Zum Inhalt

#Californian travel notes: Aufgeschnappte Momente

Fast exakt seit einem Monat bin ich nun schon in Kalifornien. Ich war kurz oder auch länger in kleinen und auch großen Städten (von Süden nach Norden: Enchinitas, Los Angeles, Santa Maria, Carmel, Pacific Grove,  Monterey, Santa Cruz, Stanford, San José, Oakland, San Francisco, Berkeley, Sausalito und Tilburon – Heiheihei, beim Schreiben fällt mir selbst erst auf, das ich ganz schön rumgekommen bin) sowie in vier atemberaubend schönen Nationalparks (Yosemite, Big Sur, Julia Pfeiffer Burns, Point Reyes). Ich war in einer Schule, auf 6 Slamshows, hab in Hotsprings gebadet, eine 32km Wanderung durch die Wildnis mitgemacht, bin mit einer Französin für 24h nach Süden durchgebrannt und…..

So. So geht das nicht. Zu viel Input, zu wenig Platz. Der Kopf muss erst geordnet werden, was schwer fällt, wenn jeder Tag anders, aufregend und voller Abenteuer ist. Deshalb gibt es heute einige kleine Anekdoten aus unterschiedlichen Städten zu lesen, ungeordnet wie meine Gedanken:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Los Angeles

Als ich am letzten Abend in LA mit José den Sonnenuntergang vom Dach des Gebäudes bestaune und mit ihm rede, als würden wir uns schon seit Jahren kennen, fliegt ein Polizeihubschrauber über uns hinweg. “Weißt du, wie wir den hier nennen?” fragt José und zeichnet mit seinem Finger eine unsichtbare Linie in den Himmel, der der Hubschrauber zu folgen scheint.  “Ghettobird. Verstehst du?” Ich lache bitter. “Weil er immer zum Ghetto fliegt?” “Genau. Klingt für dich als Tourist doch bestimmt wie in einem schlechten Film, oder?”

IMG_5891

Santa Cruz

Es ist 20:30 und noch steht die Frage im Raum, wo die Nacht verbracht werden kann. Wir lassen die Frage erstmal da stehen, lassen uns durch Santa Cruz’ Straßen treiben und stranden schließlich in einer Bar. Beim Billardspielen lernen wir David kennen. In den Gedanken keimt Hoffnung auf – vielleicht hat David ja eine nette Couch? Charmant umgeht er unsere Frage nach günstigen Übernachtungsmöglichkeiten, indem er uns ein günstiges Hotel empfiehlt. Ende der Geschichte: Wir verbringen die Nacht im Auto, doch Davids Geschichte bleibt im Kopf. Ursprünglich kommt David aus Hawaii, vor einigen Monaten zog es ihn nach Santa Cruz, um sein Glück als Krabbenfischer zu versuchen. Doch das Leben hat anscheinend etwas anderes für ihn vorgesehen: Kaum kam er in Santa Cruz an, durften Krabben nicht mehr gefischt werden, weil die Meerestemperatur zu warm ist und sich deshalb irgendwelche für Menschen gefährliche Bakterien in den Krabben angesiedelt haben. “Ich versuche das Beste draus zu machen.”, sagt David und erzählt von seinem neuen Plan, Hochseilgarteninstructor zu werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Oakland

Einer der lustigsten Nachmittage in Kalifornien habe ich Asher zu verdanken. Kaum komme ich bei seinem Bruder Jamie an, bei dem ich für eine Woche wohnen werde, erzählt mir Asher aufgeregt von seiner großartigen Entdeckung. Da er meistens ordentlich viel Slang in seine Worte packt, verstehe ich oft nur die Hälfte von dem, was er sagt. Aber Schuld an seiner Aufregung scheint eindeutig das Buch “Secret Stairs: East Bay” von Charles Fleming. zu sein, mit dem er mir vor der Nase herumwedelt.  Ob ich Lust auf ein Abenteuer habe, fragt Asher und natürlich habe ich das. Keine 24 Stunden später irren wir durch Oaklands Straßen, einer Wegbeschreibung aus dem Buch folgend. Es fühlt sich an wie eine Schnitzeljagd, bloß ohne Schnitzel, aber dafür mit vielen Treppen und schönen alten Häusern. Im Buch stehen Dinge wie “Seht euch das wunderschöne, beige Haus No. 1176 an, die Veranda ist uralt” oder “An der Straßenecke findet ihr eine historische Markierung”. Die historische Markierung stammt von 1937 und ist ein Stempel im Asphalt. Irgendwann verirren wir uns, weil wir wohl die Wegbeschreibung nicht richtig gelesen haben, aber wenigstens umgehen wir so noch weitere, geheime und unglaublich anstrengende Treppen in den Hügeln von Oakland.

27

San José

Für eine Woche komme ich beim wunderbaren Mike McGee unter. Direkt am ersten Abend will ich meinem Abenteuerbegleiter den besten Duft der Welt (meinen Lieblingsduft), die Orangenblüte zeigen. Wir spazieren durch die Nachbarschaft, doch in der Abenddämmerung finde ich den Orangenbaum in der Parallelstraße nicht mehr wieder. Gerade als ich erklären will, wie wunderbar es riecht, kehrt mein Abenteuerbegleiter auf dem Hacken um und sucht mit einem “Woaah, was ist das denn?” und der Nase voran nach der Quelle dieses süßen Dufts. Und macht sie in dem riesigen Orangenbaum ausfindig. Wenige Tage später verliere ich übrigens die Lust, immer mit der Kamera unterwegs zu sein und reduziere das Fotografieren stark. Deshalb gibt es auch so gut wie kein passendes Foto zu den einzelnen Geschichten, denn schließlich lassen sich die schönen Momente ohne Kamera viel intensiver erleben.

28

Published inReisen

Schreibe den ersten Kommentar

Kommentar schreiben:

Close
%d Bloggern gefällt das: