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Mut. Freiheit. Leidenschaft. [Vorgestellt: der formidabel Verlag]

Seit 2009 ist Sabrina Schauer auf den Spoken Word Bühnen des deutschsprachigen Raums beheimatet und aus der Poetry Slam Szene nicht mehr wegzudenken. Beim Herumstöbern auf ihrer gleichnamigen Website wird sehr schnell klar, dass ihr Herz für das Schreiben und alles, was damit zusammen hängt, schlägt. Die Hamburgerin ist Mitglied der Lesebühne Längs und Gloria und kann stolz auf eigene Werke und einige Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien zurückblicken.

“Das Schreiben ist die Konstante in meinem Leben, mein Anker, meine große Liebe – meine Leidenschaft.”

Sabrinas Werdegang ist beispielhaft für Literaturbegeisterte, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Mit ihrem jüngsten Unterfangen beweist Sabrina einmal mehr den Mut, ihre Träume umzusetzen und unterstreicht ihre Vision vom selbstbestimmten, unabhängigen Leben.

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Im März 2016 präsentierte sich der von Sabrina gegründete formidabel Verlag der Öffentlichkeit. Auf der Website stellt sich der Verlag mit Worten wie Mut, Freiheit und Leidenschaft; zwischen den Zeilen kommt Sabrinas gelebter Idealismus deutlich zum Ausdruck. Um einen gedanklichen Blick hinter die Kulissen zu werfen, beantwortete Sabrina mir für diesen Beitrag einige Fragen:


“Formidabel bedeutet nicht nur wundervoll, außergewöhnlich, erstaunlich, sondern auch grausig, fürchterlich (lat: formidabilis). […] Bücher sollten meiner Meinung nach dasselbe transportieren; die Liebe und unsere Ängste. Sie sollen uns berühren, das Fürchten lehren und uns unterhalten. ” 

 

In der Erklärung für die Namensgebung des Verlages ist von wundervoll und grausig die Rede. Obwohl mein Bauchgefühl dir spontan zustimmen will: Kannst du mir ein literarisches Beispiel geben, das diese Kriterien für dich erfüllt? 

Formidabel ist mein Lieblingswort, seit ich den Will Smith Film Sieben Leben gesehen habe. Da gibt es eine Szene, in der Emily Tim ihr Lieblingslied vorspielt mit der Textzeile „You are for me, for me, formidabel.“ Von da an war ich total gefesselt von diesem Wort. Als ich die Bedeutung herausfand, (…) wusste ich, dass es mein Wort ist. Kein anderes Wort, das ich kenne hat, hat im Laufe der Zeit eine Wandlung von einem Extrem ins andere gemacht und es beschreibt für mich das, wofür mein Verlag stehen soll: Mut, Freiheit, Leidenschaft. Es ist immer beides – wundervoll und grausig. (…) Außergewöhnliche Bücher tragen genau das in sich. Wenn man es runterbricht, sind Liebe und Angst laut der Psychologie die beiden Emotionen, nach denen der Mensch handelt, es ist das, was uns am meisten bewegt. Ein gutes, aktuelles Beispiel ist dafür ist Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre. Ein Buch, das sich wie eine Autobiografie liest, aber keine sein soll. Hier werden die Sehnsucht nach Liebe und die große Angst vor Verlust und Versagen wunderbar und auch noch unterhaltsam beschrieben. Ein Buch, das ich unbedingt verlegt hätte.

Was war in der Umsetzung deiner Idee die schwierigste Etappe bis zur „offiziellen“ Gründung des Verlages?

Die Entscheidung es zu tun. Ich glaube, so ist es bei vielen großen Vorhaben. Das Schwierigste ist, sich tatsächlich dafür zu entscheiden. Als das getan war, ging alles schnell und relativ einfach. Vielleicht hatte ich auch Glück, dass alles so reibungslos ging und vor allem, dass ich in den sechs Jahren Poetry Slam viele tolle Kontakte geknüpft hatte, die mir hilfreich zur Seite standen und immer noch stehen. Wie viel Unterstützung man bekommt, weiß man ja auch erst, wenn es soweit ist. Das ist nichts, was man planen kann und das ist es auch, was mich an der Verlagstätigkeit fasziniert: man weiß nie, wo die Reise hingeht, was für Überraschungen einen erwarten und welche Möglichkeiten sich plötzlich ergeben. Es ist ein Abenteuer.

Gibt es nicht schon genug Verlage? 

Gibt es nicht schon von allem genug? Und dennoch von vielem zu wenig? Es gibt unfassbar viele Bücher, CDs, Verlage, Modelabel und dennoch fehlt oft die Vielfalt. Diese Branchen funktionieren in Strömungen. Sobald etwas Erfolg hat, überschwemmt diese Richtung den Markt, bis er gesättigt ist, dann wird nach einer neuen, erfolgreichen Strömung Ausschau gehalten. Gute Beispiele dafür sind Twilight und 50 Shades of Grey. Danach gab es unfassbar viele Vampir- und BDSM Romane. Natürlich will man als Unternehmen Erfolg haben, aber ich finde es viel wichtiger, womit man Erfolg hat, nicht, dass man Erfolg hat. Das mag idealistisch sein, aber es gibt immer wieder Verlage, Selfpublisher und Bands, die beweisen, dass dieses Konzept funktioniert. Und sie sind es, die dafür sorgen, dass die Medienlandschaft ein bunter Strauß Blumen ist.

“Ich glaube an eine Welt, in der Menschen ihre Leidenschaft leben, mutig sind und ihren eigenen Weg gehen. Das ist für mich wahres Glück.”

„Mut“ ist in deiner Interpretation „Selbstvertrauen“; die Motivation, seine Wünsche in die Tat umzusetzen. Gab es Situationen in deinem Leben, in denen du dir mehr Mut gewünscht hättest?

Jens_Henkenius_Hohe AuflösungImmer! Den Mutigen gehört die Welt, heißt es ja so schön und es ist wahr. Um beim Beispiel Benjamin von Stuckrad-Barre zu bleiben, so beschreibt er in Panikherz den Weg vom kleinen Jungen, der ein großer Star wurde und das nur, weil er mutig war, sich keine Gedanken darüber gemacht hat, was andere denken und wenn doch, dann hat es ihn trotzdem nicht aufgehalten, er hat seine Grenzen immer wieder überwunden, herausgefunden, wie er Aufmerksamkeit generieren konnte und hat sich immer alles getraut. Und so sollte Leben funktionieren. Keine Angst zu haben seine Ideen umzusetzen, seine Ziele zu verfolgen, ein Leben, eine Welt zu erschaffen, in der man selbst glücklich ist.

Oft ist es aber ein langer Weg bis man an diesen Punkt gelangt, manche Menschen vielleicht nie. Es ist ein Entwicklungsprozess, der Zeit braucht. Ich wäre z.B. gern auf der Bühne schon viel früher mutiger gewesen, häufiger bereit neue Texte auszuprobieren, mehr mit dem Publikum zu kommunizieren, einfach mehr ich selbst sein. Aber das Gute ist, dass einem nichts verloren geht. Wir bekommen immer wieder neue Chancen uns zu verändern. Und darum geht es bei Mut: um die Veränderung in der Zukunft und nicht um die Reue in der Vergangenheit.

Welche Voraussetzungen muss ein Buch erfüllen, um bei deinem Verlag veröffentlicht zu werden?

Mir geht es nicht nur ums Buch, sondern auch um dem Autor. Wichtig ist, dass er vom Menschlichen her zu mir beziehungsweise zu allen anderen mitwirkenden Autoren und Menschen passt. Der zentrale Gedanke ist, etwas Neues zu machen, mutig zu sein und die Unabhängigkeit zu wollen, die ein Kleinverlag mit sich bringt. Sich in dieser Hinsicht auch darüber im Klaren zu sein, dass Selbstmarketing heutzutage ein wichtiges Instrument für einen Autor ist, z.B. Kontakt zu den Lesern halten, sich als Autor zu präsentieren/inszenieren. Wichtig ist ein eigener Stil, eine Geschichte, die erzählt werden muss, gern originell, und dass man die Leidenschaft auf jeder Seite fühlen kann. Es geht darum Spaß zu haben und Bücher herzustellen, die vielleicht in großen Verlagen ihren Platz nicht finden, weil sie vielleicht zu anders oder eben nicht Mainstream sind.

Ich bin ein großer Fan der Popliteratur, die Mitte der 90er ihre Blütezeit hatte. Ich wünschte diese Zeit würde jetzt stattfinden. Ein Freund meinte letztens zu mir, wahrscheinlich werden in 20 Jahren Menschen sagen: “Damals zur Poetry Slam Blütezeit wäre ich gern dabei gewesen”. Wir haben im Moment eine Bewegung, die der Popliteraturbewegung nicht unähnlich ist. Zurzeit hat sie mehr den unterhaltenden Aspekt, als die Dekonstruktionsästhetik, aber ich glaube, dass es da draußen Bücher gibt, die beides vereinen und nur darauf warten verlegt zu werden. Und ich würde mir wünschen, dass der formidabel Verlag eine Art Begegnungsstätte für Autoren und Lesende wird, die meine Leidenschaft für diese Art von Literatur teilen.

Wie geht es in der nächsten Zeit für den Verlag weiter? 

Die Schlagworte für die nächsten zwei, drei Jahre sind wohl Orientierung, Entwicklung und Festigung. Als erstes muss ein Fundament geschaffen werden. Zurzeit bin ich mit dem Marketing für das Buch „Schrei“ von Daniel Schulz beschäftigt. Danach möchte ich mein Buch Löffelweise Alltagsscheiße neu auflegen, das Hörbuch dazu ist gerade in Arbeit. Als nächstes mein neues Buch Kommunikation ist nur die erste Hürde auf dem Weg zum Sex und dann stehen noch drei weitere Projekte von Autoren an, auf die ich mich schon sehr freue. Ich denke, dieses Jahr bin ich ganz gut beschäftigt.

Vielen Dank für das Interview, liebe Sabrina. Das Schlusswort gebührt dir, möchtest du noch etwas loswerden?

Ich wünsche jedem Mut, sein Ding zu machen, sein Leben zu leben, frei und unabhängig zu sein und seine Leidenschaft leben zu können. Ganz nach dem Motto des formidabel Verlags Mut. Freiheit. Leidenschaft.

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