Zum Inhalt

KATEGORIEN

Fuerteventura: Sommer, Sonne, Muttertier

Die Reise nach Fuerteventura liegt nun schon über einen Monat zurück und bisher habe ich mich bei jeglichen Details zurückgehalten. Während ich den gerade mal dreitägigen Aufenthalt in Prag in einem dreiteiligen Bericht ausweren konnte, wird es für die Woche in Fuerteventura nur diesen einzigen Beitrag geben. Die Ursachen dafür sind zahlreich, doch letzen Endes lassen sie sich immer wieder auf drei Hauptgründe zurückführen:

  1. Es gibt nicht viel Erzählenswertes.
  2. Es gibt nicht viele Fotos.
  3. Es gab eine eigentümliche Reisebegleitung: Das Muttertier.

IMG_2552

Schon Wochen vor der eigentlichen Reise war in meinem Freundeskreis der Plan, mit der Mutter in den Urlaub zu fahren, als „abenteuerliches Wagnis“ bezeichnet worden. Es wurden Wetten abgeschlossen, wie lange es dauern würde, bis die Fetzen fliegen.  Es wurde über familiäre Beziehungen philosophiert (Ist man mit Anfang zwanzig schon wieder alt genug, um entspannt mit Eltern zu verreisen? Oder erreicht man den Punkt überhaupt nochmal?) und zum Abschied wünschte man mir „viel Glück“.

IMG_2331

Der eigentliche Horror entpuppte sich in der Art der Reise, denn die Freude über das vom Muttertier bezahlte 5-Sterne-Hotel hielt nicht lang an. Bereits zum ersten Abendbuffet schwante mir das Unheil, das mir in den nächsten Tagen bevorstand. Mit der Geräuschkulisse einer Flugzeughalle präsentierte sich das Grauen: Dicke Männer in gemusterten Hemden, die sich das Essen meterhoch auf die Teller schaufelten; quengelnde Kinder am Nebentisch, Personal, das besser deutsch als englisch sprach. Kurzum die ganz normalen Sorgen einer Pauschalreise.

IMG_2501

Die Highlights der Reise lassen sich schnell auf die drei Erkundungstouren mit dem Mietwagen eingrenzen. Großzügigerweise überließ mir das Muttertier sämtliche Planung dieser Ausflüge, damit ich im Tausch dazu meine Einwilligung zu dieser fünf-Sterne-Klischeeunterkunft gab.

Es war, wie mit dem Teufel einen Packt einzugehen, denn trotz aller planungstechnischen Mühen meinerseits, konnte die Insel nicht viel bieten. Vom dritten Tag erwähnenswert sind lediglich die Piratenhöhlen von Ajuy (Bild oben), Tag zwei lasse ich lieber gänzlich unkommentiert. Lediglich der erste Ausflug mit dem Mietwagen war wirklich gelungen:

IMG_2330

Unsere Tour ging von Morro Jable aus zum südlichsten Punkt der Insel und dem Leuchtturm Faro Punta Jandía. Auf dem Weg dorthin wurden wir von der atemberaubenden Landschaft gefesselt. Fuerteventura ist nämlich keine grüne, wild bewachsene Insel, wie beispielsweise Grand Canaria, sondern das komplette Gegenteil: Als eine Mischung aus Mondlandschaft, Grand Canyon und Wüste wirkt sie vollkommen lebensfeindlich. Der Fakt, dass mittlerweile ein Großteil der Insel unter Naturschutz steht und deshalb nicht von Hotelbauten zerstört werden darf, beruhigte mich sehr.

IMG_2350

Der Hauptgrund für die geringe Fotoausbeute war übrigens das Wetter. Die meiste Zeit leistete uns nämlich der Calima Gesellschaft. Es handelt sich dabei um einen Sandsturm, der aus der nur 100km westlich gelegenen Sahara stammt und die Insel in ein grau-gelbes Licht taucht (Bild unten). Obwohl man nur ab und an heißen Wind (und keinen Sand) bemerkt, hinterlässt der Sturm auf sämtlichen Oberflächen einen feinen Sandschleier. Da ich weder Lust auf Weltuntergangsbilder noch auf eine zerkratzte Linse hatte, war ich beim Fotografieren recht zurückhaltend.

IMG_2495

Doch zurück zum Ausflug: Als wir schließlich den Leuchtturm erreichten, zog uns der schroffe Küstenstreifen magisch an. Wir kletterten dort fasziniert auf den Vulkanfelsen herum und entdeckten Salzwassergarnelen in einem mit Meerwasser gespeisten Tümpel (die sofort  zu Scharen ankamen und an einem Herumknabberten, wenn man Hand oder Fuß ins Wasser hielt). Die herandonnernden Wellen und die Garnelen stimmten das Muttertier ganz friedlich. „Wie unfassbar groß und schön die Welt doch ist.“, säuselte sie ehrfürchtig und ich nickte wissend.

IMG_2399

Das nächste Ziel war der im Nachhinein schönste Strand, der uns auf der Reise begegnet ist. Einzig die Fahrt dorthin war etwas mehr als abenteuerlich. Während die normalen Straßen in entlegenen Gebieten glatte Schotterpisten waren, schrie diese förmlich nach Festfahren. Doch als wir die Mischung aus Schlaglöchern, (Treib-)Sand, Felsbrocken, wurden wir mit einem einsamen, weißen Sandstrand beim Roque del Moro belohnt. Dass ich glatt vergessen habe, Fotos zu machen, beweist, wie schön der Strand gewesen sein muss.

IMG_2438

Letzter Halt war die Villa Winter bei Cofete, um die sich viele Spekulationen und Mysterien ranken. Von einem Deutschen Architekten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erbaut, steht die Villa mitten in der Einsamkeit, ein gutes Stück entfernt vom nächsten Ort, auf einer Anhöhe. Bis heute ist ihr damaliger Nutzen nicht geklärt, die fragwürdigen Aussagen in dem kurz vor Winters Tod geführten Interview geben genauso wenig Auskunft wie die schrägen Gegenstände vor Ort. IMG_2467

IMG_2462

Als die Urlaubswoche sich dem Ende neigte, konnten wir beide Abreise kaum erwarten. Wir waren nicht nur der klischeehaften Mit-Touristen überdrüssig, sondern hatten auch die Nase gestrichen voll von der kargen Landschaft, die uns zu Beginn noch so fasziniert hatte. Auch unsere Bäuche waren voll- vom Buffetessen. Doch obwohl es stellenweise eine schwierige Reise war, waren Muttertier und ich uns zumindest beim Fazit einig:

Fuerteventura ist schön, muss man mal gesehen haben. Aber nochmal will ich nicht hier her.

Und:

Nie wieder Pauschalreisen!

IMG_2340

Übrigens fand ich auf der Reise meine persönlichen Antworten zu den Spekulationen am Anfang des Posts: Ja und ja- aber es kommt definitiv auf die Art der Reise an. Zudem gab mal wieder meine Mitbewohnerin F. die beste Vorhersage ab und gewann die Wette mit der Aussage: „Gute drei Tage.“ Herzlichen Glückwunsch.

Published inKnipsenReisen
Close
%d Bloggern gefällt das: