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Monatsrückblick 04/17

Ich glaube im April saß ich mehr im Zug, als alles andere. Die gefahrenen Strecken könnten locker die Einleitung zum Monatsrückblick füllen. Tun sie auch: Leipzig – Gütersloh – Leipzig – Cadolzburg – Fürth – Lauf – Fürth – Ansbach – Fürth – Nürnberg – Fürth – Halle – Leipzig – Bayreuth – Fürth – Nürnberg – Fürth – Ingolstadt – Fürth – Crailsheim – Ansbach – Würzburg – Schweinfurt – Marburg – Frankfurt – Marburg – Gießen – Marburg –  Fulda – Darmstadt – Leipzig.

Monatsstimmung als Bild

Der Abschluss, der nichts ändert (I)

Der Monat begann und mein Studium endete mit der Verteidigung meiner Bachelorarbeit. Ich würde gerne schreiben: Auf diesen Tag habe ich schon lange hingefiebert. Das stimmt aber nicht, eigentlich habe ich diesen Tag verdrängt. Mit der Abgabe meiner Bachelorarbeit ist emotional alles vorbei gewesen – sich dann doch noch aufraffen und die Verteidigung vorbereiten: schwer, wie immer. Wenige Tage vor der Verteidigung werde ich endlich nervös, zum Glück, denn Nervosität ist die beste Motivation.

Nach einer schlaflosen Nacht, einer S-Bahn Fahrt, dem Warten mit zitternden Knien vorm Unigebäude und einem 30-minütigen Gespräch ist es dann vorüber. „1,0“, sagen die Dozenten und meinen sowohl Bachelorarbeit als auch Verteidigung. Ich weine erstmal ein bisschen, aus Freude, Erleichterung und weil ich nicht weiß, was man in solchen Momenten sonst so tut. In den ersten Stunden danach schleiche ich wie ein Schatten durch die Straßen von Halle. Die Knie zittern noch immer, der Kopf ist leer, ein breites Grinsen fühlt sich falsch an, deshalb lächele ich nur unsicher, wenn mir jemand entgegen kommt. Statt Euphorie nur ein bittersüßer Geschmack im Mund – so fühlt man sich also als Bachelorette?

Lieblingsfoto (Ostersonntagspaziergang durch Leipzig)

Der Abschluss, der nichts ändert (II)

Im alten Stammcafé, Weißwein um 13 Uhr. Der unbestreitbare Vorteil einer gerade erhaltenen Spitzennote: Dem Vorwurf des Kellners („Du fängst aber früh an!„) eine glaubwürdige Ausrede entgegensetzen zu können. Mit jedem Anruf von daumendrückenden Verwandten und Freunden rutscht meine Stimmung immer weiter unter den Bartresen. Sobald etwas wie „Und was kannst du jetzt damit anfangen?“ gefragt wird, lege ich auf. Irgendwie habe ich mir diesen Tag glanzvoller vorgestellt. Meine Erwartungen waren nicht übertrieben hoch, eine klatschende Menschenmasse am Ausgang des Unigebäudes, vielleicht auch ein Streicherquartett, das „Halleluja“ spielt (ich habe schließlich fast 10 Semester gebraucht), vielleicht noch Freigetränke im Stammcafé und Stammgäste, die ein Autogramm wollen. Nichts besonderes halt.

Als ich abends mein vorläufiges Zeugnis im Internet begutachte, verstehe ich den eigentlichen Grund für die gedrückte Stimmung. Das Zeugnis sagt: „Hey, cool, eine 1,0 – an deinem Gesamtschnitt ändert sich aber trotzdem nichts.“ Und genauso ist es mit dem Frieden im Kongo – das Thema meiner Arbeit. Mit der guten Note wurde nämlich auch mein Forschungsergebnis bestätigt – dass die Friedensmission im Kongo scheitern wird und die Gewalt noch mehr zunehmen wird. Aber hey: ich habe einen Bachelor.

Unbeachteter Schnappschuss: Tradition der halbnackten Erstis in Würzburg

 Diesen Monat…

…Gedacht:
„Je länger man tourt, desto zynischer wird man.“
…Geschafft:
Den Bachelor.
Geärgert: 
Nicht nur das Zeitgefühl, sondern auch den Tagesrhythmus zu verlieren.
…Gefreut:
Über die vielen schönen Stunden mit tollen Menschen!
…Gelernt: 
Auf den „alles ist möglich“-Dienstag folgt der „alles ist möglich“-Mittwoch.
…Gelesen:
Nachhinein“ von Lisa Kränzler
…Gesehen: 
Ich seh, Ich seh“ von Veronika Franz & Severin Fiala (Produktion: Ulrich Seidl)
…Gehört:

Linktipps des Monats:

  • Eine gelungene Bilanz der ersten 100 Tage von Donald Trump als Präsident hat Michaela Haas im SZ-Magazin veröffentlicht. Das Fazit zur bisherigen Umsetzung wesentlicher Wahlkampfthemen und der Arbeit des neuen Präsidenten kommt ohne komplexe Analyse aus. Stattdessen wird Trump die Bewertung selbst überlassen – in Form von einer Zitatsammlung. Für den Unterhaltungsfaktor wird der Artikel von charmanten Trump-GIFs verschönert.
  • Dass nice Poetry Slammer auch anderen nicen Kunstkram machen, wurde mit dem Erscheinen eines Musikvideos am Monatsanfang mal wieder bewiesen. Das Lied „Son of Anarchy“ von Jason Bartsch feiere ich selbst nach dem zehnten Hören noch immer sehr. „Ich klingel drei Mal kurz, kurz, lang, kurz kurz und lang – das heißt SEX und ich weiß es macht dich an.“ Es ist eine freshe Hymne auf das Fahrradfahren, Ohrwurmgarantie! Am Musikvideo dieser „smashing hit single“, wie Jason den Song zu recht bezeichnet, ist übrigens ein weiterer Slammer beteiligt: die Komplimente für Dreh und Schnitt bitte an Tino Bomelino richten, er hat das sehr gut gemacht.
  • Wenn ich an Bonn denke, fallen mir nur zwei Dinge ein: Erstens wohnt Jason Bartsch dort, zweitens hat er in einem Slamtext (hier ansehen | dort nachlesen) Bonn als das „schwarze Paris“ bezeichnet. Genug mit Jason, jetzt aber zum nächsten Linktipp: Dass Bonn mehr als eine „Industriestadt im Dornröschenschlaf“ ist, hat Ariane von Heldenwetter hat in ihrem Beitrag „7 Gründe, Bonn zu lieben“ bewiesen. Ariane schreibt über kulturelle Vielfalt, die geschichtliche Bedeutung der Stadt und einen extravaganten Indoor-Campingplatz. Der Post erinnert daran, dass es überall schöne Ecken gibt.
  • Weitere Linktipps, die Linksammlung vom Mai und von den vorherigen Monatsrückblicken könnt ihr übrigens auch auf meinem Bloglovin-Profil unter „review“ finden.

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Zitat des Monats:

„Da lohnt sich der Honig.“
Published inLeben

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