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Planlos durch Prag (Tag 3)

Heute komme ich endlich zum dritten Teil der Prag-Serie. Im ersten Teil habe ich von der Ankunft in Prag, der planlosen Irrfahrt zum familiären Campingplatz und den ersten Eindrücken der Stadt berichtet. Im zweiten Teil geht es um die Prager Burg, einem Touristen-Schock und einige Pannen. Aber nun zum Abschluss die Erlebnisse und Eindrücke vom letzten Tag der Reise:


Nachts um drei werde ich vom Gewitter geweckt. Naja, so ganz stimmt das nicht. Freund weckt mich mit seiner hektischen „Ich mache das Zelt regendicht“-Aktion. Im Halbschlaf höre ich den Regen auf unsere dünnen Stoffwände prasseln und das Donnergrollen hält mich davon ab, wieder in den Tiefschlaf zu fallen. Die grellen Blitze sehe ich durch die geschlossenen Lider hindurch. Irgendwann gewinnt dann doch die Müdigkeit überhand und die Regentropfen wiegen mich in den Schlaf.

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Die nächtliche Schlafunterbrechung ist vermutlich der Grund, warum wir (ich) den halben Tag verschlafen haben und es zum letzten Tag nur Sonnenuntergangsbilder gibt. Da Freund, seines Zeichens begeistertet Sportler und Sport-Zuschauer, bei der Anreise entdeckt hat, dass am Wochenende direkt unterhalb von unserem Campingplatz ein Ruderwettkampf an der Moldau stattfindet, ist er bereits beim Aufstehen ganz hibbelig.

„Nur so ein Stündchen für das Finale um 13:30, bitteee!“ bettelt er mich an. Kurzzeitig meldet sich mein Alarmsystem: „Achtung, ein Kompromiss steht bevor!“ Doch ich muss gar nicht lang überlegen. Mein Interesse für einen Ruderwettkampf gleicht ungefähr dem für den täglichen Aktienkurs, doch der Gedanke, eine Stunde lang für mich allein sein und schreiben zu können, macht den Kompromiss zu einem Entgegenkommen. Als Freund pünktlich zurückkommt und urplötzlich noch Postkarten schreiben will, nutze ich die Zeit, um für ein paar Minuten mein Schlafdefizit auszugleichen.

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Aus ein paar Minuten werden zwei Stunden und zwei gescheiterte Weckversuche vom Freund. Erst gegen 18 Uhr, beim mittlerweile unsanft gewordenen Weckversuch Nummer 3, erwache ich verdutzt aus meinem Dornröschenschlaf. Das schlechte Gewissen redet mir Freund aus: „Hey, wir haben Urlaub, alles entspannt. Ist ja noch ne Weile hell. Selbst, wenn wir erst jetzt den Tag beginnen, haben wir nichts verloren.“

Gesagt, getan. Heutiges Ziel: Irgendwas im Grünen machen, vielleicht eine Moldau-Badestelle aufsuchen. Aber definitiv: irgendwas, wo keine Touristen sind. Immer entlang der Moldau fahren wir Richtung Süden, bis wir Žluté lázně (Das gelbe Bad) erreichen, laut Internet eine Rundum-Erholungsstätte für die Prager Working Class.

Als wir da sind, fällt mir auf, dass ich die Badesachen nicht eingesteckt habe. Dem FKK Baden im Ausland stehe ich aber eher kritisch gegenüber. „Halb so wild, ist eh zu kalt“, verteidigt Freund mich vor meinem Schuldbewusstsein. So wird der Badbesuch zum entspannten Herumliegen auf der Wiese, bis sich unsere Bäuche knurrend zu Wort melden.

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Nach zwei misslungenen Abendessen-Versuchen (das erste Restaurant war voll, im zweiten wurden wir einfach nicht bedient), landen wir schließlich im Café Lávka und gönnen uns nach den fettigen Speisen der vorherigen Tage einen üppigen Salat.

Der Tag endet im Bukowski, eine empfohlene, urige Bar, die auch im Viertel Zizkov ist. Dort sind wir mit Tim und seiner Freundin verabredet. Lustigerweise verdanken wir Instagram das Treffen- auf meinen Fotopost hin, verabredeten wir uns in den Kommentaren spontan für diesen Abend. Tim ist ein Musiker aus Magdeburg, der zufälligerweise auch gerade in Prag Urlaub macht. Beim Fachsimpeln über Kameras kann ich nicht viel zum Gespräch beitragen, doch als Tim dann eine Polaroid Kamera aus seiner Tasche zieht und ein tolles Erinnerungsbild schießt, bin ich hellauf begeistert. Ich trinke den dort empfohlenen White Russian (ist halt stilecht), während der letzte Abend mit Gesprächen über Zukunft, Philosophie und Gesellschaftskritik vorüberfliegt.

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Während die zwei anderen ihren Urlaub erst begonnen haben, müssen wir am nächsten Tag früh raus und erreichen trotz Verschlafen gerade noch so den Zug. Etwas melancholisch, doch mit einem Haufen voller Eindrücke beobachte ich vom Zugfenster aus die kleiner werdende Stadt. Prag ist bunt und vielseitig, schmutzig und überfüllt, grün und romantisch- vor allem aber eins: ein noch nicht vollends abgehaktes Kapitel.

Published inReisen

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