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Barfuß durch Budapest [Teil 2: Ruined Evening]

Der lange Sonntag neigt sich dem Ende zu. Sophie und ich checken in Tiger Tims Hostel ein. Sophies Stirnfalte bestätigt, was ich auch ich mir denke: “Hätten wir doch mal mehr geplant. Dann müssten wir nicht in dieser überteuerten Bruchbude unterkommen.” Das schöne Hostel von der vorherigen Nacht ist heute ausgebucht und wir sind genervt, jede Nacht die Unterkunft wechseln zu müssen. Wir betreten das 12 Bett Zimmer augenrollend, es ist schmutzig und riecht ein bisschen nach Schweiß. “Na Klasse, ey.“, stöhne ich.

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Na das wird bestimmt voll gut!“, sagt Sophie, als wir fünf Minuten später nochmal zum Abendessen in die Stadt gehen. Im Handgepäck haben wir eine Verabredung- mit Cameron, Nathan und Tim (kein Tiger), drei Australiern aus unserem 12-Bett Zimmer. Ruin Bar-Tour zu fünft kling wirklich vielversprechend.  Hätten wir mehr Struktur in unsere Reiseplanung gebracht, wäre uns diese Bekanntschaft und die Tour durch die drei Ruinenbars entgangen und die Betten hätten uns auch sicherlich vor sechs Uhr frühs zurück gehabt…


1. Halt: Fogasház

Any dentist around here?“, fragt Cameron zum Hundersten Mal vorbeigehende Passanten. Bis heute hab ich nicht verstanden, warum er nicht einfach nach dem Namen der Bar gefragt hat. Dass ein alter Zahnarzt irgendwo im Haus sein soll und man dort die Geräte ansehen kann, konnte ich nur anhand von Schildern wie “Dentist- no entry tonight” in Erfahrung bringen.

Aber was soll man auch beim Zahnarzt, wenn man in einem gigantischen Hinterhof eines heruntergekommenen Ruinenhauses und unter einer genauso riesigen Baumkrone voller Lichter sitzt und sich über Reisen, Budapest, Australien und Schokoladenkuchen unterhalten kann?

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Die Bar ist voll und laut, das ungarische Bier ist preiswert, ja fast schon billig, schmeckt aber auch nicht wirklich gut. Ich finde das umgekrempelte Zirkuszelt- oder was auch immer es darstellen soll- ziemlich cool. Sophie rempelt mich an, weil ich mich in das Gespräch einbringen soll, aber mein english versteckt sich schüchtern hinter meinem Pferdeschwanz, der australische Dialekt und die laute Geräuschkulisse fordern mir auch einiges ab.

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Wie man das in solchen Situationen so macht: ich bin eine gute Freundin, nicke Sophie aufmunternd zu und verschwinde erstmal auf der Toilette. Besser gesagt: ich suche diese erstmal zehn Minuten lang, denn zu der Bar gehört auch das Haus drum herum. Zwischen unverputzten Wänden und nackten Frauen entdecke ich dann noch etwas, das an Sanitäranlagen erinnert. Vor den zwei Türen sitzt eine Toilettenfrau mit einem übervollen Geldkorb und Klopapierrollen neben sich. Auf dem Rückweg zu den anderen verstehe ich auch warum: sie verkauft ernsthaft das Toilettenpapier, das einzige Stück Luxus des ganzen Ortes vermutlich. Ich bin ein bisschen stolz auf meine eigene Spießigkeit, die mich Desinfektionsmittel und Taschentücher einpacken ließ.

Fogasház
Website vom Fogasház

 

Wenn man von Budapests Nachtleben etwas erzählen möchte, kann und will man die Ruinenbars nicht aussparen. Wenns euch interessiert, hier und hier kommt ihr zu interessanten Seiten, wo die besten ruin pubs aufgelistet werden und Infos drum herum zu finden sind…

Wir erlebten an diesem Abend noch eine ganze Menge- denn, das war ja nur der 1. Zwischenstopp. Gegen 22 Uhr brachen wir dann weiter zu einem der bekanntesten ruin pubs, dem Szimpla, auf. Dort hatte ich sowohl die Erkenntnis, dass Sophie und ich eine wunderbare Orientierung haben und Bestimmerischer sein sollten, als auch, dass Barfuß laufen nachts doch nicht so praktisch ist. Dazu aber nächste Woche mehr…

Published inKnipsenLebenReisen

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