Zum Inhalt

#Californian Travel Notes: Heimwehtag

Passend zum heutigen Thema, präsentiere ich ein paar wahllos geschossene Fotos von meinem Roadtrip durch Kalifornien, denn die wunderbare Landschaft, die man während des Fahrens zu sehen bekommt, kann nicht ansatzweise mit Worten wiedergegeben werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Manchmal gibt es auf Reisen Tage, an denen alles schief zu laufen scheint, sodass man sich nichts sehnlicher wünscht, als sich zuhause im eigenen Bett unter der Bettdecke zu verstecken.

Alles begann am Freitagabend, als ich spontan ins Kino ging und mir „Hail, Caesar!“ ansah. Der sehnlich erwartete Film von den Cohen Brüdern war sozusagen die erste Enttäuschung. Als ich dann mit dem Mietauto wieder in meine Straße einbog, waren fast sämtliche Parklücken am Straßenrand besetzt. „Zum Glück ist das Auto klein, kann ich mich hier so halb in diese Lücke reinquetschen.“ Dachte ich mir.  Nach dem Aussteigen sah ich, dass das hintere Ende meines Autos um ungefähr 20 cm in eine Ausfahrt ragte. „Wird schon passen.“, dachte ich mir und flüchtete aus dem strömenden Regen. Vor dem Einschlafen überlegte ich noch, einen Zettel ins Auto zu legen, dass, falls mein Auto wirklich die Einfahrt blockieren sollte, man mich anrufen könne – ich war ja nur 50m Luftline von ihm entfernt. Doch draußen goss es noch immer wie aus Eimern, die Wärme des Bettes sorgte dafür, dass dies mein letzter Gedanke war, bevor ich einschlief.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Am nächsten Morgen dann der Schock: Mein Auto ist weg!

Im ersten Moment dachte ich, dass es geklaut wurde. „Habe ich es gestern Nacht abgeschlossen? Ich weiß es nicht mehr…“ Panik stieg in mir auf. Ich versuchte mich zu beruhigen und ging nochmal ins Haus, um Luft zu holen und nicht vollkommen durchnässt zu werden, denn die Wolken verloren noch immer fröhlich auf Bindfäden aufgefädelte Regentropfen. 3 Mal Durchatmen später war mein Auto noch immer verschwunden, sodass ich kurzerhand bei den Nachbarn, die am nächsten an meinem Auto dran wohnten, klingelte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Beim dritten Haus öffnete endlich Roberta, eine ältere Dame. „Ja, mein Mann hat gesehen, dass es vor wenigen Stunden abgeschleppt wurde. Diese fürchterliche Nachbarin macht das ständig, sobald jemand nur einen Zentimeter ihrer Einfahrt blockiert, ruft diese alte Nebelkrähe die Polizei.“ Wie ein Häufchen Elend blieb ich vor Roberta stehen, keine Ahnung, was nun zu tun war, nur die Ahnung, dass es viel Geld kosten würde. „Ich war in den 70ern in Deutschland, in der Nähe von Frankfurt, als ich noch auf dem College war.“, versucht mich Roberta abzulenken. „Was mache ich denn jetzt?“

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Um die weitere Behördenodyssee kurz zu machen:

Ich rief bei der Polizei an, die mir sagten, wo mein Auto ist und dass ich zunächst von ihnen eine Genehmigung bekommen und eine Strafe zahlen müsse, um es dann vom Abschleppdienst abzuholen. Doch da es ein Mietwagen ist und ich nicht der Eigentümer sei, müsse ich zunächst von den Vermietern eine Vollmacht bekommen.

Und an dieser Stelle der Geschichte lernte ich etwas über wirkliche Hilfsbereitschaft in Kalifornien.

Roberta fuhr mit mir zu Alamo und half bei den Sprachschwierigkeiten (mein Englisch ist zwar gut, aber wenn es um Behördenkram geht, bin ich doch eher unsicher). Da die Polizei am Samstag bereits mittags schloss, mussten die nächsten Schritte auf den Sonntagmorgen vertagt werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Am nächsten Morgen hatte ich doppelt Glück, dass Roberta mich erneut fuhr und mir half, denn trotz der Vollmacht von Alamo akzeptierte die Polizei meinen deutschen Führerschein nicht, sodass Roberta statt meiner ein Formular ausfüllte und ihren kalifornischen Ausweis vorzeigte. Eine gefühlt ewige Autofahrt wieder konnte ich dann noch beim Abschleppdienst die Gebühren bezahlen und hatte endlich mein Auto wieder und war um 512$ leichter geworden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

…und doch ging der viel zu lange Heimwehtag nicht ganz so dunkel zu Ende, wie er angefangen hatte. Nicht nur, dass ich eine supercoole und hilfsbereite Roberta als Freundin gewonnen habe, obendrein brachte mich folgendes Telefongespräch endlich wieder zum Lachen:

Freund, daheim: “Patrik wird Vater!”

Ich, hier: “Oh Gott, irgendwie scheinen grad alle um uns herum mit dem Kinder kriegen an.”

Betretenes Schweigen an beiden Enden der Welt.

Freund, daheim: “Keine Panik, wir machen so nen Scheiß nicht.”

Ich, hier: “Einverstanden. Gut, dass wir das mit der Zukunft geklärt haben.”

Published inReisen

Ein Kommentar

  1. Sehr cooler Artikel und toller Schreibstil! Hast gleich einen Fan mehr :)
    Und die Hilfsbereitschaft der Amerikaner ist wirklich atemberaubend für uns Deutsche, die machen das einfach so und sind happy dabei! ♥
    Deine Bilder machen mir Fernweh. Wenn du mal einen Tag wieder ins kalte, verregnete Deutschland willst, können wir gerne tauschen. Oder einfach so mal drüber quatschen. hihi ♥

Kommentar schreiben:

Close
%d Bloggern gefällt das: