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Monatsrückblick 10/16

Der erste Monat in einer neuen Stadt ist vorbei. Wenn man bedenkt, dass ich zwischendurch eine Woche auf den U20 Meisterschaften in Magdeburg verbracht habe, für Shows ein paar Tage in Halle und in Dresden war, bleibt von dem Lebensgefühl in Leipzig nicht viel übrig… 

Monatsstimmung als Bild

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Dreist muss man sein (I)

Es ist 23 Uhr und wir lassen uns durch die Straßen meiner alten Stadt treiben. Mit wir meine ich die LesebühneDie Satzinsel, nach einem schönen Abend unter Publikum ist es Tradition, dass wir uns planlos durch die Straßen treiben lassen, um dann doch wie immer im guten alten Stammcafé unser Aftershow-Bier zu trinken. Kurz nach der Ankunft grinst mich V. an und nickt zum Kellner am Tresen.

Irgendein Abend früher, vielleicht vor einem Jahr, vielleicht vor einem halben, saßen wir aus gleichem Anlass am gleichen Ort und der Kellner war noch nicht lange dort angestellt. Er kannte mich schon als Tresenautorin und als er uns bedienen wollte, schlug ich ihm vor, uns eine Runde „Gisela“ (Wodka mit Limejuice) auszugeben. „Das ist Tradition nach unserer Lesebühne„, behauptete ich und verwies auf den Chef, den er ja gerne fragen könne, wenn er mir nicht glaube. Er glaubte mir aber und wir bekamen unsere Freigetränke. Dreist muss man sein, war damals die Lehre aus der Aktion.

„Na, willst du es wieder versuchen?“, fragt V. verschmitzt. Ich mache ein vielsagendes Gesicht und warte auf den richtigen Moment, obwohl ich glaube, dass der Kellner aus seinen Fehlern lernt.

Lieblingsfoto (Weronika bei der Eröffnungsshow in der Johanniskirche)

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Dreist muss man sein (II)

Zehn Minuten und eine Zigarette später kommt der Kellner mit unseren Getränken und verteilt diese stumm, während wir eine hitzige Debatte führen. Es ist alles sehr politisch, viele Haare werden gerauft, Argumente dafür prallen direkt über der Blumenvase auf die Gegenargumente, ein Ende ist noch lange nciht in Sicht. Doch dann macht der Kellner einen entscheidenden Fehler: Er fühlt sich angesprochen.

Kellner: „Was?“

Wir halten inne, alle Augen richten sich auf ihn. Ich: „Es geht gerade um bedingungsloses Grundeinkommen. Bist du eher dafür oder eher dagegen?“ Der Kellner merkt, dass er nicht angesprochen wurde, jetzt aber wegen seiner Frage mitten in einem unbequemen Gespräch steckt. „Ähhh“– so klingt sein Versuch, einer Antwort zu entkommen und sich etwas Zeit zu verschaffen.

„Wollt ihr nicht einfach … ohne mich weiterdiskutieren?“

Aus drei Mündern kommt gleichzeitig ein keckes „Nö“, Schweißperlen glitzern auf der Stirn des Kellners. Er tut mir Leid, gleichzeitig sehe ich meine Chance kommen.

„Ähh…. willst du nicht einfach … einen Schnaps ausgeben?“

Er grinst, denn er erinnert sich an die Situation von irgendwann davor. Rückwärts geht er zum Tresen, um vor dem Gespräch auch wirklich sicher zu sein und sagt nur „Gisela, wie sonst auch? Ich habe schon fast darauf gewartet.“ Dreist muss man sein, denke ich.

Unbeachteter Schnappschuss: Orgatalk beim U20- Copyright Tobias Heyel

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 Diesen Monat…

…Gelesen:
„Für den Rest des Lebens“ von Zeruya Shalev

…Gedacht: 
…Geschafft:
 Erneut von Harry Potter Filmen süchtig zu werden.
Geärgert: 
Dass es gerade nach dem Umzug wahnsinnig viel regnen musste.
…Gefreut:
1 Woche lang Wiedersehen und Kennenlernen von großartigen Menschen beim U20 Slam
…Gelernt: 
Jeder ist mal unmoralisch.
…Gehört:

Linktipps des Monats:

  • In dem persönlichen Post von Fräulein Anker konnte ich mich in diesem Monat wiederentdecken. Es geht um den „Reisekater„, also die unbehagliche Unruhe, die man nach der Rückkehr von einer Reise verspürt. „Als ob es imaginär schon am Flughafen mit einem großen Namensschild auf mich gewartet hätte, machte es sich nach der letzten Reise in meinem Körper breit.“ Mit schlichten Worten und ein paar stimmungsvollen Beschreibungen hat sie dabei einen Nerv getroffen, weshalb ich euch nahelege, diesen kurzen Post von ihr zu lesen.
  • Einige Fotobeiträge von der letzten Reise gab es in diesem Monat auf The smoker caterpillar zu lesen. Besonders gefallen hat mir dabei „Mallorca. Where Monica and Violeta live“, denn entgegen der erwartbaren Urlaubsbilder von Mallorca fand ich dort eine interessante Zusammenstellung von kleinen Details in einer Finka. Etwas magisches haben die Bilder, gefällt mir!
  • Mitte Oktober hat mich Lina Mallon mit ihrer Twentysomething Column mal wieder umgehauen. Es geht um Küsse, nicht irgendwelche, sondern um die vielleicht besten Küsse ihres Lebens. Athmosphäre ist da, man knabbert an den Fingernägeln beim Lesen, man denkt an seine besten Küsse…. Lesenswert!
  • Laura von Herz an Hirn war in diesem Monat als Entdeckerin unterwegs. In ihrem Post zeigt sie die Beelitz Heilstätten im Fläming, verlassene Ruinen, die mein Abenteurerherz beim Lesen und Ansehen der Bilder gleich mal höher schlagen ließen. Der Post ist informativ, stimmungsvoll und die Bilder sprechen oftmals für sich.
  • Die Linksammlung vom Oktober und den vorherigen Monatsrückblicken könnt ihr übrigens auch auf meinem Bloglovin-Profil unter „review“ finden.

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Zitat des Monats:

Ich: „Und, du bist also ein Marxist. Was bin ich denn dann, so politisch gesehen?“
Marxist: „Ein Oktopus“
 
Published inLeben

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