Zum Inhalt

Mein Wort für 2017

In den letzten Wochen nervte mich vor allem ein Satz im Repertoire des Smalltalk: “Und, welche Vorsätze hast du so für 2017?” Nach drei solchen Momenten lag es mir auf der Zunge, meinem Gegenüber ein “Den Kontakt zu Leuten, die solche Fragen stellen, abzubrechen” entgegen zu feuern. Hab ich dann aber doch nur gedanklich gemacht, mich kurz gefreut und dann davon erzählt, dass ich, genau wie letztes Jahr, mir ein Wort des Jahres geben werde.

Die schöne Erklärung dazu habe ich bereits letztes Jahr gegeben. Wer zu faul ist auf den Link zu klicken, den ich zu diesem Zeitpunkt schon zwei Mal gesetzt habe – hier das überarbeitete Best-Of:

Ich finde Vorsätze dumm. Dennoch kann ich das Gefühl eines Neuanfangs nicht ignorieren, das mich zum Jahresbeginn packt. Als würde ich ein unbeschriebenes Blatt Papier vor mir haben und diesem mit meinen Worten eine Seele einhauchen. Je nachdem, welchen Stift ich verwende und wie ich schreibe, welche Worte ich wähle und wie lange ich an der Formulierung überlege, davon hängt die Seele des Papiers ab. Ein Jahresanfang ist vielleicht der Zeitpunkt, um über die zurückliegenden Monate nachzudenken und einen geheimen Schlachtplan für die Seele des kommenden Jahres zu erstellen.

In diesem Zusammenhang erzählte mir Claire im letzten Jahr von einer wunderbaren Idee, die ich euch nicht vorenthalten will:

Das Jahr unter das Motto eines Wortes stellen

Es geht um eine instinktive Entscheidung für ein Wort, an das man sich im kommenden Jahr immer wieder erinnert. Auf das man im besten Fall seine Handlungen und Ziele auslegt.

 Letztes Jahr war mein Wort wild.

Wort des Jahres 2016: WILD.

“Wild, das ist jemand, der immer auf sein Bauchgefühl hört. Jemand, der sich selbst kennt und treu ist, der das verfolgt, was er sich in den Kopf gesetzt hat. Jemand, der sich nicht vom Alltag unterkriegen lässt und seinem Herz folgt. Jemand, der seinen Ängsten mit gefletschten Zähnen gegenüber tritt und als einzige Grenze den Horizont hat.

Wild – das ist Abenteuer, Freiheit und Furchtlosigkeit.”

Das habe ich Anfang 2016 als meine eigene Definition geschrieben. Rückblickend gesehen beschreibt es das vergangene Jahr wunderbar. Krass in Kalifornien gewesen und abenteuerliche Autogeschichten erlebt; meinem Herz gefolgt und die Bachelorarbeit auf die lange Bank geschoben; das Journalistendasein ausprobiert; in eine andere Stadt gezogen; bissiger geschrieben.

Und nun, zack, Jahr vorbei, neues Wort muss her.

Wort des Jahres 2017: SCHREIBEN

Für einen Moment halte ich inne und höre auf das, was mein Bauchgefühl mir sagen will. Erst grummelt es, dann wirft es mich ins vergangene Jahr zurück. Neben all den positiven und wilden Momenten erinnert es mich an Momente vor dem Rechner, verzweifelt an der Bachelorarbeit sitzend, von Prokrastination und Ablenkung, von Neuanfang und Verzicht.

Was mir 2016 zu sehr gefehlt hat, war das Schreiben. Wenn die Bachelorarbeit endlich abgegeben wurde, ist der Kopf frei. Ich möchte die Tage, an denen ich nicht auf Tour bin, zum Schreiben nutzen. Im Idealfall jeden Tag ein bisschen, sei es nur ein Satz, ein Gedanke oder ein Haiku.

“Na, das ist doch auch ein Vorsatz”, pöbelt mich V. an, als ich ihm davon erzähle. “Könnte er fast Recht haben”, denke ich, “wenn nicht ich Recht hätte.” Denn zu einem Wort des Jahres gehört mehr, als nur das Ziel, jeden Tag etwas (digital) zu Papier zu bringen. Außerdem habe ich jetzt einen Zylinder, das ist cool. Damit hat man automatisch Recht.

 

Published inLebenSchreiben

Schreibe den ersten Kommentar

Kommentar schreiben:

Close
%d Bloggern gefällt das: