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[Short Stories #11] Musik deines Lebens

Ein, zwei Mal habe ich schon an dem interessanten Projekt von Bine und Andrea mitgewirkt- zuletzt im August zum Thema „Wer bist du?“ [hier kommt ihr zum dazugehörigen Post]. Diesen Monat riefen beide dazu auf, über die musikalischen Lebensbegleiter zu berichten:

Jeder kennt das: es läuft ein bestimmtes Lied im Radio und sofort muss man lächeln oder schmunzeln oder man wird vielleicht ein wenig traurig und melancholisch. Man erinnert sich. An eine besondere Situation, an ein schönes Ereignis, an eine unvergessene Party, an eine Schwärmerei,….!

Diesen Monat hat mich das Thema regelrecht angesprungen- sofort spulte ich im Kopf mein imaginäres Mixtape vor und zurück, in der Überlegung, welcher Song mir besonders etwas bedeutet, welcher regelrecht eine Geschichte erzählt. Doch heraus kam eigentlich nur ein klebriger Emotionsbrei, in den viele Songs fallen. Je nach Stimmung gibt es da Lieder, die ich selbst nach der 1000. Wiedergabe noch immer mit der gleichen Faszination höre.


Lieder, die Trost spenden

Die Welt draußen leuchtet in einem schmutzigen Grau-Gelb. So richtig hell ist es den ganzen Tag nicht geworden, es regnet. Ich sitze am Fenster und schlinge die Bettdecke enger um meinen Körper. Trotzdem wird mir nicht wärmer. Es ist einer dieser Tage, an denen man es mir nicht recht machen kann. Ich bin traurig und weiß nicht, warum. Ich bin wütend auf die Welt und weiß nicht, wieso. Ich bin wie ausgesaugt, als hätte ein Dementor alles Glück aus meinen Erinnerungen gelöscht. Ich weiß überhaupt nichts, außer, dass es halt gerade so ist und sich nicht ändern lässt. Und dann springt die Playlist einen Song weiter und innerhalb der ersten 3 Takte bin ich von der Musik hypnotisiert, noch in der ersten Strophe mit der Welt versöhnt, beim Refrain nicht mehr traurig, sondern zufrieden und am Ende des Lieds auf komplett andere Gedanken gekommen.

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The Shins: „New Slang“

Sascha Reske: „The Seasons Loneliest tree“

Radical Face: „Welcome Home, Son“


Lieder, die Flausen freisetzen

Draußen scheint die Sonne und ich sitze mal wieder am PC, muss irgendwas unwichtiges arbeiten und kriege Grummellaune, weil ich viel lieber draußen wäre. Ich verliere die Konzentration und beginne den Raum nach etwas abzusuchen, dass mir sagt: „Los, Los! Jetzt zack, zack ratzfatz fertig machen und dann Sachen schnappen, raus in die Sonne, Unfug treiben. Gerunzelte Stirn gegen Lachfalten austauschen, Laptop gegen Fahrrad, Arbeitsatmosphäre gegen frische Luft!“ Ich bleibe bei meinen roten Kopfhörern hängen, bei den CDs im Regal und finde genau das, was ich jetzt brauche.

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Modest Mouse: „Dramamine“

Placebo: „Black-Eyed“

Edwart Shape& The Magnetig Zeros: „40 Day Dream“


Lieder, die Bauchkribbeln enthalten

Die Welt ist mein Freund, ich will sie umarmen. Will durch die Luft springen, mindestens 10 Meter hoch. Eigentlich schwebe ich aber schon die ganze Zeit auf Dachkantenhöhe durch die plötzlich schönen Straßen meiner Stadt. Manche Menschen gucken skeptisch. Sie denken bestimmt, ich bin verrückt, wie ich grinsend und halb hüpfend an ihnen vorbei ziehe. Am liebsten würde ich sie an die Schultern packen, heftig durchschütteln und dabei euphorisch kreischen: „Ist das Leben nicht fantastisch?“ Aber da das dann selbst für mich einen Zacken zu scharf wäre, lasse ich mich in meiner Bauchkribbel-Euphorie immer in diesem einen Song fallen.

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The XX: „VCR“

Joy Division: „Love will tear us apart“

The Kooks: „Ooh La“


 Lieder, die Entfernung überbrücken

Manchmal in dunklen Abendstunden zuhause, manchmal mitten im lärmenden Menschenpulk einer Diskothek, manchmal im Zug, während Städte und Felder vor dem Fenster vorbei ziehen, manchmal mitten im Grünen, in völliger Einsamkeit: der Kontext könnte nicht unterschiedlicher sein und trotzdem packt mich dann ganz unvorhergesehen das Fernweh und hinterlässt einen bittersüßes Grummeln im Bauch. Dann möchte ich plötzlich ganz wo anders sein, möchte mich bewegen, weg, weg- dann will ich irgendwo hin, hauptsache ich bin nicht mehr hier an Raum und Zeit gebunden. Doch nicht immer kann ich einfach einen Flug buchen oder mich wegteleportieren. In dieser Auswegslosigkeit gibt es dann nur eine Notfallhilfe, die das akute Fernweh ein bisschen beruhigt und mich entspannt. Musik laut aufdrehen:

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Eddie Vedder: „Society“

BOY: „Drive Darling“

Elton John: „Rocketman“

José Gonzales: „Stay alive“

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