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Tschüss Halle, hallo Hypezig!

In exakt einer Woche werde ich der Stadt, die in den letzten fünf Jahren mein Zuhause war, den Rücken zukehren. In exakt einer Woche ziehe ich nach Leipzig. Höchste Zeit, um Tschüss zu sagen.

Tschüss WG Leben und WG Zimmer.

Die letzten zwei Jahre habe ich hier gewohnt, mich in den Dielenboden und die bröckeligen Altbauwände verliebt, auf dem Gasherd Popcorn gemacht, mit Mitbewohnern getrunken, geraucht, gekocht, gefeiert und gequatscht und viele Stunden glücklich verbracht. Ich bin durch die Räume getanzt, habe manchmal geputzt, meistens den Abwasch ignoriert, kam von Reisen wohlbehalten und mit etwas Heimweh zurück und habe es mir stundenlang mit einem guten Buch gemütlich gemacht.

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Tschüss August-Bebel-Platz

Die Givebox auf dem Foto hat mir schon so manches Geschenk bereitet, wurde im Gegenzug auch oft von mir gefüttert. Auf der Wiese am Springbrunnen habe ich oft mit Freunden gesessen. In unmittelbarer Nähe befindet sich mein Stammcafé, das geliebte Fräulein August, wo der Café schmeckt und sich die Texte fast von selbst schreiben.

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Tschüss Ludwig-Wucherer-Straße

Alles, was nicht nah am August-Bebel-Platz ist, konnte ich hier finden. Zum Beispiel den 24h-Edeka. Direkt gegenüber ist das vegane Fast-Food-Restaurant, in das ich nicht mehr gehe, weil nach drei Minuten Aufenthalt im Geschäft die Kleidung nach Fritteuse riecht. Auch zu finden: verrauchte Spelunken, die eine Alternative zu überfüllten Abenden im Stammcafé boten. Und natürlich die Porno-Uhr, auf der seit etlichen Jahren Werbung für einen FKK-Club in Leipzig gemacht wird. Vielleicht werde ich mal dort hingehen, wenn ich in Leipzig wohne, einfach aus nostalgischen Gründen. Und wenn ich die blonde Frau vom Plakat treffen sollte, erzähle ich ihr, dass man in Halle sich schon seit etlichen Jahren über ihre Werbeanzeige lustig macht.

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Tschüss Freiraumgalerie, Saale und Grünflächen.

Einer der schönsten Orte der Stadt ist und bleibt für mich die Freiraumgalerie. Nicht umsonst habe ich einige Posts mit haufenweise Bildern verfasst (hier oder hier). Auch die grünen Stellen sind schön, die Peißnitz oder die Klausberge oder der Galgenberg oder die Rabeninsel. Das Baden am zentralen Saalestrand in der Saale war im Sommer immer eine Erfrischung, auch, wenn man eine latente Angst vor einer Schwermetallvergiftung dabei hatte. Gerade in diesem Jahr habe ich mich sehr oft gegen die Strömung abgekämpft und zum Sonnenuntergang am Ufer Wein getrunken und Scrabble gespielt.

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Tschüss, Meiner und Meine.

Es gibt so viele Ecken, die Halle zu einer bunten, schönen, grünen Stadt machen. Aber nach fünf Jahren kennt man diese Ecken besser als die Wollmäuse unter dem eigenen Bett. Nirgends kann man hingehen, ohne auf bekannte Gesichter zu treffen. Halle ist ein großes Dorf und das ist schön. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem das Dorf nicht mehr ausreicht. Viele Türen stehen hier offen, doch wenn man durch jede Tür schon gespäht hat, wird man nur noch selten überrascht. Zeit für einen Tapetenwechsel. Und so weit weg geht es ja auch nicht, um jetzt sentimental zu werden.

Published inKnipsenLebenSchreiben

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