Glück nimmt Sophie meinen zweiten Fauxpas genauso locker, wie unseren ersten. 
 
Die Kolonnade beim Gellértdenkmal
3. Wir sind voll die Hippies…
und Hippie-sein ist soohoo cooohoool!„, trällere ich immer wieder wie ein Mantra vor mich hin, während wir bei schwülen 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit wie im Regenwald den Gellértberg besteigen. Sophie entledigte sich vor einer Stunde ihrer Sandalen, weil irgendwas am Zeh geschubbelt hat. Und weil ich das – wie die meisten Sachen, die Sophie macht- irgendwie ziemlich cool finde, ziehe auch ich meine sowieso störenden Flipflops aus. Der steinige Weg den Berg lang hoch ist allerdings barfüßig nicht ansatzweise so entspannt abzulaufen wie die asphaltierten Straßen. Aber jammern will ich nicht und als Sophie auf der ersten Ebene des Bergs- der Kolonnade- vorschlägt, doch noch bis ganz nach oben zur Freiheitsstatur zu gehen, nicke ich deshalb tapfer. Mir ist heiß, ich schwitze wie ein Walross, meine Füße tun weh… doch letztendlich wird der Aufstieg mit einer fantastischen Sicht auf ganz Budapest und einem angenehm kühlen Wind belohnt. 
„Die Flamme der Freiheit“ bei der Freiheitsstatur
4. Die Flamme der Freiheit…
habe ich auch in der Hand!„, denke ich, als ich mit meiner Mutter telefoniere. Sophie ist für kleine Globetrotter in einem dubiosen Imbiss verschwunden und ich nutze die Gunst der Stunde für ein telefonisches Lebenszeichen. Meine Mutter meint, ich würde unglaublich erholt und gut gelaunt klingen. Obwohl mir eben noch viel zu warm war, das Rucksacktragen genervt hat und ich nicht wusste, ob meine Füße -noch immer nackig, mittlerweile kohlrabenschwarz- vom heißen Asphalt oder einfach vom vielen Laufen so weh tun; obwohl ich also eigentlich mehr als genug zu jammern hätte, merke ich, dass meine Mutter Recht hat:
In meinem Bauch kribbelt es schon fast vor guter Laune, ich fühle mich frei, unabhängig, glücklich und tiefen-entspannt. Als dann meine Mutter am anderen Ende beginnt über alltägliche Sachen zu reden, merke ich, wie weit ich selbst vom Alltag entfernt bin – und, dass ich mich für die nächsten Tage von niemandem dorthin zurückholen lassen will. „Ja, das klingt ja echt toll, aber, du, ich glaub es wird jetzt doch zu teuer, lass mal telen, wenn ich zurück bin!“, würge ich sie ab und grinse in mich hinein. Sophie kommt mit einer Limo aus dem Imbiss zurück, grinst auch und gleichzeitig legen wir den Kopf schief und singen „Wir sind voll die Hippies und Hippie-sein…
5. Europe on a shoestring…
heißt der Reiseführer, den Sophie dabei hatte, als wir uns eine Woche vor dem Trip spontan für Budapest als Reiseziel entschieden. Intensiv dort reingeguckt haben wir nicht, aber der Titel des Buchs geht mir nicht, mehr aus dem Kopf. Nach einem langen Erkundungssonntag philosophiere ich auf dem Weg zum Hostel deshalb genau darüber. „Ich frag mich was shoestring sinngemäß ins Deutsche übersetzt heißt…“, steigt Sophie mit ein. 
Da wir nach kurz darauf feststellen, dass „low-budget“ auch englisch und „mit wenig Geld“ nicht direkt ins Deutsche übersetzt ist, tendiere ich zu „Europa auf einem Schnürsenkel“. Sophie ist froh, dass uns kein Passant versteht, sie bemerkt „was wir für dämliche Gesprächsthemen haben!“, bevor sie unser Hippie-Mantra singt. Ich fühle mich kreativ, weil mir „Barfuß durch Budapest“ als potentieller Buch-/Reiseführer-/Tagebuch-Titel ein- und gefällt. Philosophierend, singend, kreativ und barfuß kommen wir im Hostel an. Ohja, wir sind wirklich die cleveren Füchse vom Vortag. Das mit dem Fauxpas-Zählen hab ich schon längst hinter mich gelassen.
Meine liebenswerte Reisebegleiterin Sophie
6. Igitt, Tauben!
Ich hasse sie so dermaßen!“ sagt Sophie am nächsten Tag zum gefühlt hundertsten Mal, als eine besonders zerzauste knapp über unsere Köpfen hinweg segelt  und ein paar Meter weiter landet. Ich muss grinsen, wie ich das mittlerweile fast permanent tue. Dass ich Sophie sehr mag und das auch später auf dem Blog mitteilen muss, denke ich, während sie der armen Taube ein „ksssshhh!“ hinterherzischt, damit diese nicht erst auf die Idee kommt, den 3m- Sicherheitsabstand zu uns zu verringern. Ich mag Vögel sehr gern und finde es umso lustiger, dass sie Sophie ängstigen. 
Taubenhass ist auf unserer Reise so ihr Ding: sich über jede Taube, selbst die Toten, aufzuregen und sie anzuksssshhen. Mein Ding ist vermutlich der Barfuß in Budapest-Buchtitel: im Laufe der Tage entwickele ich auch Varianten wie „Being Barefoot in Budapest“ oder „Die Barfuß-Budapest-Blamage“, sowie Untertitel wie „Fernweh und andere Emotionen“. Sophie kann’s vermutlich nicht mehr hören, ihre halbherzigen Hm’s bestätigen das. 
Und unser Ding? Ganz klar und eindeutig: Barfüßige Hippies sein, mit Spaß, Freiheit und Unendlichkeit im Rucksack.
On the rooftops- Entspannen auf der Terrasse der  360 Bar
7. Die Limo ist genauso fantastisch wie…
die Aussicht!“ wundere ich herum, als wir in Liegestühlen auf der Dachterasse eines Altbaus- um genau zu sein einer Bar- sitzen und durch Gräser hindurch den Blick über Budapest schweifen lassen. Limonade scheint in Budapest unglaublich angesagt zu sein, überall gibt es sie in jeder erdenklichen Variante, immer „homemade“.
Fünf, zehn, zwanzig Minuten sitzen wir schweigend in der Abendsonne und betrachten die faszinierende Stadt. Ja, ich mag Budapest wirklich, denke ich.
Dass der Abend noch mehr bieten wird, dass wir Austalier, Brasilianer und Franzosen kennen lernen und bei einer Ruin-Bar Tour mitmachen werden, dass wir die Nacht zum Tag und das Glück nochmals multiplizieren werden, dass aus dem Mögen ein Lieben wird, dass ich mit einem Glassplitter im Fuß meine Strafe für die Barfüßigkeit und Sophie mit einem Muskelkater ihre Strafe fürs stundenlange Tanzen bekommt… all das schwebt uns noch nicht mal ansatzweise vor und dennoch ist es jetzt schon der schönste Tag seit langer Zeit.
Published inKnipsenLebenReisenSchreiben

3 Comments

  1. Echt schöner erster Bericht :) Und „Barfuß durch Budapest“ ist ein grandioser Titel! Die Limonade fand ich auch richtig super.

  2. Ich war selbst schon einmal in Budapest und fand es wirklich wunderschön. Leider ist das so ziemlich das einzige, was ich mir davon gemerkt habe, dass es wunderschön war. Oh, und das Budapest eigentlich aus Buda und Pest besteht. Joa. Ich glaube das sollte ich mal wieder auffrischen.
    Dafür freue ich mich schon auf den nächsten Reisepost und noch mehr Bilder! Das letzte Bild dieses Posts ist mein Liebling!!

  3. Meine wunderschöne Heimat! Es freut mich dass sich auch Touristen in Budapest verlieben!
    Falls du nochmal nach Budapest möchtest, hilft dir vielleicht mein kleiner Travelguide dabei?

    Liebste Grüße,
    Júdith Lu
    http://judithlu.blogspot.com
    judithluadventures.tumblr.com/

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