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Monatsrückblick 04/16

April, April, ich mach ja sowieso, was ich will. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, nach meiner Rückkehr aus Kalifornien eine Slampause einzulegen, um all die anderen Dinge, die sich als miefender Berg Arbeit auf meinem Schreibtisch anhäufen, entspannt und stressfrei erledigen zu können. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, in der neu gewonnenen Zeit überwiegend meine Bachelorarbeit zu tippen. Eigentlich wollte ich nie wieder eigentlich sagen. 

Monatsstimmung als Bild

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The 9/11 slamtour

Trotz all der guten Vorsätze, lief es diesen Monat sehr schlecht mit meiner Slamabstinenz. Elf Abende verbrachte ich im April auf und hinter einer Bühne, neun davon wurden mit Poetry Slams ausgefüllt. Wäre ich ein Anhänger von Verschwörungstheorien, würde ich den April also als mein persönliches 9/11  betrachten. Bin ich aber nicht, zum Glück.

Wo wir gerade beim Glück sind, muss ich feststellen, dass ich mich gerade eigentlich über nichts aufregen kann. Wahrscheinlich liegt es an den Frühlingsgefühlen, dass ich schon halb vergessen habe, bibbernd durch Franken mit einer Sommerjacke zu laufen, während der Schnee fiel. Vielleicht lag es auch an den leckeren Brezeln, die es in Nürnberg gab. Jedenfalls ist einziges Problem nur noch, dass der Tag nur vierundzwanzig Stunden hat und mich dazu nötigt, zwischen all den großartigen Dingen, die erledigt werden müssen, Prioritäten zu setzen und auf eine Sache zu konzentrieren. Entscheidungen waren schon immer nicht meine Sache, stattdessen jammere ich lieber rum, das ich mich nicht entscheiden kann. Löst zwar nicht das Problem, aber wenn es einem zu gut zu gehen scheint, hat man wenigstens so etwas zum Jammern.

Lieblingsfoto (abendliches Scrabble über Halle’s Dächern)

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Slamtext(e) des Monats

Meine Tour endete in Schweinfurt, wo mich der schönste Slam seit langer Zeit erwarten sollte. Es handelte sich nicht um einen gewöhnlichen Slam, sondern um einen Jazz-Slam. In diesem Format werden die Slammer von Musikern begleitet, die größtenteils zu dem Gesagten improvisieren. Vorab konnte man in fünf Minuten ungefähre Vorstellungen und die Stimmung des Textes äußern und eventuelle Stimmungswechsel mit Handzeichen absprechen. Auf der Bühne bewiesen die Musiker, dass sie ihre Instrumente – Flügel, Kontrabass und Saxophon – perfekt beherrschten und aufmerksam jede Nuance eines Textes in ihre Musik einfließen ließen. Doch natürlich war nicht nur die Musik erwähnenswert, auch die Texte der anderen Poeten hinterließen bei mir eine euphorische Rührung und ein glänzendes Paar Augen. Zum Beispiel Pauline Fügs Text  „Die Welt ist ein Nachtfalter“ , der aus dem Moment zum Ende einer Party, wenn das Licht angeht und man eigentlich nach Hause gehen sollte, melancholische, feinfühlige Poesie macht. „Wir drängen uns um die Spiegelkugel in den Clubs, die all unser Leuchten reflektieren, das wir stolz in der Iris tragen, bis alles verläuft. Bis wir uns verlaufen haben.“

Unbeachteter Schnappschuss: Vergessener Trabbi in ehem. Russenkaserne

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 Diesen Monat…

…Gehört:
…Gelesen:
Wir kommen“ von Ronja von Rönne.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson
…Gedacht: 
…Geschafft:
Trotz Sommerjacke bei Minusgraden gesund bleiben.
Geärgert: 
Über mangelnde Konsequenz.
…Gefreut:
Über zahlreiches Feedback zu meinen Slamtexten und die fantastischen Musiker beim Jazz-Slam in Schweinfurth.
…Gelernt: 
Auf Tour im April nie wieder die Winterjacke vergessen!

Linktipps des Monats:

  • Carolina von Foxes & Faries hat es geschafft, dass allein vom Lesen des Posts „Frühling in Prag“ Schmetterlinge im Bauch herumflattern.  „Heimat ist der Geruch von Zwetschgenkuchen. Mit Hefeteig. Von Oma. Denn das ist der Beste. Selbst wenn er es nicht ist, dann ist er es doch.“ Zu den wie immer tollen Fotos  gesellt sich eine Liebeserklärung an Orte, Menschen und Erinnerungen, die ohne Kitsch und Schnörkel ein plastisches Bild von Heimat und ein Lächeln auf den Lippen des Lesers kreiert.
  • Über die Generation „beziehungsunfähig“ hat sich Annika auf ihrem Blog „Ani denkt“ auf lesenswerte Art ausgelassen. „Hört auf, euch den Stempel „beziehungsunfähig“ aufzudrücken“ ist nicht nur eine genervte Meinungsäußerung, sondern ein interessanter Gedankengang mit dem Ergebnis, dass dieses Wort eine lahme Ausrede für schon lange existierende Probleme ist. „So eine kleine Welt zu bauen, in der wir dann für alle Zeit sitzen und für die komplizierte Problematik eine sehr schlichte Antwort parat haben, ist bequem.“
  • Svenja Gräfen hat sich in ihrer April-Kolumne auf kleinerdrei mit dem Gendern der deutschen Sprache beschäftigt. In „Von Sternen und Unterstrichen“ zählt sie fünf Gründe auf, warum sprachliches Gendern von großer Bedeutung für sie sind. Schreiben kann Svenja gut, das wusste ich schon vor der Kolumne. Dass sie auch argumentieren kann, hat sie jetzt auch bewiesen. Besonders gelungen finde ich ihre Begründung für die bevorzugte Verwendung von Unterstrichen und Sternen im Vergleich zu anderen Gendervarianten.
  • Die Linksammlung vom April und den vorherigen Monatsrückblicken könnt ihr übrigens auch auf meinem Bloglovin-Profil unter „review“ finden.

 Instagram-Favorit

Zitat des Monats:

„Ich bin überhaupt nicht unfreundlich.
Ich verpacke nur manchmal lieb gemeinte Aussagen in fiesen Worten.
So macht man das in Ostdeutschland.“
 
Published inLeben

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