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Monatsrückblick 06/17

Die Einleitung für diesen Monatsrückblick überlasse ich meinen Vergangenheits-Ichs. „Der Juni ist mein Lieblingsmonat.“ , schrieb ich vor einem Jahr. „Insgesamt ist so viel passiert, dass ich mich heute wundere, wie ich all das in einem Monat erleben konnte.“, schrieb ich im vor zwei Jahren. „Verrückt“, denke ich heute, weil es dieses Jahr nicht anders ist. 

Monatsstimmung als Bild

Drei persönliche Premieren

Es heißt, der Wettbewerbscharakter bei Poetry Slams ist nur zu Unterhaltungszwecken des Publikums gedacht und bedeutet für die Slammer_innen nichts; es geht nicht um den Sieg. Das stimmt. Meistens. Meistens ist es nur schön, ins Finale zu kommen, um einen weiteren Text vortragen zu können. Aber manchmal geht es doch um mehr, nämlich um einen Startplatz für die deutschsprachigen Meisterschaften. Nach mehr als drei Jahren, in denen ich immer wieder knapp an einer Qualifizierung vorbeigeschrammt bin, hat es dieses Jahr geklappt. Anfang des Monats konnte ich meinen ersten Titel im Poetry Slam holen. Als amtierende Leipziger Stadtmeisterin darf ich nun im Oktober nach Hannover fahren und an den deutschsprachigen Meisterschaften teilnehmen.

Die zweite Premiere fand an meinem Geburtstag statt: das SlamCamp! Wer mit diesem Begriff Camping, Festival und Zelte assoziiert, der irrt. Über zwei Tage lang trafen sich Slam Poet_innen in Schweinfurt, um der ersten Fachtagung für Poetry-Slam-Workshopleiter_innen beizuwohnen. Dass ich an meinem 24. Geburtstag mir unter anderem einen dreistündigen Vortrag über die GEMA anhöre und dabei Spaß habe, hätte ich mir selbst nie träumen lassen. Direkt im Anschluss an das SlamCamp fuhr ich nach Kassel, um die dritte Premiere zu erleben: mein erstes Mal als Solokünstlerin im Rahmen der Reihe Einzelkämpferin, die es sich zum Ziel gesetzt hat, junge Künstlerinnen zu unterstützen und ihnen eine Bühne zu geben. Zusammengefasst: Der Juni war ein solider Lachs.

Lieblingsfoto: Sommerabend am Cospudener See

Die Kehrseite der Medaille

Objektiv betrachtet läuft es in letzter Zeit ziemlich gut. Glück und Zufall spielen dabei sicherlich eine Rolle, aber all die schönen Ereignisse kosten mich auch jeden Tag eine Menge Kraft. Genau das musste ich diesen Monat spüren. Das Gefühl, ausgebrannt zu sein und nichts mehr auf die Reihe kriegen zu können, raubte mir den so wichtigen Schlaf, ich war zerstreut und nah am Wasser gebaut. Nach der Stadtmeisterschaft blieb die Freude über den Titel erstmal aus – besser gesagt: ich hatte keine Zeit, um mich zu freuen, weil noch tausend andere unerledigte Dinge auf mich warteten. Doch wenn alles nur noch vorbeirauscht und keine Zeit für schöne Momente bleibt, läuft irgendwas falsch. Deshalb musste ich mir notgedrungenerweise eine Auszeit nehmen. Durchatmen, Gedanken ordnen, durchatmen, schlafen. In dem persönlichen Reboot konnte ich die Prioritäten neu ordnen. Von nun an heißt es: Freizeit fest in den Tagesablauf einplanen und in der Zeit das Telefon und den Terminkalender nicht anrühren.

Unbeachteter Schnappschuss: Unfug im Backstage

Diesen Monat…

…Gedacht:
…Geschafft:
Mit meinem Soloprogramm zum ersten Mal auf der Bühne zu stehen.
Geärgert: 
Über Deadlines und mein schlechtes Zeitmanagement.
…Gefreut:
Als Leipziger Stadtmeisterin zum SLAM 2017 fahren zu dürfen.
…Gelernt: 
Mehr Zeit zum Leben einzuplanen.
…Gelesen:
„Die Abenteuer des Joel Spazierer“ von Michael Köhlmeier
…Gesehen: 
„Contact High“ von Michael Glawogger
…Gehört:

Linktipps des Monats:

  • Dass es als Single nicht immer so rosig ist, wie es nach außen hin scheinen mag, gestand Lina Mallon in ihrer Kolumne über das Alleinsein. „Du bist immer die, die übrig bleibt, die nicht die Priorität ist, die sich flexibel zeigen muss und für sich selbst sorgt.“ Mit ehrlichen Worte schreibt sie über einen vermeintlich schwachen Moment und zeigt damit nicht nur Stärke, sondern auch sympathische Menschlichkeit, die den schillernden Blogger-Persönlichkeiten in ihrer mit Filtern überdeckten Unantastbarkeit so oft fehlt.
  • Über das Alleinsein schrieb auch Kathrin Weßling in ihrem Post „Ein Hoch auf die Liebe und die Verbindlichkeit! Ach nee, doch nicht.“ Es geht ums Glorifizieren der eigenen Unabhängigkeit, um Flatterhaftigkeit und innerer Leere. „Alles ist aus Glas, so fühlt es sich an, alles durchschaubar und banal, du krümmst dich nicht mehr vor Schmerz oder vor Traurigkeit, du krümmst dich nur noch unter Langeweile.“ Lesenswert!
  • Auf Foxografie schrieb Caro über ihren Masterplan. „Wir sehen jeden Tag so unglaublich viele Bilder, dass ihr eigentlicher Wert oft gar nicht mehr wahrgenommen wird.“ Viele wahre Dinge stecken in ihrer Überlegung. Zum Beispiel, dass der Gedanke, wie etwas ankommen könnte, vom Ausprobieren abhält, oder die virtuelle Bilderflut die Inspiration abstumpfen lassen kann.
  • Weitere Linktipps, die Linksammlung vom Juni und von den vorherigen Monatsrückblicken könnt ihr übrigens auch auf meinem Bloglovin-Profil unter „review“ finden.

Zitat des Monats:

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen:
Die Hälfte ist mit Schnaps gefüllt, die andere Hälfte futtern heimlich die Mitbewohner auf.“

 

 Instagram-Favorit

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