Zum Inhalt

22 Jahre und ein kurzer Blick zurück

Immer heißt es, wir sollen im Hier und Jetzt leben, den Blick nach vorne richten und nicht der Vergangenheit nachhängen. Doch an manchen Tagen finde ich es unglaublich wichtig, die Augen vom Horizont zu lösen, den starren Blick zu entspannen, innezuhalten und dann mit einer leichten Drehung auf das zu schauen, was hinter einem liegt. An Tagen wie beispielsweise Silvester. Oder eben am Geburtstag.

Dann suche ich mir einen ruhigen Moment und blicke etwas sentimental auf das letzte, wieder mal so schnell vergangene Jahr. 

Vor genau einem Jahr ging es mir nicht so gut. Ich bin an diesem Tag extra früh aufgestanden, um mir erst die Seele aus dem Leib zu joggen und dann schreibend und arbeitend den restlichen Tag in meinem Stammcafé zu verbringen. Nach feiern war mir nicht zumute. Mein Privatleben glich dem eingestürzten World-Trade Center; die Trümmer rauchten noch bis Anfang Oktober. Ich war von Zukunftsängsten und Selbstzweifeln geplagt und konnte mit viel Glück 3 Stunden in einer Nacht schlafen.

Von Mai bis November hatte ich gefühlt gar keine Freizeit, ich war völlig überarbeitet, wurde fahrig, unkonzentriert und konnte immer weniger schreiben. Erst als ich ab November über einen Monat lang krank war und mich von einer Erkältung in die nächste schleppte, kam ich zur Vernunft. Im Krankenhaus liegend hatte ich dann endlich eine Erkenntnis.

Ich habe einen Traum, für dessen Erfüllung ich alles tun will. Aber ich habe auch eine Grenze- und wenn ich die ignoriere, kann der Traum gar nicht in Erfüllung gehen.

Die letzten Monate waren voll von Reisen, Ideen, Kreativität und schönen Momenten mit wunderbaren Menschen. Heut habe ich noch immer Zukunftsängste und Selbstzweifel. Einmal pro Woche kriechen sie an mein Bett und fragen mich „Wirst du scheitern? Verrennst du dich gerade?“– aber das ist okay, das ist sogar gut. Immerhin kommen sie nur noch 1 Mal wöchentlich, lassen mich schlafen und lähmen nicht mehr so stark. Heute kann ich in ihnen das Gute sehen: mich wöchentlich zu fragen, ob ich noch auf dem Weg bin, den ich einschlagen will und ob mich dieser Weg glücklich macht.

imageIm vergangenen Jahr habe ich viele Menschen kennengelernt- darunter waren einige, die ich mir nun gar nicht mehr wegdenken kann und will. Meine Rastlosigkeit wurde zu Fernweh, Enttäuschung zu Gelassenheit, Unruhe zu Ehrgeiz. Ich bin zufriedener und freue mich wieder über jeden kleinen Schritt.

Wenn ich vor einem Jahr blind und orientierungslos durch ein Maisfeld geirrt bin und alles mitnahm, was ging, dann habe ich heute eine Straße gefunden, die zwar auch mitten durch das Feld geht, aber mich den Horizont sehen lässt.

Noch einmal seuzfe ich etwas verklärt und widme der Vergangenheit einen letzten, pathetischen Gedanken, dann ist der ruhige Moment vorbei und das nächste Lebensjahr kann beginnen.

 

Published inLeben

4 Comments

  1. Ich wünsche dir das aller beste, abenteuerlichste, guteste, fröhlichste für dein neues Lebensjahr. Und auf viele weitere Jahre mit Blüten Staub! xx

  2. Manchmal ist das so – und dann isses manchmal richtig doof.
    Wie schön, dass du für dich die Kurve gekriegt hast!
    Alles, alles Gute auf dem Weg durchs Maisfeld!
    Liebe Grüße
    Christiane

  3. Manchmal braucht man leider solche Zeiten, bevor man wirklich erkennt, wie man mit sich umgehen muss. Ich kann das total nachvollziehen und muss mich auch selbst oft erst dazu anstoßen, mich nicht zu überarbeiten, sondern mir etwas Gutes zu tun.
    Wie schön, dass du es geschafft hast und jetzt so unbeschwert ins neue Jahr gehen kannst :)

  4. Klingt so, als hätte dein letztes Jahr auch mein letztes Jahr sein können ;)
    Schön zu lesen, dass du im wahrsten Sinne des Wortes um die Kurve geschlittert bist, jetzt glücklich und ich wünsch dir, dass genauso viele tolle Momente in deinem neuen Lebensjahr auf dich warten!
    Alles Liebe,
    Kathi

Kommentar schreiben:

Close
%d Bloggern gefällt das: