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#lostplaces : Leserspuren

Obwohl ich mit der Fotopräsentation meiner letzten Ruinenausflüge kaum hinterherkomme, haben sich in letzter Zeit viele von euch gemeldet und mir ein tolles Feedback zu den bisherigen Beiträgen der lostplaces Serie gegeben. Ich hatte mit einigen einen wunderbaren Austausch zur Wahrnehmung und Empfindung dieser Orte, außerdem sendeten mit obendrein zwei Leser dazu passende Gedichte. Da mir gerade dieser Austausch mit Lesern sehr am Herzen liegt und den Blog erst zu dem macht, was er ist, möchte ich euch heute zusätzlich zu den Fotos eben diese zwei Lesergedichte präsentieren.

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Die heutigen Fotos stammen auch von dem Bahnhofsgelände, das ihr bereits hier und hier virtuell erkunden könnt. Diesmal stöberte ich in einer Villa und einer kleinen Werkstatt nach Magie. Auf einen letzten Teil des Ortes könnt ihr euch noch freuen, dann wartet aber auch schon der nächste lostplace – [Achtung, Spoiler] eine riesengroße, verfallene Druckerei–  auf seine Präsentation.

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Mitten in der Nacht erreichte mich die geheimnisvolle Mail von Christoph- die nur ein Gedicht und ein Namenskürzel beinhaltete. Doch daraus entwickelte sich eine ganz spannende Mail-Diskussion, die mich zum Nachdenken angeregt hat, denn er hat einen völlig anderen Ansatz der Ruinenbegeisterung.

„Ich verbinde damit keinen Grusel, mag mir nicht vorstellen, was früher war, wenn ich solch einen Ort betrete. Für mich ist ein kaputter Ort in seiner Beschaffenheit interessant (…)“

Genauso interessant wie Christophs Sichtweise finde ich sein Gedicht- vielen Dank, dass ich es jetzt hier veröffentlichen darf! Weitere Texte von ihm findet ihr u.a. auf fixpoetry

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zu den ruinen und wie sie mir lieber reizvoll sind

attribut bergstadt

gebäude/gebrochen

du stehst noch

ohne zuwegung

zone ruhwegung

wächst was drüber

ein tribe pfad

abstand

anstatt vollkommnes

trag ich den durst

zur vollendung

 

nicht den Reiz

des Verfalls

an dich

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Philipp schrieb mir über meine facebook-fanpage. Auch er hat einen Blog namens Gewitterdämmerung, auf dem- von ihm selbst kurz und knapp formuliert- selbstgeschriebene „Poesie und Prosa über Welt- und Sonnenuntergänge“ veröffentlicht.

„Deine Ruinenfotos gefallen mir wirklich außerordentlich, sie erinnern mich an einen eigenen Text, den ich (…) zu diesem Thema geschrieben habe“

Vorhang auf für Philipps Gedicht- und auch ein herzliches Dankeschön an dich, dass ich das hier verwenden darf!

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Fabrik

Verblasste Wachstumsemissionen,
Vergilbter Werbespruch,
Verfaulte Fortschrittsillusionen
Und kein Chemiegeruch

Kein Kohlenruß, kein Staub in Lungen,
Nie wieder Smog-Alarm,
Kein Himmelgrau mit Feuerzungen,
Nichts stört den Taubenschwarm.

Rost nagt an alten Idealen,
Am Traum vom Menschheitswohl,
Am Berg der Arbeitslosenzahlen
Nur Strick und Alkohol.

Die Stadt vernagelt und verlassen,
Die Fenster schwarz und leer.
In abfallübersäten Gassen
Erblüht ein Blumenmeer.

 

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Vielleicht fühlt sich der ein- oder andere auch inspiriert- Gedichte, Nachrichten, Meinungen, Liebesbriefe, Rumgemosere: Immer her damit, Austausch ist wunderbar!

Published inKnipsenSchreiben

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