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Sonntagskolumne 19/14: Manchmal frage ich mich, warum…

…Schlaflosigkeit was schlechtes sein soll.

Manchmal, in den letzten Monaten immer häufiger, da finde ich keinen Schlaf, weil meine Ängste unter dem Bett hervor kriechen und hämisch lachend meine Zukunftsträumereien in den Schwitzkasten nehmen. Sie schreien vom Scheitern und ich sehe trotz der Dunkelheit in meinem Zimmer das unerbittliche Schwarz.

An den Morgen danach, bin ich wie ausgebrannt, leerer Kopf, statt Schlaf- nur Sorgenfalten im ganzen Gesicht, Null Motivation zu irgendwas. Dann muss ich mich zwingen, etwas zu machen, aber bekomme trotzdem nichts auf die Reihe. So beginnen die Tage, an denen dich das Bett eigentlich nicht verlassen hätte müssen, weil ich so unproduktiv bin.

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Neulich war ich zu Gast auf einer Glühweinparty und wurde mit meinen Ängsten konfrontiert. Ich hatte ein Gespräch, das mir die nächsten Nächte mit Grübeleien verdarb.

Er: “Ey! Du machst ja grad Kunst und so. Ist ja schön und gut so, aber was willst du später einmal machen?

Ich: “Naja Kunst?”

Er: “Schon klar, aber womit willst du dein Geld verdienen?”

Ich: “Kunst? Mit dem, was ich jetzt tue.”

Er: “Vom Schreiben zu leben ist aber schon eine krass romantische Vorstellung.”

Ich: “….”

Er: “Naja, wenn du meinst. Respekt, dass du so lebendige Tagträume hast.”

Von der Kunst zu leben, ist für viele Menschen eine romantische Vorstellung. Nur allzu oft sagt man mir, ich solle mir was anderes suchen. Etwas Bodenständiges. Man beschwört mein Scheitern herauf, sagt, dass ich das nicht packe, dass das zu schwer ist. Ich könne doch irgendwas mit Wirtschaft und Politik machen, dafür studiere ich das doch.

Solche Aussagen sind oftmals Schuld an durchwachten Nächten, in denen mich die Zukunftsangst aufzufressen droht. Doch dann frage ich mich, was wirklich eine romantische Vorstellung ist. Im stillen Kämmerlein ab und an ein Textchen schreiben und insgeheim darauf hoffen, dass man eines Tages von einem Verleger auf der Straße á la „DU siehst so aus, als würdest du Texte schreiben. Pass auf, ich machs kurz: Ich hab heute einen guten Tag und werde dich verlegen!“- das ist auch für mich eine romantische- oder vielleicht ehrlicher gesagt: vermessene –  Vorstellung. Klar sind da auch die Menschen, die an mich glauben und mir Mut machen. Aber was mich eigentlich zum Weitermachen bewegt, sind die durchwachten Nächte der anderen Art:

Manchmal, in den letzten Wochen immer häufiger, da finde ich keinen Schlaf, weil ich keinen Schlaf finden will. Ja, ich hab eine regelrechte Schlafabneigung entwickelt, habe Angst, im Schlaf etwas zu verpassen. “Was, schon 3 Uhr? Naja, noch eine Stunde weiter machen, es ist grad so schön. Morgen klingelt zwar 07:30 der Wecker, du muss zwar dasunddas tun und dortoderda hinfahren, aber völlig egal…“- sind meine Alltagsgedanken. Ich möchte nicht schlafen, weil mir das, was ich tue, so ungeheuren Spaß bereitet.

Klar ist es ein riskantes Unterfangen, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Aber die Prise Glück und Zufall steht auf meinem Schreibtisch immer griffbereit und mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass die Mischung Leidenschaft + Mut + Optimismus ein Hausrezept für alle Träume sein können. Und wenn ab und zu mal die Zweifel zu Besuch kommen, vergesse ich meine Gastfreundschaft nicht. Denn, wer weiß, vielleicht kann man aus den Steinen, die im Weg liegen, mit der richtigen Herangehensweise etwas wunderbares Basteln. Häuser sind schließlich aus Steinen, warum sollten das Luftschlösser nicht auch sein?

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Published inSchreibenSonntagskolumne

3 Comments

  1. Fabi Fabi

    Hät ich dein Talent, ich würds auch machen.
    Dein Weg ist der richtige :)

  2. Wenn du nicht für das kämpfst, was du wirklich willst, dann macht der Rest doch auch gar keinen Sinn, oder? Man lebt dann vor sind hin, ist unglücklich und weiß nichts mit sich anzufangen an der Arbeit oder sonst wo. Finde ich.
    Ich bin immer begeistert von deiner Schreibweise! Und das sind viele andere auch. Selbst wenn es nichts werden sollte und du es nur als “Hobby” weiter machst, dann kannst du es wenigstens behalten. Wenn du es aufgibst, hat es keinen Sinn mehr.
    Ich drücke dir die Daumen, dass du deinen Traum irgendwann leben kannst!

  3. Hey, gib bloß deine Träume nicht auf! Niemals! Und erst recht nicht für irgendwas “Anständiges”.
    Der letzte Absatz ist übrigens suuuperschön geschrieben.
    Ganz liebe Grüße
    Christiane

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